„Politik machen wir beim Frühstück“

Fünf Jahre gemeinsame Ratsarbeit: Stuhrer Ehepaar Helmerichs zieht Bilanz

Mann und Frau an einem Tisch im Garten.
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Passen in der Politik und als Paar zusammen: Kristine und Bernhard Helmerichs.

Politik verbindet: Diese Erfahrung haben Kristine und Bernhard Helmerichs schon in den 1980er-Jahren während ihres Engagements für die Friedensbewegung gemacht. Nun liegen fünf Jahre gemeinsamer Ratsarbeit hinter dem Ehepaar. Fazit der beiden: Es hat funktioniert.

Blocken –  Hinter dem Ehepaar Kristine und Bernhard Helmerichs liegt bald die erste gemeinsame Wahlperiode im Rat der Gemeinde Stuhr. Für die Kommunalwahlen im September stehen die beiden Politiker von Bündnis 90/Die Grünen wieder auf der Liste (wir berichteten). Sollte Kristine Helmerichs Recht behalten und die Grünen landen bei einer Fraktionsstärke zwischen sieben und neun, ist die Fortsetzung der außerehelichen Zusammenarbeit reine Formsache.

Welche Bilanz ziehen die beiden unter fünf Jahre gemeinsamen Wirkens im Kommunalparlament? Im Gespräch mit der Kreiszeitung gibt das Paar Antworten auf diese und weitere Fragen.

Von Beginn an hat Politik bei Kristine und Bernhard Helmerichs eine große Rolle gespielt. Die beiden lernten sich in den 1980er-Jahren bei einem Basisgruppentreffen der Friedensbewegung kennen. Dort luchste Bernhard Helmerichs seiner Nachbarin die Telefonnummer „fürs Protokoll“ ab – eine Anmache, über die die beiden noch heute lachen müssen. Ein Ostermarsch in Weyhe zählte zu den ersten gemeinsamen politischen Aktivitäten. Ob damals auf der Straße oder heute im Rat – gemeinsam Politik zu machen, hat für Kristine Helmerichs „nichts Trennendes. Das befruchtet.“

„Mir ist das manchmal zuviel Bürokratie“

Die Fraktionschefin sitzt seit 1991 im Rat. Dass es bei Bernhard Helmerichs 25 Jahre länger dauerte, war den beruflichen Umständen geschuldet. In seinem Job als Agraringenieur hatte er viele Außentermine, die gemeinsame Rinderzucht und der Nachwuchs erschwerten das doppelte politische Engagement zusätzlich. Inzwischen befindet sich der Gatte im Ruhestand und blickt zufrieden auf seine erste Wahlperiode zurück: „Ich denke, dass ich Impulse reingeben konnte. Es macht Spaß, mit Argumenten Politik zu gestalten und parteiübergreifend zu arbeiten. Und ich habe positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen.“ Hin und wieder störten ihn die „vielen Hindernisse“ auf dem Weg zu einer politischen Lösung. „Mir ist das manchmal zuviel Bürokratie.“

Er habe natürlich davon profitiert, dass seine Frau schon im Rat saß. Und sei es nur, um die richtige Form beim Stellen eines Antrags zu wahren. „Aber sie hat auch ein gutes Erinnerungsvermögen und kann auch länger zurückliegende Sachverhalte sofort erklären“, sagt Bernhard Helmerichs. Der kurze Dienstweg ist allerdings tabu. Seine Anträge für die Ausschüsse muss er wie alle anderen auch schriftlich beim Ortsverband einreichen.

Für Kristine Helmerichs ist es „einfach schön, zuhause jemanden sitzen zu haben, den das alles interessiert.“ Oder besser: den es jetzt noch mehr interessiert als früher. Denn auch vor seiner Zeit als Ratsherr hatte Bernhard Helmerichs genügend Einblicke in die Arbeit seiner Frau gehabt. Wie sollte ihm das auch entgangen sein? „Ich bin ja nicht so introvertiert“, erklärt die Gattin. „Wenn mich eine Ratssitzung angekotzt hat, dann wussten es zu Hause alle.“ Ideen für Anträge habe sie auch schon immer mit ihrem Mann besprochen. Seit der laufenden Ratsperiode schätzt die Fraktionschefin die gegenseitige Reflexion.

