Neue Anforderungen

Stuhrer Feuerwehr erhält neue Schutzkleidung

Drei Generationen von Einsatzbekleidung: die neue sandfarbene (v.l.), die bekannte schwarze und die alte orangefarbene Jacke.
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Drei Generationen von Einsatzbekleidung: die neue sandfarbene (v.l.), die bekannte schwarze und die alte orangefarbene Jacke.

Hausbrand, Wald- oder Feldbrand, technische Hilfeleistung – Einsatz ist gleich Einsatz. Also reicht für jeden Menschen in der Feuerwehr eine Garnitur Schutzausrüstung aus. Das ist längst nicht mehr so, im Gegenteil: Der Charakter und die Art der Einsätze haben sich verändert. Dies erfordert komplett neue Überlegungen bei der Beschaffung – so auch bei der Feuerwehr Stuhr.

Stuhr / Landkreis – Bereits Ende vergangenen Jahres trafen die ersten 90 Garnituren der neuen Einsatzbekleidung in der Gemeinde ein. Genau genommen sind es neue Jacken und Hosen, die wie der Helm, die Schuhe und die Handschuhe zur sogenannten Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gehören. Neu ausgestattet wurden zuerst die Atemschutzgeräteträger. Im Laufe des Jahres folgen laut Gemeindebrandmeister Michael Kalusche weitere 150 Garnituren. Ziel sei es, bis Ende 2023 alle Aktiven mit neuer Einsatzbekleidung ausgestattet zu haben.

Stuhr wählt gleiche Ausrüstung wie Berufsfeuerwehren Bremen, Hamburg und Berlin

Auch der Wechsel der Bekleidung solle dann möglich sein, wenn es notwendig wäre, erklärt Kalusche: „Einsatzhygiene wird heute etwas anders geschrieben.“ Das bedeutet, dass Feuerwehrleute ihre durch den jeweiligen Einsatz verschmutzte Bekleidung noch vor Ort wechseln. Dies geschah noch vor wenigen Jahren zumeist erst nach der Rückkehr zum Gerätehaus. Zur Verschmutzung zählen nicht nur chemische Stoffe, sondern auch Brandrauch und Ruß.

Wie langwierig die Suche nach der auf die speziellen Einsatzlagen vor Ort abgestimmte Schutzausrüstung sein kann, haben die Stuhrer im wahrsten Sinne des Wortes am eigenen Leib erfahren. Anfragen bei mehreren Herstellern, Prüfung und laut Kalusche eine „Modenschau unter Coronabedingungen“ eines Kameraden gehörten dazu. In die Beschaffung hat es die Einsatzbekleidung geschafft, die auch die Berufsfeuerwehren in Bremen, Hamburg und Berlin verwenden. Sie sei sowohl für den klassischen Hausbrand mit Innenangriff als auch die technische Hilfeleistung auf der Autobahn sowie Feld- oder Waldbrände geeignet. Kosten für die Gemeinde Stuhr laut Kalusche insgesamt: knapp 250 000 Euro.

Einsatzstellenhygiene fordert Umdenken bei Feuerwehren und ihren Trägern

Keine Gemeinde kommt drum herum, Geld in die Neubeschaffung von Persönlicher Schutzausrüstung zu investieren. Hintergrund: Die Kommunen sind gesetzlich zur Gefahrenabwehr verpflichtet. Dazu gehört auch, Ausrüstung und entsprechende Fahrzeuge für die Feuerwehren vorzuhalten. Doch gerade bei der PSA haben in jüngerer Vergangenheit neue Betrachtungsweisen Einzug gehalten. Dies geht aus der Ende Februar veröffentlichten neuen PSA-Fachempfehlung des Deutschen Feuerwehr-Verbandes (DFV) und der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren der Bundesrepublik Deutschland (AGBF Bund) hervor.

„Die Ereignisse der letzten Jahre haben sehr deutlich gezeigt, dass die Feuerwehren und ihre Träger die Ausstattung mit Einsatzkleidung neu bedenken müssen“, sagt Christian Schwarze. Er ist Autor des knapp 30-seitigen Werks und Leiter des Fachausschusses Technik der deutschen Feuerwehren, einem gemeinsamen Gremium von DFV und AGBF Bund. Nicht mehr nur die Maximalausstattung mit Schutzkleidung, die auch beim Innenangriff einem Feuer gewachsen ist, sei notwendig. Arbeiten bei hochsommerlichen Temperaturen, Vegetationsbrände, lange Einsätze bei Überschwemmungen und eben das Thema Einsatzstellenhygiene erforderten „ein Umdenken“.

Kommunen entscheiden als Träger über die Ausrüstung der Feuerwehren

Welchen Weg die Kommunen als Aufgabenträger gehen, hängt von den Aufgaben vor Ort ab. „Wir unterscheiden nur nach der Einsatzform“, sagt dazu Olaf Rebmann, Bezirkspressewart Lüneburg innerhalb des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen (LFV). Unterschiede gibt es indes auch bei der Herangehensweise. „Es bekommt jeder das Gleiche, vom Anwärter bis zum Gemeindebrandmeister“, erklärt Kalusche die Stuhrer Linie. Neue Einsatzbekleidung sei auch ein zusätzlicher Motivationsschub.

Diesem Standpunkt schließt sich Michael Wessels grundsätzlich an. Der Kreisbrandmeister des Landkreises Diepholz stellt gleichwohl die „Gefährdungsbeurteilung“ stärker in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Danach werde bei der Ausstattung der Kreisfeuerwehr-Einheiten verfahren. Wessels meint, dass beispielsweise Kameradinnen und Kameraden, die für die Wasserversorgung oder die Einsatzstellenlogistik zuständig sind, andere Einsatzbekleidung benötigten als Atemschutzgeräteträger bei einem Brand mit Innenangriff.

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