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Fischereiverein setzt rund 5.000 Aale in Stuhrer Gewässer

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Von: Edgar Haab

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Rolf Libertin.
Auf den Weg, den neuen Lebensraum zu erkunden, entlässt Rolf Libertin einige der jungen Aale in ein Stuhrer Gewässer. © SFV Stuhr-Bremen

Die Mitglieder des Sportfischereivereins Stuhr-Bremen setzen rund 5.000 vom Aussterben bedrohte Fische in der Ochtum und der Varreler Bäke aus. Ihr Ziel: Den Bestand des europäischen Aals retten, der seit Urzeiten im hiesigen Gewässersystem lebt. Die EU fördert das langfristige Vorhaben.

Stuhr – Sie sind länglich, schleimig, glatt und vom Aussterben bedroht. Die Rede ist von Aalen. Um die Population der allein schon vom Erscheinungsbild außergewöhnlichen Fischart in den Flüssen und Seen Stuhrs aufzustocken, haben Mitglieder des Sportfischereivereins (SFV) Bremen-Stuhr nun rund 5.000 junge Aale ausgesetzt.

Mehr als 16,4 Kilogramm vorgestreckte Aale – kurzfristig nach dem Fang in einer Aufzuchtstation gehältert und angefüttert sowie nicht länger als 15 Zentimeter – holten Mitglieder des SFV an einer Sammelstelle an der Autobahn 1 bei Wildeshausen ab. Anschließend setzten sie die Tiere in den Vereinsgewässern Ochtum und Varreler Bäke aus. Die Jungtiere stammen laut dem ersten Vorsitzenden Rolf Libertin von der auf Aale spezialisierten Fischfarm Alba mit Sitz bei Haaren an der Ems. 1000 Euro investiert der Verein jährlich in den Aalbesatz. Je nach Tagespreis variiert die Zahl der gelieferten Fische.

Nachdem die kleinen Aale in die Transportbox des Vereins umgeladen waren, ging es auch schon los zu den Gewässern in der Gemeinde Stuhr. Die Vereinsmitglieder vom SFV wählten nur Seen und Flussabschnitte aus, von denen die Aale, wenn sie nach 12 bis 18 Jahren geschlechtsreif sind, wieder abwandern können. Bis zu drei Jahre dauert ihre Wanderung zu den Laichgründen im Saragossa Meer im Atlantik, wo sie, nachdem sie für Nachwuchs gesorgt haben, sterben.

Aale.
Der europäische Aal: Länglich, schleimig, glatt und vom Aussterben bedroht. © SFV Stuhr-Bremen

Auch die kleinen Aale haben schon einen weiten Weg hinter sich: Geboren wurden sie im Saragossa-Meer vor der US-amerikanischen Küste Floridas. Mehrere Jahre waren sie unterwegs, um an die Küstengewässer in Europa zu gelangen.

Gefangen als kleine, sogenannte Glasaale wandern die teils durchsichtigen Tiere nach dann in die Fischaufzuchtanlagen, um nach einer kurzen Erholungspause in die hiesigen Gewässer ausgesetzt zu werden. „Die Aale gehören bereits seit Urzeiten in unser Gewässersystem. Ohne den ständigen Besatz neuer Jungtiere würde diese Fischart über lang aussterben“, so Libertin.

Mit dieser Maßnahme, die die Europäische Union mit 60 Prozent der Kosten fördert, versuchen die Fischereivereine den auf der „Rote Liste“ stehenden Aal in seinem Bestand zu erhalten. Der Landesfischereiverband Weser-Ems hatte hierzu eine Sammelbestellung organisiert. Neben dem Sportfischerverein Bremen-Stuhr waren mehrere Vereine aus dem Weser-Emsgebiet beteiligt. Insgesamt haben die Vereine mehr als 4.000 Kilogramm der jungen Aale für einen Teil der norddeutschen Gewässer bestellt.

Diese bestandserhaltenden Maßnahmen machen die Stuhrer Angler bereits seit mehreren Jahren. Wirksam werden diese Aktionen erst nach 15 bis 20 Jahren, wenn die Fische ausgewachsen sind und sich auf den Weg in ihr Laichgebiet begeben.

Rolf Libertin: „Der Verein hofft mit dieser Aktion zur Bestandserhaltung des Aales, der auf der ,Roten Liste‘ der bedrohten Tierarten zu finden ist, beizutragen. Es sind Investitionen in die Zukunft für die nächsten Generationen.“

Aale auf der „Roten Liste“

Die Internationale Union zur Erhaltung der Natur hat die neueste Ausgabe ihrer „Roten Liste“ (2020) bedrohter Arten herausgegeben. Die „Rote Liste“, die 1964 erstmals erstellt wurde, gilt weithin als die weltweit umfassendste Informationsquelle mehr als den Grad der Bedrohung von Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Mehr als 32.000 Arten sind vom Aussterben bedroht, was 27 Prozent der etwa 120.000 bisher bewerteten Arten entspricht. Der europäische Aal ist bereits seit Jahren als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Quelle: www.unbonn.org 

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