Kommunalwahl

Familienpolitik mal anders: Jürgen, Claus Peter und Marie Timm kandidieren für den Gemeinderat

Jürgen, Marie und Claus Peter Timm.
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Jürgen (v.l.), Marie und Claus Peter Timm treten in Stuhr für die Gemeinderatswahl an.

Gleich drei Generationen der Timms betätigen sich in der Politik. Jürgen, Claus Peter und Marie wollen in den Stuhrer Gemeinderat und stellen sich zur Wahl.

Stuhr – Gut gelaunt sitzen Jürgen, Claus Peter und Marie Timm zusammen im Garten und genießen die womöglich letzten Sonnenstrahlen des Sommers. Sie unterhalten sich angeregt, doch nicht etwa über Maries Abi-Zeugnis oder Claus Peters Arbeitstag. Bei Familie Timm wird am Freitagabend über Politik diskutiert, und das hat seinen Grund: Großvater, Vater und Tochter engagieren sich politisch und treten in dieser Konstellation für die FDP zur Wahl für den Stuhrer Gemeinderat an.

Doch Claus Peter versichert, dass sich die Gespräche auch am Frühstückstisch nicht immer um politische Themen drehen: „Im Grundsatz gilt bei uns: Familiäres bleibt familiär und Politik bleibt Politik.“ Dennoch werde natürlich „immer wieder“ über Politik diskutiert, nicht nur im politisch engagierten Trio, das bei Großvater Jürgen am Gartentisch sitzt: „Die ganze Familie ist politisch interessiert, aber wir sind die Drei, die am ehesten ihre Meinung stärker vertreten und auch mal diskutieren“, sagt Marie.

Die ersten Berührungspunkte mit politischem Engagement hatte – natürlich – Jürgen Timm, den sein Sohn Claus Peter als „Oberhaupt“ bezeichnet. 1970 rutschte er nach der Einschulung seiner ältestes Tochter in den Klassenelternrat – „weil ich meine Klappe nicht halten konnte und zu viele Fragen gestellt habe“, erzählt er lachend. Wenige Wochen später bereits befand er sich auf dem Weg zum Kultusministerium, um sich für den Ausbau der Schule einzusetzen. Zwei Jahre später trat er in die frisch gegründete Stuhrer FDP ein und wurde Spitzenkandidat für die Kommunalwahl, die damals anstand. Eines ist dem 84-Jährigen dabei seitdem wichtig zu betonen: „Ich vertrete nie ein Wahl-, sondern ein Arbeitsprogramm!“ Sein Weg führte den früheren Raumfahrttechniker zwischen den Jahren 1980 und 1994 für insgesamt drei Wahlperioden in den Bundestag.

Claus Peter wandte sich vor etwa 15 Jahren der Politik zu. „Ausschlaggebend war mein Vater“, bestätigt der Transportbandmonteur, dass es kein Zufall ist, dass auch er Mitglied der Stuhrer FDP ist. Im Zwiegespräch merke der 53-Jährige noch immer, dass bei ihm, trotz gelegentlich unterschiedlicher Meinungen und Ansichten zu verschiedenen Themen, häufig am Ende eine Erkenntnis überwiegt: „Da hat mein Vater recht!“ Dennoch sagen sich beide grundsätzlich gegenseitig „ehrlich die Meinung“, wie Claus Peter versichert.

Später als Vater und Großvater, jedoch in deutlich jüngerem Alter, fand zuletzt die 19-jährige Marie ihren Weg in die aktive Politik – „durch meinen Großvater“, sagt sie. Politisch interessiert sei sie jedoch schon immer gewesen: „Ich mische mich gerne ein und äußere mich.“ Zwar kandidiert auch sie für die FDP für den Stuhrer Gemeinderat, auf Bundesebene sei sie allerdings „nicht mit den Zielen der FDP kompatibel“, erklärt die frisch gebackene Abiturientin und angehende Soziologie-Studentin. Sie bezeichnet sich daher eher als parteilos.

Im Grundsatz gilt bei uns: Familiäres bleibt familiär, Politik bleibt Politik.

Claus Peter Timm, FDP-Politiker

Einen großen Vorteil sieht Claus Peter in der generationenübergreifenden Konstellation im familiären Kreis: „Alle Generationen sind vertreten, so können wir die jeweils anderen Seiten sehen und alles miteinander besprechen.“ Dabei hat jeder der Drei ein eigenes politisches Kernziel; Jürgen will sich für mehr Transparenz in der Kommunalpolitik einsetzen: „Ich bin ziemlich sauer darauf, dass es wenige öffentliche Fachausschüsse gibt.“ Claus Peter beschäftigen vor allem die Nachwuchssorgen von Firmen und handwerklichen Betrieben: „Die Frage lautet: Was können wir tun, damit Schülerinnen und Schüler die Idee entwickeln, eine Ausbildung anzufangen?“ Und Marie liegen Angebote für Jugendliche in Stuhr am Herzen: „Ich habe mich gefragt: Wo bin ich gerne in Stuhr? Ich konnte darauf keine Antwort geben, denn es gibt in Stuhr keine richtigen öffentlichen Orte für Jugendliche. Das macht Stuhr für die Jugend unattraktiv.“

Auch wenn diese Ziele unterschiedlich sind, so hilft sich Familie Timm trotzdem gegenseitig. „Wir lernen in der Familie, was die Menschen auch darüber hinaus lernen sollten: Kompromisse zu schließen“, findet Claus Peter. Jürgen ist sich des Stellenwertes von politischem Engagement bewusst: „Wir sind die Abgesandten unserer Einwohner, aber gerade in der Kommunalpolitik sind wir erst mal Menschen.“

Ganz besonders gilt das für eine Person: Ehefrau Annemarie, mit der Jürgen Timm vor Kurzem diamantene Hochzeit feierte und die dem Pressegespräch im Hintergrund aufmerksam lauscht. „Meine Frau“, sagt Jürgen Timm lachend, „ist die erste Bürgerin, der ich Rede und Antwort stehen muss.“

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