Viele Männer hören auf eine Frau

Frischer Wind in Stuhr: Christiane Menzel leitet Shanty-Chor Brinkum

Christiane Menzel steht vor der Haifischbar in Heiligenrode.
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Vor der Haifischbar, so heißt das Domizil des Shanty-Chors in Heiligenrode, hat Christiane Menzel bei der Dienstags-Probe Stellung bezogen. Die Sänger üben zurzeit draußen.

Christiane Menzel ist die neue Leiterin des Shanty-Chors Brinkum. Seit Anfang Juni leitet sie die Proben des Ensembles und fällt damit als Akkordeonistin aus. Ersatz soll von den Bremer Handörglern kommen. Zurzeit absolviert die 38-Jährige noch eine Ausbildung zur Chorleiterin.

Heiligenrode – Der Shanty-Chor Brinkum hat eine neue Leitung, und es ist wieder eine Frau. Christiane Menzel hat den Job von Saskia Becker übernommen, die es zum Studium nach Süddeutschland verschlagen hatte. Seit Wiederaufnahme der Proben Anfang Juni hört alles auf das Kommando der 38-jährigen Brinkumerin. „Die Entscheidung ist innerhalb von paar Tagen gefallen“, sagt sie.

Christiane Menzel ist von Haus aus Akkordeonistin. Das Instrument habe sie schon als Kind „toll“ gefunden. Sie spielt es seit 30 Jahren, seit knapp zehn Jahren auch beim Shanty-Chor. Die langjährige Akkordeonistin Renate Koch sprach sie damals an, da sich die beiden Frauen bereits von den Bremer Handörglern kannten. „Ich war in ihrem Nachwuchsorchester, und ich bin auch heute noch dort“, erzählt Menzel. Da sie häufiger zu Konzerten des Shanty-Chors ging und regelmäßig in der ersten Reihe saß, lud Koch sie irgendwann zu einer Chorprobe ein. „Zwei Wochen später“, erinnert sich Menzel, „bekam ich zwei dicke Leitz-Ordner mit Noten.“

Als Instrumentalistin beim Shanty-Chor zu beginnen, sei eine große Herausforderung für sie gewesen. „Die Lieder waren mir zwar bekannt. Doch es macht einen großen Unterschied, ob man als eine von 20 Akkordeonistinnen in einem Orchester spielt, oder ob alle Augen auf einen gerichtet sind“, sagt Menzel. Auch für das Publikum sei sie schließlich ein Blickfang gewesen. „Mit Ende 20 lauter gestandene Männer um mich herum, das war schon merkwürdig. Da war ich anfangs aufgeregt.“ Damit, dass sie heute als Leiterin im Mittelpunkt steht, habe sie kein Problem. „Die Männer haben es mir wirklich einfach gemacht. Sorgen hatte ich diesbezüglich auch gar nicht.“

Abwechslungsreiche Shantys

Christiane Menzel ist musikbegeistert. „Egal, was es ist, Hauptsache es ist live“, sagt sie. Bei den Handörglern spiele sie alles querbeet, von Shantys über Pop bis hin zu Musicals. „Doch so eintönig Shantys für Außenstehende klingen mögen, so abwechslungsreich sind sie.“ Erst recht bei den Brinkumer Sängern: Der Chor ist vierstimmig, von den hohen ersten Tenören bis runter zu den zweiten Bässen. „Das sind schöne Tiefen, die den Teppich für den Rest bilden.“

Die Lieder hätten ebenfalls eine große Bandbreite, vom schnulzigen „Seemann, lass uns träumen“ bis hin zur Seeräuberballade. Ihr „absoluter“ Lieblingssong sei „Anchors away“, „das ist in den Programmen, die ich schreibe, meistens das Startlied. Das lässt sofort die richtige Stimmung aufkommen.“

Ihre Ausbildung zur Chorleiterin hatte Christiane Menzel bereits im Sommer vergangenen Jahres begonnen, „im September bin ich hoffentlich fertig“. Sie hätte das auch unabhängig von der Leitungsposition getan, betont sie. „Ich wollte das einfach lernen und dann bei einem Blasorchester anfangen.“ Einsingübungen, Atemtechnik, Änderung von Lautstärke und Tempo – all das sind Inhalte der Ausbildung. „Jede Geste, jede Bewegung hat ihre Bedeutung“, berichtet Menzel. „Den Chorleiter braucht man, um aus allem Musik zu machen.“

Männer müssen ihre Stimmen wiederfinden

Die Ausbildung hat der Chor nach Auskunft seines stellvertretenden Vorsitzenden Cord Castens unterstützt: „Man ist froh, wenn mal frischer Wind und neue Erkenntnisse reinkommen, sonst schleicht sich wie woanders auch eine Betriebsblindheit ein.“

In den bislang drei Proben unter ihrer Leitung sei es um die Rollenfindung gegangen, berichtet Menzel. Zwar habe sie Ex-Leiterin Saskia Becker schon mal vertreten, doch „es macht einen Unterschied, ob man aus Spaß leitet oder komplett die Verantwortung trägt. Es wird sicher nicht lange dauern, bis wir unsere gemeinsame Linie gefunden haben“. Zunächst aber müssten die Männer ihre Stimmen wiederfinden. „Die hat sich zurückgebildet wie die Muskulatur von Spitzensportlern, die Pause machen“, sagt Castens. Zeit hat der Chor bis Mitte August. Dann stehen die ersten Live-Auftritte in Syke und bei der „lütten Sail“ in Bremerhaven an – „wenn wir dürfen“, sagt Menzel.

Irgendwann wolle sie mehr machen als nur einen einzigen Chor leiten. Doch zurzeit, auch wegen der Familie, reiche ihr der Shanty-Chor. Ihr Akkordeon hat sie nur in Brinkum an den Nagel gehängt, bei den Bremer Handörglern bleibt sie weiter aktiv. Von dort kommt voraussichtlich auch ihre Nachfolgerin als Akkordeonistin.

Von Andreas Hapke

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