„Wir gehen immer von einem Brand aus“

Feuerwehr Brinkum: Fehlalarme drücken auf die Motivation

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Funktionierende Brandmeldeanlagen wie diese können Leben retten, wiederholt nicht intakte Geräte hingegen die Mitglieder der Feuerwehren nerven. 

Brinkum - Von Andreas Hapke. Der Januar ist noch lange nicht vorbei, da ist die Ortsfeuerwehr Brinkum bereits zu vier Fehlalarmen ausgerückt. Für sich gesehen keine außergewöhnliche Quote. Die Tatsache allerdings, dass es sich drei Mal um ein und dasselbe Objekt in Brinkum-Süd handelte, finden die Löschkräfte ganz und gar nicht lustig. Der jüngste Vorfall datiert von Mittwochabend, 19.44 Uhr. Schon in der vorangegangenen Nacht waren die Retter gefordert.

Brinkums Pressesprecher Christian Meinen ist einer von jenen Helfern, die gegen 2 Uhr morgens aus den Federn gerissen wurden. Sein Dienst bei der Rettungsleitstelle beginnt um 5.30 Uhr, eine 90-minütige Unterbrechung seines Schlafs für nichts und wieder nichts kann er genauso wenig gebrauchen wie alle anderen Rettungskräfte. „Da muss man froh sein, dass alle Kameraden mitfahren“, sagt er. „Aber wir gehen immer davon aus, dass es wirklich brennt.“

„Es drückt natürlich auf die Stimmung“

Dass mal ein betagter Herr im Altenheim raucht, die Anlage auf der Baustelle eines Gebäudes nicht vom System abgeklemmt ist und bei Staubentwicklung anschlägt oder eine neue Anlage nach ihrer Installation noch nicht richtig funktioniert – damit kann die Feuerwehr leben. „Wir sind da relativ leidensfähig“, sagt Rolf Wiechmann, stellvertretender Ortsbrandmeister der Brinkumer Truppe. Doch wenn 21 Löschkräfte in fünf Autos zum dritten Mal zur selben Firma ausrücken, das Ganze um 2.05 Uhr nachts? Das bleibt nicht ohne Folgen für die Motivation.

„Es drückt natürlich auf die Stimmung, wenn unsere Leute am Feuerwehrhaus erfahren, dass es schon wieder dorthin geht“, sagt Wiechmann. Er arbeitet in der Dauernachtschicht und muss deshalb tagsüber für Fehlalarme aufstehen. „Dann, wenn die meisten passieren.“

Doch auch Wiechmann betont, „dass wir jeden Alarm zu 100 Prozent so behandeln, als liege ein Brandereignis vor“. Und wie Meinen hebt er die Bedeutung von Meldeanlagen hervor: „Wir fahren oft genug los, und es war kein technischer Defekt, sondern ein Feuer.“

Einsätze sind gebührenpflichtig

In der Regel habe die Feuerwehr vor Ort die Möglichkeit, mit den Verantwortlichen zu sprechen. „Wir machen dann auf die Notwendigkeit aufmerksam, die Anlagen regelmäßig zu warten“, sagt Wiechmann und fügt hinzu: „Es ist auch im Interesse der Firmen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert. Die Einsätze sind schließlich gebührenpflichtig. Zusätzliche Einbußen entstehen Unternehmen mit Publikumsverkehr, wenn wir das Gebäude räumen lassen.“

„Wir verwarnen zunächst freundlich“, sagt Hartmut Martens, im Rathaus für die Feuerwehr zuständig. „Was aber nicht heißt, dass jeder einen Fehlalarm guthat.“ Im Wiederholungsfall mache die Verwaltung „auch mal“ von Kostenbescheiden Gebrauch. Die Gebühr für „Fehlalarme durch automatische Brandmeldeanlagen und vorsätzlich oder grob fahrlässig ausgelöste Alarmierungen“ beträgt laut Satzung 400 Euro.

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