Erneut Grenzen überwunden

Flüchtlingsfrauen in Stuhr und Weyhe lernen Fahrradfahren

Die Teilnehmerinnen des Kurses mit einem Fahrrad samt Anhänger.
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Frisch gebackene Fahrradfahrerinnen: In einigen Herkunftsländern der Teilnehmer ist Fahrradfahren nicht möglich oder für Frauen sogar verboten. Fathma Atenhahn (l.) ist stolz, dass die Novizen ihre anfänglichen Berührungsängste überwunden haben.

In manchen Ländern ist Radfahren für Frauen nicht möglich oder verboten. 15 Migrantinnen haben es in Brinkum nun gelernt. Das fördere mit der Mobilät auch die Integration.

Brinkum – Fahrradfahren ist gelebtes Selbstbewusstsein und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe. Das Rad erweitere dabei den eigenen Bewegungsradius und fördere die Integration. Wichtige Ziele, unterstreicht Fathma Atenhahn, interkulturelle Koordinatorin der Gemeinde Stuhr. Am Freitag hatten zehn Frauen ihren letzten Tag in der vom Fachdienst Sozialer Service organisierten Fahrradschule in Brinkum.

Auf dem Pausenhof der Grundschule an der Feldstraße 15 hieß es für zehn Einwanderer-Mütter aus Stuhr und Weyhe an zehn Tagen für zwei Stunden am Tag erneut Grenzen zu überwinden, Ängste abzubauen und Neues zu erlernen.

Gertrud Schumpp vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Bremen (ADFC) unterrichtete die Frauen. Zunächst ging es auf einem Roller los. Nach drei, vier Tagen stiegen sie auf die Drahtesel um und schließlich kam das Fahren mit einem Fahrradanhänger hinzu. „Kinder lernen das mal eben, aber Erwachsene haben Ängste“, sagt Schumpp.

„Das Ganze klappt nur, weil alle Beteiligten so gut zusammenwirken“, lobt Atenhahn. So organisiert das Flüchtlingsnetz Stuhr „B5“ während des Fahrrad-Unterrichts eine Betreuung für die 14 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren der Fahrradfahren lernenden Mütter. Drei erfahrene Betreuer seien dafür im Einsatz.

Außerdem fördert der Landesportbund Niedersachsen das Vorhaben finanziell, der ADFC unterstützt vor Ort mit Trainerin Schumpp und zehn Trainingsrollern und -rädern. In der Kooperation seien außerdem der TuS Varrel, das Flüchtlingsnetz „B5“ sowie der Stuhrer Fachdienst Sozialer Service.

Für Atenhahn stehen drei Punkte des Programms im Vordergrund: Das Radfahren lernen, die zwischenzeitliche Kinderbetreuung der Kinder sowie die Möglichkeit, dass die Frauen im Anschluss preiswert Fahrradanhänger erhalten können. Über eine Darlehnsvereinbarung können die frisch gebackenen Fahrrad-Mütter die Anhänger erwerben. „Die müssen die Frauen dann in kleinen Beträgen zurückzahlen“, so Atenhahn. Sie dankt dem Direktvertrieb von Fahrradanhängern „Clickconcepts“ aus Ellwangen (Baden-Württemberg), der „mit dem Preis deutlich runter ging“ und zusätzlich die Fahrradschlösser umsonst liefere. Der Anhänger „Queridoo“ kostet im Handel rund 300 Euro.

Damit die Mütter zwischen 20 und 40 Jahren nun nach dem Erlernen nicht aus der Übung kommen, bietet das „B5“ zudem „preiswerte Fahrräder“ an, so André Becker. Die Räder seien Spenden und würden vom Verein zuvor verkehrssicher instandgesetzt. Und was sagen die Frauen selbst dazu, dass sie nun Fahrradfahren können? Mhert: „Es war sehr nett und hat Spaß gemacht. Wir haben viel Neues gelernt.“ Ihre Freundin Miter pflichtet ihr bei und ergänzt: „Ich habe meine Angst überwunden.“

Mobilität sei wichtig, insbesondere für Einwanderer. Der Weg zum Sprachkurs, zum Einkaufen oder um soziale Kontakte aufzubauen: Die Strecken auf dem Land sind meist lang und der öffentliche Nahverkehr zumindest ausbaufähig, so Flüchtlingshelfer Becker. Laut ADFC-Trainerin Schumpp kommen viele Frauen zudem aus Ländern, in denen Fahrradfahren nicht möglich oder für Frauen verboten ist. Atenhahn derweil will „den Kreislauf durchbrechen: Wenn Mütter Fahrrad fahren, können sie es später auch ihren Kindern beibringen.“ Nun soll noch ein Tag für die Verkehrssicherheit folgen, um Schilder zu Lernern. Das „B5“ teile zudem mit jedem Rad ein Heft mit deutschen Verkehrsregeln in zwölf Sprachen aus.

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