„Wir sind nicht immer einer Meinung“

Es kommt auch vor, dass die beiden gemeinsam losziehen, um sich vor Ort ein Bild über ein Thema zu machen. „Auf dem Weg zu unseren Kühen in Varrel haben wir uns das neue Gewerbegebiet an der Birkenstraße angesehen“, nennt Kristine Helmerichs ein Beispiel. „Macht zu zweit auch mehr Spaß.“ In der Öffentlichkeit aber gelte: „Paar sein und Politik machen muss man auseinanderhalten.“ Bei Empfängen zum Beispiel trete jeder als Einzelperson auf und habe seine eigenen Gesprächspartner.

Hauptsächlich machen die Helmerichs Politik am Frühstückstisch. „Da wird heftig Zeitung gelesen“, sagt Bernhard Helmerichs. „Und es wird das Tagesthema ausgerufen“, fügt seine Frau hinzu. „Jeder sucht sich aus der Zeitung das raus, was ihn am meisten interessiert, und liest es vor.“ Ob Lokal- oder Bundespolitik spiele keine Rolle. „Wir sind nicht immer einer Meinung und streiten uns auch“, sagt Kristine Helmerichs. „Aber nie grundsätzlich. Wir haben uns ja auch wegen unserer ähnlichen politischen Richtung kennengelernt. Es geht eher darum, was man wie machen oder sagen kann.“

Sie ist guter Dinge, dass es mit der Zusammenarbeit auch in der kommenden Ratsperiode klappt. Und er wäre enttäuscht, wenn es nicht dazu kommen würde. Beides aus demselben Grund: Kristine und Bernhard Helmerichs sind überzeugt davon, dass sie sich ganz hervorragend ergänzen.

Der Kreative und die Organisatorin

Inhaltlich kommt das in der Besetzung der Themen und damit der Ausschüsse zum Ausdruck. Ebenso im aktuellen Wahlprogramm, wo er für die Mobilität und sie für das Thema Stuhr und umzu zuständig ist. Was die Fähigkeiten angeht, kann Bernhard Helmerichs Kreativität und Kristine Helmerichs Organisation. So war das schon damals beim Ostermarsch, als er die Plakate gestaltet und sie die Veranstaltung geplant hatte. „Wir profitieren davon, dass wir unsere Stärken in einen Topf werfen“, sagt Bernhard Helmerichs. „Und dass wir uns auf die Schwächen des Anderen einlassen“, findet die Gattin.

Die Aufteilung auf verschiedene Themen ist auch in Zeiten von Corona Gold wert, da immer mehr Ausschüsse digital abgearbeitet werden. „Gleichzeitig zwei Leute im Internet im Ortsteil Blocken – das ist blöd. Das funktioniert nicht“, sagt Kristine Helmerichs. Sie strebt – sollten die Grünen einen zweiten Sitz im Verwaltungsausschuss ergattern – die Trennung von Fraktionsvorsitz und stellvertretendem Bürgermeisteramt an. Noch bekleidet sie beide Posten in Personalunion.

So weit ist es aber noch nicht. Zunächst freut sich das Paar auf die Arbeit mit neuen, jungen Gesichtern. „Das wird die Fraktion in der Breite aktiver machen. Wir hatten Zulauf wegen des Themas Klimaschutz“, sagt Kristine Helmerichs. Viele Neuzugänge hätten Nachwuchs oder würden sich in der Kinderbetreuung auskennen, was wichtig für die künftige Gestaltung von Politik sei. Denn (auch) darin sind sich beide einig: Neben dem Klimaschutz werden die Folgen der Pandemie noch lange Thema sein. „Corona ist nicht gut an den Kindern und Jugendlichen vorbeigegangen“, sagt Kristine Helmerichs. Wenngleich die lokalen Handlungsmöglichkeiten begrenzt seien: „Wir müssen tun, was wir tun können. Und wir müssen beim Land nerven, wo wir nerven können.“

Von Andreas Hapke

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