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Trickbetrug: Falscher Polizist läuft echter Polizei in die Arme

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Falsche Polizisten haben unter anderem in Stuhr und Weyhe mehrere Personen um ihr Erspartes erleichtert. Jetzt stand einer der Täter in Oldenburg vor dem Landgericht. Symbo
Falsche Polizisten haben unter anderem in Stuhr und Weyhe mehrere Personen um ihr Erspartes erleichtert. Jetzt stand einer der Täter in Oldenburg vor dem Landgericht. Symbo © Karl-Josef Hildenbrand / DPA

Falsche Polizisten haben in Stuhr, Weyhe, Lemwerder und Bremen gnadenlos ältere Damen abgezockt.

Oldenburg/Stuhr – Seit Mittwoch muss sich ein Mitglied der Gaunertruppe wegen bandenmäßigen Betruges in fünf Fällen vor dem Oldenburger Landgericht verantworten. Die anderen Bandenmitglieder sitzen nach wie vor in der Türkei in einem Callcenter, von dem aus sie bundesweit ältere Menschen anrufen, sich als Polizisten ausgeben und die Opfer mit Angstszenarien zur Herausgabe von Geld und Schmuck nötigen.

Der jetzige Angeklagte war laut Staatsanwaltschaft für das Abholen der Beute verantwortlich. Alles fing mit einem Anruf der falschen Polizisten bei den betagten Damen an. Einbrecherbanden hätten in der Nähe ihrer Wohnung ihr Unwesen getrieben, zwei Einbrecher seien festgenommen worden. Die anderen seien auf der Flucht. Bei den Festgenommenen sei ein Zettel gefunden worden mit ihrem Namen darauf, hatten die falschen Polizisten den jeweiligen Opfern erzählt. Ein Einbruch bei ihnen stünde unmittelbar bevor.

Geld und Schmuck sollten in Mülltonne deponiert werden

Die Einbrecher verfügten laut den Angaben der vermeintlichen Ordnungshüter über technische Mittel, mit denen sie von der Straße aus EC-Karten nebst Geheimnummern in den jeweiligen Wohnungen scannen könnten. Nichts sei vor den Einbrechern sicher. Und deswegen sollte man alles Geld und Schmuck sowie die EC-Karten nebst Geheimnummer in eine Tüte packen und vor die Tür legen, damit es von der Polizei abgeholt und in Sicherheit gebracht werden könne, hatten die „Oberkommissare“ und „Staatsanwälte“ den Opfern am Telefon geraten.

In einigen Fällen hatten die Betrüger auch den Opfern erklärt, sie sollten Geld und Schmuck mit Alufolie umwickeln, um sich vor den Strahlen der Scanner zu schützen. Dann sollte das Paket aus dem Fenster geworfen oder in eine Mülltonne gelegt werden, wo es von der Polizei abgeholt werden würde.

82-Jährige verliert ihr gesamtes Vermögen

Auch eine Fußmatte sei ein guter Ort, wo das Geld sicher sei, bis es die Polizei abholen würde. Die verängstigten Opfer waren auf die Betrüger hereingefallen. In Bremen verlor eine 79-Jährige alles, was sie hatte, in Weyhe eine 82-Jährige ihr gesamtes Vermögen. In Syke wurde eine ältere Dame um 7 500 Euro geprellt, in Lemwerder verlor eine 83-Jährige vorerst auch alles.

Doch diese Dame war stutzig geworden. Wie die anderen Opfer auch hatte sie neben Geld und Schmuck auch ihre EC-Karte mit Geheimnummer herausgegeben. Nun hatte sie Angst, dass ihr Konto geplündert werden könnte. So rief sie die echte Polizei in Brake an. Die Tat war gerade erst passiert, der Abholer der Beute gerade erst gegangen.

Und deswegen fuhr die Braker Polizei nicht direkt zu der Geschädigten, sondern sofort zu einer Bankfiliale, die sich ganz in der Nähe der Geschädigten befand. Und wer kam dort gerade aus dem Gebäude? Der jetzige Angeklagte. Er hatte viel Geld und die EC-Karten der Opfer bei sich gehabt und wurde dann festgenommen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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