In Bildern und Plakaten

Künstlerin Nicole Clöer setzt sich mit dem Klimawandel auseinander

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Nicole Clöer mit drei Exemplaren ihrer Plakatserie „Save the oceans“.

Stuhr - Wir erinnern uns an den Sommer des vergangenen Jahres: Deutschland litt unter einer Dürre, wie es sie seit Beginn der Aufzeichnungen noch nicht gegeben hatte. Eine Schlagzeile bedrohlicher als die vorangegangene. „Mitte des Jahrhunderts ist die Menschheit am Ende“, titelte zum Beispiel Focus. „Wir steuern geradewegs in die Klimakatastrophe“, war in der Schweriner Volkszeitung zu lesen.

In jenem Sommer hielt sich die Brinkumer Künstlerin Nicole Clöer an der französischen Côte d’Azur auf und begann zu philosophieren: Was, wenn uns die Sonne irgendwann nicht mehr so freundlich gesonnen ist? Zurück in Deutschland begegneten ihr immer mehr Berichte und Fernsehbeiträge über den Klimawandel. Es ging um verhungernde Eisbären und erstickende Fische. Die ausgetrockneten Böden vor ihrer eigenen Haustür taten ihr Übriges. „Mir hat sich die Frage gestellt: Wo endet das? In der Apokalypse?“, erzählt die Künstlerin. „Und was werden unsere Kinder noch alles erleben?“

Für Nicole Clöer stand fest: Sie muss das künstlerisch verarbeiten. Anfang 2019 begann sie mit der Arbeit an ihrem Zyklus „Heiße Zeiten“, der in abstrakter Form die unterschiedlichen Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur thematisiert. Die sieben Ölbilder, jeweils ein mal ein Meter groß, tragen Namen wie „Sengende Sonne“ und „Schmelzende Pole“. Fünf davon sind zurzeit im Bürgerhaus Weserterrassen in Bremen zu sehen, „Sonnenbrand“ und „Verdorrte Erde“ hat sie einer Galleristin in Paris zur Verfügung gestellt. „Sie wollte diese beiden Bilder unbedingt haben“, sagt Nicole Clöer. „Dafür musste ich noch nicht einmal Klinken putzen.“

Mit den sieben Werken sei der Zyklus komplett und die Arbeit am Thema Klimawandel abgeschlossen – eigentlich. Denn parallel dazu begann die 50-Jährige eine Plakatserie mit dem Titel „Save the oceans“. 25 dieser Linoleumschnitte sind inzwischen entstanden, weitere sollen folgen. Ihr auffälligstes Motiv: Fische, die um Hilfe rufen. 25 Euro kostet ein Plakat, wobei fünf Euro für die Ortsgruppe Stuhr des Naturschutzbunds (Nabu) Deutschland bestimmt sind.

Die Natur, vor allem die Tier- und Pflanzenwelt, seien schon immer die „Hauptquelle“ ihrer künstlerischen Inspiration für sie gewesen, sagt Nicole Clöer. Schon als Kind habe sie mikroskopiert, Kaulquappen auf ihrem Weg zum Frosch beobachtet und verschiedene Samen im Garten eingepflanzt.

Vor diesem Hintergrund ist auch ihre Serie „Bienen“ zu verstehen. Seit langer Zeit beschäftige sie sich mit den Insekten, berichtet Nicole Clöer. 2006 habe sie sogar eine Fortbildung zur Imkerin absolviert, um mit ihnen vertrauter zu werden. „Doch meine künstlerischen Umsetzungen als Zeichnungen oder Ölbild gefielen mir nicht.“ Das änderte sich erst, als sie ihre Technik auf Ölpastellzeichnungen mit Flügeln aus Blattgold umstellte. Die Werke „Verblühender Lavendel“, „Kleiner Schwarm 1“, „Kleiner Schwarm 2“ und „Drohnenflug“ sind ebenfalls im Bürgerhaus Weserterrassen zu sehen. Es fehlt die Bienenzeichnung „Abflug“, die es in die Ausstellung „Natur – Mensch“ geschafft hat. Sie beginnt morgen im Nationalpark Harz in St. Andreasberg.

Wer einen Überblick über das Schaffen der Künstlerin erhalten möchte, hat am Samstag, 21. September, Gelegenheit dazu. Nicole Clöer beteiligt sich an der Aktion Offenes Atelier des Vereins „Kunst in der Provinz“. Zeit und Ort: um 14 Uhr, Georgstraße 4a in Brinkum. „Meine Kunst“, sagt sie, „ist im ganzen Haus verteilt.“

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