Förderverein Gut Varrel feiert sein 35-jähriges Bestehen / 30 Jahre Gutsscheune

In Varrel geht einbesonderer Bazillus um

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Seit 2012 ist Frank Schröder Vorsitzender des Fördervereins Gut Varrel, der zurzeit 498 Mitglieder hat.

Varrel - Von Andreas Hapke. „Nicht erhaltenswert“, „Schandfleck für Stuhr“, „umhätschelte Ruine“ – was sogar Denkmalpfleger und Kommunalpolitiker Ende der 70er-Jahre über das Gut Varrel dachten, verhieß nichts Gutes. Die Anlage hatte eigentlich keine Chance, aber ein 1978 gegründeter Arbeitskreis (AK) nutzte sie. Aus ihm ging der Förderverein Gut Varrel hervor, der am Sonnabend, 10. Oktober, sein 35-jähriges Bestehen feiert. Die Mitglieder stoßen auch auf den 30. Jahrestag der Gutsscheune an.

Unter dem Dach des Arbeitskreises traten engagierte Bürger den Totengräbern der Anlage entgegen. Allen voran die Varreler Vereine machten sich für den Erhalt des Guts stark, denn ihnen schwebte eine ortsnahe Begegnungs- und Veranstaltungsstätte in einer schönen landschaftlichen Umgebung vor. Heute stellt das niemand mehr in Frage.

Die Gemeinde aber tat sich seinerzeit schwer mit einer Restaurierung, obwohl sie 1976 und 1978 nacheinander die Grundstücke und Gebäude erworben hatte. „Das änderte sich erst, als das schöne Fachwerk des Gutshauses freigelegt wurde“, berichtet Frank Schröder, Vorsitzender des Fördervereins.

Mit dessen Gründung am 9. Juli 1980 war für einige Mitglieder die Entscheidung über den Zeitvertreib am Samstagvormittag gefallen. Von da an gab es die wöchentlichen Arbeitsdienste von 9 bis 13 Uhr, die der Pflege und des Erhalts des Guts dienen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Wir sind immer zwischen 12 und 16 Leute“, sagt Schröder. „Wenn es eng wird, telefoniert man eine Liste ab, und schon sind genug Helfer am Start.“ In der Festschrift ist vom „Gut-Varrel-Samstagsdienst-Bazillus“ die Rede. „Das ist keine tödlich verlaufende Erkrankung, aber in der Regel sehr zeitaufwändig.“ Diejenigen, die angesteckt wurden, haben in all den Jahren einiges auf die Beine gestellt.

Unzählige Arbeitsstunden hat der Verein zum Beispiel in den Umbau der Gutsscheune zu einem Mehrzweckraum investiert. Über diese Nutzung hatte der neu gegründete Förderverein 1980 einen Vertrag mit der Verwaltung geschlossen. Ohne den Einsatz der Förderer hätte die Gemeinde das Projekt finanziell nicht stemmen können. Das Gebäude wurde im März 1985 eingeweiht, rund drei Jahre später folgte das restaurierte Gutshaus. Die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Verein wird auch an der Wassermühle deutlich: Während die Gemeinde das Treppenhaus erstellte, kümmerte sich der TuS Varrel ums Erdgeschoss und der Förderverein um die zwei Obergeschosse. Beiden Clubs dient die Mühle seitdem als Vereinsheim.

Schröder erinnert auch an den Aufbau des in Stiftenhöfte erworbenen Backhauses aus dem Jahr 1832. Erst 16 Jahre nach dem Erwerb konnte der Verein das Gebäude im Juni 2004 einweihen. „Wir durften das Backhaus zunächst nicht errichten, weil ein Gutachten bestritten hat, dass hier jemals so etwas stand“, begründet Schröder. Erst Bürgermeister Cord Bockhop habe grünes Licht gegeben. „Auf einem Gut wurde immer gebacken“, zitiert Schröder den damaligen Verwaltungschef.

Zu den neuen Errungenschaften zählen ein überdachtes Holzlager und eine neue Treppe am Mühlengebäude, für die die Ehrenamtlichen noch das Geländer fertigen müssen. Demnächst steht zudem der Ausbau des Brunnens zu einem Ziehbrunnen inklusive Überdachung auf dem Programm. Überhaupt hat sich das Gut für die Feier am kommenden Sonnabend herausgeputzt. Laut Schröder hat die Gemeinde rechtzeitig die Türen und Fenster der Gebäude restauriert und gestrichen.

Das Fest beginnt um 18 Uhr mit den Grußworten. Besonders das Engagement des Gründungsvorsitzenden und 2014 verstorbenen Heinz Düßmann dürfte dann in den Fokus rücken. Fast 30 Jahre lang hatte er die Fäden in den Händen gehalten. Seine „Fähigkeiten als Architekt und Zimmermann haben ihn als Retter des Guts Varrel geadelt“, heißt es in der Festschrift.

Den Empfang begleiten zunächst die Musikfreunde Stuhr, dann spielt die Band „Happy End“ zum Tanz auf. Einen treffenderen Namen könnte die Combo nicht haben ob des zähen und am Ende erfolgreichen Ringens um die Zukunft des Guts vor 35 Jahren.

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