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Flüchtlinge starten in den Bildungsalltag: Stuhrer Schule unterrichtet 28 Ukrainer

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Von: Marten Vorwerk

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Die Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum
Die Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum hat 28 ukrainische Flüchtlingskinder aufgenommen. © Marten Vorwerk

Stuhrer Schulen haben die ersten Flüchtlingskinder aus der Ukraine aufgenommen. 28 von ihnen gehen auf die Kooperative Gesamtschule Stuhr-Brinkum. Dort berichtet Schulleiter Mirko Truscelli über die ersten Begegnungen. Auch an Kitas bereitet die Gemeinde ein Angebot für Kinder vor.

Stuhr – Rund 300 Flüchtlinge aus der Ukraine sind in den vergangenen Wochen in der Gemeinde Stuhr registriert worden. Stuhrer Familien haben die meisten von ihnen privat aufgenommen. Der Rest ist in gemeindeeigenen Unterkünften untergebracht. Gut ein Drittel der Geflüchteten ist im Kita- oder Schulalter. Doch finden alle einen Platz in einer Einrichtung?

Stuhrs Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann erklärt: „Wir kümmern uns darum, dass die Kinder, die altersmäßig ein Jahr vor der Einschulung stehen, so schnell wie möglich einen Kitaplatz bekommen – damit sie bis zum Schulbeginn, so gut es geht, Deutsch gelernt haben.“ Damit meint sie die Fünf- und Sechsjährigen der insgesamt mehr als 30 Kinder, die zwischen eins und sechs Jahre alt sind.

Die Vorgehensweise sei mit den Kita-Leitungen in Stuhr so abgestimmt worden. „Es war eine einvernehmliche Entscheidung von der Gemeindeverwaltung und den Kita-Leitungen“, so Bettina Scharrelmann. Noch sei allerdings kein ukrainisches Kind, das etwa ein Jahr vor dem Schulalter ist, in einer Kita angemeldet.

Eins- bis Fünfjährige kommen noch nicht in die Kita

Alle jüngeren Kinder werden vorerst nicht in den Kita-Regelbetrieb integriert. „Die Gruppengrößen würden dann überschritten werden, was zu Lasten aller Kinder gehen würde“, informiert Scharrelmann. Für die Jüngsten soll aber zeitnah ein mehrstündiges wöchentliches Spielkreisangebot entwickelt werden.

Etwas mehr als 80 Kinder im Schulalter hat die Gemeindeverwaltung dagegen an die zuständigen Schulen gemeldet. Für die Beschulung sei jede Schule selbst zuständig. Die KGS Stuhr-Brinkum zum Beispiel hat 28 Ukrainer und Ukrainerinnen aufgenommen. „Das ist für uns gar keine Frage. Da geht es auch nicht darum, ob wir Kapazitäten haben. Das ist unsere soziale Verantwortung, Kriegsflüchtlinge in der Schule zu integrieren“, betont KGS-Schulleiter Mirko Truscelli.

Schüler, die Englisch sprechen, würden eher in Klassen des Gymnasialzweigs integriert werden. Während Schüler, die noch kein Deutsch oder Englisch sprechen, in den Realschulzweig aufgenommen werden. „Jetzt geht es erst einmal um die soziale Integration, nicht um das Schulische. Wir müssen ihnen Strukturen geben, die Kinder sind teilweise traumatisiert. Wichtig ist, dass die Schüler hier gut ankommen und Deutsch lernen“, erklärt Truscelli.

Keine Klasse ausschließlich aus Ukrainern

Deswegen habe die Schule absichtlich darauf verzichtet, eine Klasse ausschließlich mit Kindern aus der Ukraine zu bilden. Vielmehr werden die Flüchtlinge immer mal wieder aus den Klassen herausgeholt, um in der Gruppe Deutsch zu lernen. Truscelli sagt: „Unsere Schüler und Lehrkräfte haben die Geflüchteten positiv empfangen und die Ukrainer sind auch auf sie zugegangen. Allen ist bewusst, dass sie aus Kriegsgebieten kommen. Wir können nur erahnen, was sie durchgemacht haben.“

Die meisten der neuen Schüler der KGS wohnen in privaten Unterkünften. Lobend erwähnt in diesem Zuge Bettina Scharrelmann die Hilfe der Stuhrer Bürgerinnen und Bürger. „Ihnen gilt unser besonderer Dank. Für Kinder ist die Unterbringung in privaten Haushalten viel besser, als wenn sie in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht werden müssen.“

Besseres Wohlfühlen in privaten Unterkünften

Damit meint die Erste Gemeinderätin vor allem, dass Kinder in deutschen Familien beginnen können, die deutsche Sprache zu lernen oder dabei unterstützt werden. „Allgemeine Flüchtlingsunterkünfte sind natürlich immer eine einfache Notunterbringung, die der Aufnahme in privaten Wohnungen, was das Wohlfühlen anbelangt, nachsteht“, erklärt sie.

Ob der Andrang der Flüchtlinge noch größer wird oder ob sich die Zahl der Neuankömmlinge verringert, könne Bettina Scharrelmann nicht voraussehen. Sie erklärt: „Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge stagniert zurzeit. Alles hängt sicherlich davon ab, wie sich die Lage in der Ukraine entwickelt und ob sich die Angriffe Russlands regional ausweiten; ob es inländische Fluchtmöglichkeiten gibt oder Menschen in bestimmte Regionen zurückkehren können oder nicht.“

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