Positive Zwischenbilanz

Projekt Adelante: Firmen und Spanier wollen weitermachen

Mit einer Geschenktüte der Gemeinde geht es für die Spanier in den Heimaturlaub. Mit auf dem Foto: Bürgermeister Niels Thomsen (r.), Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier (4.v.l.) und „PractiGo“-Geschäftsführer Marc Oliver Schneider (2.v.l.). - Foto: hu
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Mit einer Geschenktüte der Gemeinde geht es für die Spanier in den Heimaturlaub. Mit auf dem Foto: Bürgermeister Niels Thomsen (r.), Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier (4.v.l.) und „PractiGo“-Geschäftsführer Marc Oliver Schneider (2.v.l.). 

Stuhr - Von Andreas Hapke. Damit hatte Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier nicht gerechnet: Für alle zehn Spanier, die im Rahmen des Projekts Adelante ihre Anpassungsqualifikation in Stuhrer Firmen anstreben, geht es in die zweite Runde. Die Firmen wollen mit ihnen und sie mit den Firmen weitermachen.

Eine Frau und neun Männer im Alter von 23 bis 32 Jahren waren im Oktober nach Deutschland gekommen, um sich ihre in Spanien erworbene Berufsausbildung in Deutschland bestätigen zu lassen. Grund: Ihnen fehlen praktische Anteile, die das Projekt Adelante kompensieren soll. Welche Inhalte sie in ihrem Job nachholen müssen, hat die Industrie- und Handelskammer ermittelt. Nun, da die zweimonatige betriebliche Erprobung abgelaufen ist und sich Unternehmen und Teilnehmer kennengelernt haben, beginnt die einjährige Anpassungsqualifikation. In Stuhr läuft das offenbar auf eine Erfolgsquote von 100 Prozent hinaus.

„In Deutschland herrscht Fachkräftemangel, in Spanien eine hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen. Adelante mildert diese beiden Extreme ab“, sagte Marc Oliver Schneider gestern während eines Pressetermins. Er ist einer der beiden Geschäftsführer der Firma „PractiGo“, die als Trägerin des Projekts auftritt. Die Rechnung scheint aufzugehen: Von den Unternehmen habe er durchweg positive Rückmeldungen erhalten. „Die Kollegen leisten gute Arbeit, hieß es.“ Im Gegenzug bekräftigten alle Spanier, nach der im Dezember 2018 endenden Anpassungsqualifikation in Deutschland bleiben zu wollen.

„Es war eine gute Entscheidung herzukommen. Wir lernen jeden Tag viel“, sagt Romàn Cobo Gago, der als Industriemechaniker bei der Firma Kasper-Elektronik untergekommen ist.

 Acht-Stunden-Tag produktiver als in Spanien

Auf die Frage, ob sich die hiesige Arbeitsweise von der in ihrem Heimatland unterscheidet, nicken alle mit dem Kopf. In Deutschland sei die Arbeit an einem Acht-Stunden-Tag produktiver als in Spanien, hat Sergio Jiménez Bonilla festgestellt. „Die Menschen arbeiten ruhiger, sind immer um Perfektion bemüht“, fügt José Manuel Martin Herencia hinzu, Fachkraft für Lagerlogistik. Er absolviert seine Qualifikation bei Straschu Elektro-Vertrieb. Romàn Cobo Gago empfindet es als angenehm, „dass die Leute ihren Mitarbeitern hier mehr Vertrauen schenken“.

In ihrer Freizeit unternehmen die Spanier gemeinsame Ausflüge nach Köln, Hamburg und Hannover, bemühen sich aber auch um eigene Kontakte. Romàn Cobo Gago etwa hat ein Tandem mit einem Deutschen gebildet, der Spanisch lernen möchte. Umgekehrt lernt Cobo Gago vom Tandempartner Deutsch.

Mentalitätsunterschiede haben die Teilnehmer auch schon kennengelernt. Sergio Jiménez Bonilla findet es in Deutschland schwerer, Freundschaften zu schließen. Doch wenn das geschafft sei, seien es verlässliche Freunde.

Die Kommunikation in der neuen Sprache fällt den Spaniern nach wie vor schwer. Zusätzlich zur Alltagssprache „müssen wir auch technisches Deutsch lernen, um in unserem Job zu arbeiten“, sagt Romàn Cobo Gago. Bereits vor ihrer Ankunft hatten die Teilnehmer einen viermonatigen Intensivkurs in Sevilla absolviert, in Stuhr geht das Büffeln in den Räumen von „PractiGo“ an der Ernst-Abbe-Straße in Brinkum weiter. Nur mit dem Jahreswechsel kommt das vorübergehend zum Erliegen. Denn so gern alle bleiben wollen, so sehr freuen sie sich auch über ihren Weihnachtsurlaub in der Heimat.

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