Feodor Wiese setzt sich seit Jahrzehnten für die Belange Behinderter ein

„Wir reden nicht groß, wir machen einfach“

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Als langjähriger Vorsitzender des Behindertenbeirats verbringt der 74-Jährige viel Zeit am Schreibtisch.

Stuhr - Von Angelika Kratz. Die Arbeit mit und für Menschen mit Behinderungen liegt Feodor Wiese seit Jahrzehnten am Herzen. Angefangen hatte das zunehmend aufwendige ehrenamtliche Engagement durch die eigene Familiensituation.

Die beiden Söhne der Familie Wiese sind behindert, und so wollte das Ehepaar nicht nur Hilfe suchen, sondern auch eigene Ideen entwickeln. Schon während seiner Zeit als selbstständiger Bäcker in Seckenhausen war Feodor Wiese Elternsprecher der Lebenshilfe Syke. 1994 lud ihn der mittlerweile verstorbene Emil Pracht zu sich ein. „Er hatte damals eine Idee, vielmehr eine Vision“, sagt Wiese. Pracht träumte von einem Wohnheim, in dem die Erwachsenen mit geistiger Behinderung selbstständig, aber mit der notwendigen Hilfe leben sollten. „Fast aussichtslos“ sei dieser Plan für die Gemeinde Stuhr gewesen. Aber Emil Pracht ließ sich nicht beirren und setzte seine Pläne um.

Um ein finanzielles Fundament zu schaffen, gründeten Pracht und Wiese einen Verein zu Gunsten der neuen Anlage, die Behindertenwohnheimat Stuhr. Eine Million Deutsche Mark sammelten die Mitglieder, und sie schlossen eine Kooperation mit der Lebenshilfe Syke für eine Trägerschaft. Als die Gemeinde ein passendes Grundstück in Heiligenrode kaufte, gab es 2001 grünes Licht für den Bau des Wohnheims.

Der Wunsch des Vorstands nach einem Pavillon für Treffen und Veranstaltungen sprengte allerdings den finanziellen Rahmen. Als dem Verein die ehemalige Postimmobilie gegenüber der neuen Wohnheimat angeboten wurde, griffen die Verantwortlichen zu. Die Begegnungsstätte „Unser Haus“ war geboren. Dort herrscht aktives Leben, berichtet Wiese. Nicht nur die Tanzgruppe „Vergissmeinnicht“ trifft sich dort zu regelmäßigen Übungsabenden. Die Behindertendisco sorgt einmal im Monat für weitere Geselligkeit. Auch andere Vereine nutzen die Räume an der Heiligenroder Straße. So bietet beispielsweise der Behindertenbeirat dort regelmäßig Sprechstunden an. Seit 2007 fungiert Wiese als Vorsitzender des Beirats und sitzt zudem als Stellvertreter im Kreisbehindertenbeirat sowie im Inklusionsbeirat des Landes Niedersachsen.

„Wir arbeiten direkt mit Behinderten“, betont Wiese den Weg des Stuhrer Beirats, den nicht alle Gremien so gehen. Vielmehr sei die Herangehensweise der Stuhrer wegen der direkten Unterstützung für Familien und Betroffenen so gut wie einmalig in Niedersachsen.

Nicht nur geistig Behinderte unterstützen Wiese und sein Team. Auch Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, benötigen oft Beratung, um ihre Mobilität so wenig wie möglich einzuschränken. Einer Familie mit zwei schwerstbehinderten Kleinkindern unterstützte das Gremium bei der Beschaffung eines geeigneten Autos und half, Zuschüsse an der richtigen Stelle zu beantragen.

Trotz der intensiven Beanspruchung zu Hause macht Feodor Wiese die Arbeit im Behindertenbeirat Spaß. „Wenn wir was machen, wird nicht groß geredet, wir tun es einfach.“ Sorge bereitet dem 74-Jährigen indes der fehlende Nachwuchs im Beirat. So organisieren „die Alten“ weiterhin den ehrenamtlichen Begleitdienst nach der Disco, fahren mit den Bewohnern der Wohnheimat zum wöchentlichen Sport in die Brinkumer Turnhalle und kegeln gemeinsam mit ihnen im Gasthaus „Troja“.

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