Fünfte Flüchtlingsunterkunft an der Allerstraße / Haus in Stuhrbaum erworben

Wohnraum für Migranten: Stuhr baut, mietet, kauft an

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Flüchtlingsunterkünfte an der Allerstraße: Der Gemeinderat hat am Mittwochabend einstimmig den Bau eines weiteren Gebäudes abgesegnet.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle bilden die Zahlen von gestern nicht mehr die Realität von heute ab. Diese Erfahrung macht in diesen Tagen auch die Gemeinde Stuhr, wie Christian Möller, Fachbereichsleiter Finanzen und Steuerung, am Mittwochabend in der Ratssitzung berichtet hat. Die in einer Beschlussvorlage genannte Zahl von 210 Migranten in den Unterkünften der Gemeinde sei überholt. Es gebe jetzt mehr Flüchtlinge.

Laut Möller hat Stuhr in dieser Woche weitere 14 Personen aufgenommen. „In dieser Höhe wird sich die wöchentliche Zuweisung bis ins nächste Jahr hineinziehen“, sagte Möller. Also noch einmal 160 bis 170 Flüchtlinge bis Jahresende. 2013 hatten noch 50 Migranten in den gemeindeeigenen Immobilien gelebt. Als Folge dieser Entwicklung heißt es in der Vorlage, dass „die Möglichkeiten zur Deckung der Unterkunftsbedarfe für Asylsuchende in eigenen Objekten zeitnah erschöpft sein werden“. Stuhr müsse weiteren Wohnraum schaffen. Und das tut die Kommune auf unterschiedliche Weise. Sie baut, mietet und kauft an.

Wie Bürgermeister Niels Thomsen auf Nachfrage bestätigte, hatte die Gemeinde erst kürzlich ein Grundstück plus Gebäude mit drei Wohneinheiten in Stuhrbaum erworben. „Es ist aber nicht so, dass wir jeden Monat ein Haus kaufen“, sagte Thomsen. „Wir versuchen auch, geeignete Immobilien anzumieten.“

Für den Bau einer weiteren Unterkunft an der Allerstraße, die nunmehr fünfte dieser Art, beschloss der Rat am Mittwoch einstimmig eine überplanmäßige Auszahlung von 359000 Euro. Das Haus verfügt über acht Wohneinheiten und würde den Platzbedarf für 16 Asylsuchende decken.

„An der Allerstraße gibt es gute Bedingungen. Das Umfeld sieht nicht aus wie eine Flüchtlingssiedlung“, sagte Thomsen. Er entgegnete damit der Kritik von Bürger Joachim Busse, die Ansammlung von Häusern an der Allerstraße würden dem Grundsatz der Gemeinde widersprechen, wonach Flüchtlinge dezentral untergebracht werden.

Einstimmig segneten die Politiker auch eine von Kristine Helmerichs, Fraktionsvorsitzende der Grünen, angeregte Beschlusserweiterung ab. Die Gemeinde möge weitere Baumaßnahmen prüfen, zumal der freie Wohnungsmarkt „komplett zu“ sei. SPD-Fraktionschefin Susanne Cohrs pflichtete ihr bei und machte darauf aufmerksam, dass Stuhr auch bezahlbaren Wohnraum für allein erziehende Mütter und Väter brauche.

Gegenüber dieser Zeitung sagte Thomsen, dass die Gemeinde ihr Engagement auf dem Mietwohnungsmarkt verstärken wolle. Die Frage sei, ob dies über den geförderten, sozialen Wohnungsbau geschehen soll. Dann seien die Wohnungen nur eingeschränkt zu vermieten. Oder ob die Gemeinde Grundstücke erwerbe und Immobilien alleine finanziere.

Schon in der Ratssitzung betonte FDP-Chef Jürgen Timm, dass es nicht ratsam sei, sich in ein Förderprogramm einzuklinken. „Die Gemeinde ist dann nicht Herr über die eigenen Gebäude.“ CDU-Vorsitzender Frank Schröder mahnte an, „dass wir bald entscheiden müssen, wie wir uns aufstellen“.

Ob der Etat den Hausbau an der Allerstraße hergebe und ob bereits die versprochenen Bundesmittel geflossen seien, wollte Jan-Alfred Meyer-Diekena (FDP) wissen. „Wir müssen etwas machen, und ich gehe davon aus, dass wir das schaffen“, sagte Möller. Und über das Geld aus Berlin: „Das nimmt einen Umweg über Hannover und Diepholz.“ Was so viel heißt wie: Noch ist nichts angekommen.

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