Feierstunde im Rathaus

Stuhr ehrt 17 scheidende Politiker des Gemeinderats

Ausscheidende Politiker im Rathaus Stuhr.
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15 von 17 Ratsruheständlern mit Bürgermeister Stephan Korte (vorne r.).

Die Gemeinde Stuhr hat 17 Ratsmitglieder verabschiedet. Gemeinsam haben die Frauen und Männer mehr als 250 Jahre Ratsarbeit geleistet, allen voran der Liberale Jürgen Timm mit 49 Jahren. Das neue Gremium konstituiert sich am 3. November. 

Stuhr - Im Laufe der Jahrzehnte hat der Stuhrer Ratssaal schon einiges erlebt, doch so viel Wehmut wie am Mittwochabend dürfte dort noch nicht in der Luft gelegen haben. Gleich 17 Ratsmitglieder musste Bürgermeister Stephan Korte vor Ablauf der Wahlperiode am 31. Oktober verabschieden – schweren Herzens, wie ihm anzumerken war. Bei so vielen Ehrungen blieb den Organisatoren nichts anderes übrig, als Grüppchen zu bilden.

Lediglich die CDU-Ratsfrau Marlise Brandes sowie ihre FDP-Kollegen Jan-Alfred Meyer-Diekena und Jürgen Timm kamen in den Genuss von Einzelehrungen. Bei Gerd-W. Bode war dies der Fall, weil er dem Stuhrer Rat inzwischen 25 Jahre angehört. Eigens dafür war Jan Arning, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, aus Hannover angereist.

„Sie haben sich ehrenamtlich im Rat der Gemeinde Stuhr engagiert, weil Ihnen das Gemeinwohl wichtig ist, weil Sie eben nicht nur bis zum eigenen Gartenzaun denken, sondern darüber hinaus“, lobte der Bürgermeister den Einsatz der scheidenden Ratsmitglieder.

„Langgediente Ratspolitprofis“

Möglicherweise freue sich der eine oder andere Politiker, zukünftig mehr Zeit mit der Familie, Freunden, Arbeit oder Hobbys zu verbringen, als sich in abendlichen Sitzungen Vorhaben und Vorlagen erläutern zu lassen, sagte Korte. Sich manchmal in nicht einfache Themen einzuarbeiten, sich Bürgerbeschwerden anzuhören und unterschiedliche Interessen abzuwägen, sich auch mal mit anderen Ratsmitgliedern zu streiten und doch zu Entscheidungen zu kommen, und das immer zum Wohle Stuhrs – dafür dankte Korte den Ehrenamtlichen im Namen der Gemeinde. „Unabhängig davon, wie lange Sie Ratsmitglieder waren.“

Persönlich dankte er den Politikern dafür, dass sie ihm den Amtsantritt nach einem von den Parteien engagiert und kontrovers geführten Wahlkampf leicht gemacht hätten. „In großer Bescheidenheit“ stehe er mit seinen eineinhalb Jahren Amtszeit vor so vielen „langgedienten Ratspolitprofis“.

Was den Rat für ihn besonders mache und bei seiner Entscheidung zur Kandidatur eine Rolle gespielt habe, sei der „deutlich wahrnehmbare Wille zum Kompromiss“. Kompromissbereitschaft sei eine „zutiefst demokratische Tugend“. In Stuhr würden Parteien und Fraktionen ihre Eigeninteressen im Zweifel hintanstellen.

Tipp des Urgesteins Jürgen Timm

In der Vorbereitung auf die Feierstunde war Korte auf einen alten Leitz-Ordner „aus der Vor-Digitalisierung“ mit Informationen über die Tätigkeiten der einzelnen Ratsmitglieder gestoßen. Über die Hälfte des Ordners nimmt demnach Jürgen Timm ein, der dem Rat nach 49 Jahren den Rücken kehrt. Allerdings nicht, ohne den ehemaligen Mitstreitern einen wichtigen Tipp mit auf den Weg zu geben: „Braucht nicht so lange für eure Entscheidungen. Für die wichtigsten Entscheidungen meines Lebens habe ich maximal 15 Minuten benötigt, angefangen mit der Wahl meiner Frau.“ Der erste Gedanke sei oftmals der wichtigste. „Daran solltet ihr euch halten.“ Laut Timm hat der Rat unendlich viel erreicht für die Gemeinde Stuhr. Dies müsse der Maßstab für die Zukunft sein.

„Ich habe fast ein halbes Leben hier verbracht“, sagte Marliese Brandes. Sie gehe mit einem lachenden Auge, „weil es eine schöne Zeit war“, und mit einem weinenden Auge, „weil ich euch verlasse“. Meyer-Diekena freute sich, dass er „an vielen Dingen mitmachen und die Gemeinde mitgestalten durfte“. Mit dem einen oder anderen habe er zwar mal eine Auseinandersetzung gehabt. Doch es sei wichtig, seine Meinung zu vertreten.

Brandes, Timm und Meyer-Diekena erhielten individuell angefertigte Gedenkmedaillen. Für alle Geehrten gab er außerdem eine Urkunde, einen Blumenstrauß sowie eine Flaschen Wein oder Sekt.

Bodes Amtszeit „sehr ungewöhnlich“

Natürlich hob auch Arning bei der Ehrung Bodes auf das freiwillige Engagement ab. „Die Ehrenamtlichen verdienen unsere Wertschätzung“, sagte Arning. Dies treffe insbesondere auf Politiker zu, die „Vorlagen lesen und Entscheidungen treffen, auch wenn sie unpopulär sind“. Manchmal seien sie auch unsachgemäßen Vorwürfen ausgesetzt. „Sie gestalten unsere Heimat ganz unvermittelt“, fügte Arning hinzu. 25 Jahre seien „eine ganze Menge, sehr ungewöhnlich“. Es gebe wenige Politiker, die auf eine so lange Zeit kommen.

Weitere Auszeichnungen gebührten den stellvertretenden Bürgermeisterinnen Kristine Helmerichs, Sigrid Rother, Sabine Sparkuhl und – in Abwesenheit – Gudrun Klomburg. Laut Korte haben sie allein im Jahr 2019 rund 250 Termine wahrgenommen – das Jahr, in dem Bürgermeister Niels Thomsen krankheitsbedingt ausgefallen war. „Ihr zeigt den Bürgern, dass Ihr für sie da seid. Das ist ein gutes Instrument gegen Politikverdrossenheit.“

Von Andreas Hapke

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