Trotzdem Verkehrssünder und viel Verkehr

Feiner Weg: 15 Jahre Verkehrsberuhigung

Tempo 30 fahren auf dem Feiner Weg längst nicht alle Verkehrsteilnehmer.  Fotos: KATHARINA SCHMIDT
+
Tempo 30 fahren auf dem Feiner Weg längst nicht alle Verkehrsteilnehmer. Fotos: KATHARINA SCHMIDT
  • Katharina Schmidt
    vonKatharina Schmidt
    schließen

Neukrug – Der Feiner Weg in Neukrug ähnelt einem Slalom. Links und rechts am Fahrbahnrand stehen große, bepflanzte Betonringe. 2005 hat die Gemeinde Stuhr sie auf Anregung der Anwohner der angrenzenden Siedlung platziert. Die robusten Ringe sollen Verkehrsteilnehmer ausbremsen, die zu schnell durch die Tempo-30-Zone fahren. Und das klappt auch. Zumindest ein bisschen. Der Meinung sind die Anwohner, die sich damals für die Verkehrsberuhigung starkgemacht haben. Nun haben sie den 15. Geburtstag „ihrer“ Betonringe gefeiert.

Gut, das Wort „feiern“ ist vielleicht übertrieben. Eine wirkliche Feier ist angesichts der aktuellen Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen kaum möglich. Aber es gab bei einem Pressegespräch in kleiner Runde zumindest Windbeutel und Donuts. Und auch ein besonderer Gast war bei der kurzen Zusammenkunft dabei: ein orangefarbenes Plastikschwein mit der Aufschrift „15 Jahre Verkehrsberuhigung Neukrug“, mit dem Anwohner einen der Kübel dekoriert haben.

Beliebte Abkürzung

Viele Verkehrsteilnehmer nutzen den Feiner Weg als Abkürzung, wenn sie aus Ristedt kommend nach Bremen oder Delmenhorst fahren wollen (oder umgekehrt). Auch Navis schicken Autofahrer über diese Straße. Die Anlieger empfinden das hohe Verkehrsaufkommen als belastend.

Bevor es die Verkehrsberuhigung gab, war die Situation allerdings noch schlimmer. „Die Autos sind hier wirklich durchgerast“, sagt Gabi Martens aus der Nachbarschaft. Rainer Martens bestätigt das: „Obwohl hier rechts vor links gilt, sind sie hier durchgeknallt und haben nicht angehalten.“ Auch Ines Mundhenk kann sich noch gut an damals erinnern. Daran, wie sie sich angesichts des Verkehrs um ihre zwei Schulkinder sorgte. Oder daran, wie sie sich als Fußgängerin samt Kinderwagen und Hund über rücksichtslose Autofahrer geärgert hat. „Das war eine Zumutung“, findet sie.

„Das war eine Zumutung“

Ines Mundhenk und ein weiterer Anwohner haben dann 2005 zeitgleich, aber unabhängig voneinander, der Gemeinde die Situation geschildert. Dann ging alles recht schnell: Die Verwaltung hat sich die Lage vor Ort angeschaut und die Lösung mit der Slalom-Strecke vorgeschlagen. Die Anwohner stellten den Kontakt zu einer Firma her, welche die Ringe gesponsert hat. Dann war wieder die Gemeinde am Zug. Sie brachte fünf Betonringe an Ort und Stelle, kippte Erde rein, und stattete die neuen Hindernisse mit Reflektoren und Leitpfosten aus.

Ehrenamtliches Engagement

Seither kümmern sich fünf Familien aus der Nachbarschaft ehrenamtlich um die Kübel. Jede hat ihr eigenes Verkehrshindernis, das sie bepflanzt, hegt und pflegt. In all den Jahren kam es auch vor, dass Kübel kaputtgegangen sind, weil jemand dagegen gefahren ist. Doch zusammen mit der Gemeinde wurde stets alles repariert oder erneuert.

Seitdem die Ringe stehen, ist die Situation am Feiner Weg in den Augen der Anwohner deutlich besser geworden. Doch auch wenn die Strecke schon 15 Jahre verkehrsberuhigt ist: Von einer ruhigen Strecke kann nicht die Rede sein. Nach wie vor nutzen viele den Weg als Abkürzung. Laut den Anwohnern halten sich längst nicht alle an die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde. Auch farblich abgesetzte und leicht erhöhte Straßenabschnitte, die einige Zeit nach den Betonringen dazukamen, konnten das Problem nicht ausradieren.

Alternative Zollstraße

Die Anwohner verweisen darauf, dass in Sichtweite, nur rund 150 Meter weiter westlich des Feiner Wegs, die Zollstraße verläuft. Diese ist breiter als der Feiner Weg, man darf dort 70 Kilometer pro Stunde fahren, und Betonkübel stehen auch nicht im Weg. Aber die meisten scheinen, den Schilderungen der Anwohner zufolge, den Feiner Weg zu bevorzugen. Rainer Martens denkt, dass viele es oft eilig haben oder nach Feierabend schnell nach Hause wollen. Daher würden sie den direktesten Weg wählen und aufs Gaspedal drücken. „Das ist menschlich verständlich, aber trotzdem voll daneben.“

Die Anwohner glauben, dass es etwas bringen würde, wenn der Feiner Weg eine Anliegerstraße werden würde. Derzeit bleibt ihnen aber nur, auf die Rücksicht der Verkehrsteilnehmer zu hoffen und ihre Betonringe weiter hübsch zu bepflanzen. Und wer etwas langsamer fährt, kann die Blütenpracht auch wahrnehmen.

Von Katharina Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Rückkehr nach Mallorca - ein Erfahrungsbericht

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Schöne Picknick-Plätze in Deutschland

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Wie man Backups und Datenumzüge meistert

Mit der App auf Motorrad-Tour

Mit der App auf Motorrad-Tour

Meistgelesene Artikel

„Beamte“ auf vier Pfoten haben eine Nase für Drogen

„Beamte“ auf vier Pfoten haben eine Nase für Drogen

Zwei Todesopfer nach schwerem Unfall auf der B6 bei Asendorf

Zwei Todesopfer nach schwerem Unfall auf der B6 bei Asendorf

Am Montag zerschlug sich letzte Option auf zusätzliches Personal für die Öffnung

Am Montag zerschlug sich letzte Option auf zusätzliches Personal für die Öffnung

Twistringen trauert um Peter Dünzelmann

Twistringen trauert um Peter Dünzelmann

Kommentare