Heiligenroder Kirchenvorstand hat den Verkauf des kleinen Gotteshauses schon beschlossen

Fahrenhorster Kapelle hat keine Zukunft

Kleine Kirche in idyllischer Lage: die Heilig-Geist-Kapelle in Fahrenhorst.
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Kleine Kirche in idyllischer Lage: die Heilig-Geist-Kapelle in Fahrenhorst.

Heiligenrode – Die Kirchengemeinde Heiligenrode möchte die Heilig-Geist-Kapelle am Warwer Sand 1 in Fahrenhorst mit dem dazugehörigen Grundstück verkaufen. Einen entsprechenden Beschluss habe der Kirchenvorstand bereits gefasst, bestätigte Pastorin Tabea Rösler auf Nachfrage der Kreiszeitung. Einzelheiten könne sie allerdings noch nicht vermelden. „Wir stehen in diesem Verfahren erst ganz am Anfang“, sagt Rösler.

Die Gründe seien „finanzieller und sachlicher Art“. Wie stellt sich die Kirchengemeinde künftig auf? Wo wird Geld investiert? Was sind wachsende, was sind Kernbereiche? Diese grundsätzlichen Überlegungen müsse Kirche laut Rösler wie jedes andere Unternehmen auch anstellen.

„Wir haben sehr lange überlegt, bevor wir uns dafür entschieden haben. Das ist ein schwerer Schritt, kirchlich und emotional“, sagt die Pastorin. „Es geht hier nicht um ein paar Schuhe, die wir verkaufen. Es geht um Menschen und Begegnungen. Das ist ein Weg mit Herzblut.“ Einen bestimmten Zeitpunkt für den Verkauf gebe es nicht. „Wir nehmen uns als Kirchenvorstand die Zeit, die wir brauchen, und werden das in Ruhe weiterdiskutieren.“ Nägel mit Köpfen gebe es erst, wenn die Ausschreibung veröffentlicht werde.

Nach Auskunft von Marc-Tell Schimke, Leiter des evangelischen Kirchenamts in Sulingen, ist die Landeskirche Hannover bereits in das Verfahren eingebunden und hat „im Grundsatz“ keine Bedenken geäußert.

Laut Schimke kommt der Verkauf kirchlicher Immobilien „häufiger vor, als Sie denken“, wie er im Gespräch mit der Kreiszeitung berichtet. „Wir werden aus Kirchensteuermitteln finanziert“, erklärt der Amtsleiter. Doch die Menschen würden aus der Kirche austreten, Einnahmen entsprechend wegbrechen, während Personal- und Bewirtschaftungskosten blieben. „Je mehr Grundstücke und Gebäude eine Kirchengemeinde hat, desto weniger kann sie für das Personal ausgeben“, stellt Schimke fest. „Wenn dann bestimmte Immobilien nicht mehr benötigt werden, setzt man sie rentabel ein. Oder man verkauft Grundstücke, um andere Gebäude zu sanieren.“

Schimkes Behörde fungiert als Serviceeinrichtung für die Kirchengemeinden. Im Falle eines Verkaufs würde sie die Rechtsberatung übernehmen, „in der Regel“ auch die Ausschreibung sowie „bei Bedarf“ die Verkaufsverhandlungen. „Wir lesen auch über den notariellen Kaufvertrag und geben unsere Anmerkungen“, sagt Schimke.

Voraussetzung für den Verkauf sei, dass der Preis und die Nachnutzung stimmten, sagt Schimke. Letztere dürfe dem christlichen Glauben nicht widersprechen. „In der Regel achten wir sehr darauf, was wir mit der Immobilie machen.“ Der Verkauf von Kirchen als Bestattungsort, etwa für die Aufbewahrung von Urnen, sei nicht ungewöhnlich, allerdings eher in Großstädten anzutreffen. Als lokales Beispiel fällt ihm die Samtgemeinde Harpstedt ein, wo die Kommune vor rund zehn Jahren eine Kirche von vergleichbarer Größe wie der in Fahrenhorst gekauft habe. „Das ist jetzt ein Dorfgemeinschafshaus, in dem manchmal noch Gottesdienste stattfinden.“

Eine ähnliche Funktion hatte auch die Fahrenhorster Kapelle, die noch bis Februar als Mehrgenerationenhaus fungierte. Dessen Angebote wandern jedoch bald komplett zur Turmstraße, wo zurzeit das Stiftungshaus Fahrenhorst als künftige Kultur- und Begegnungsstätte des Ortes entsteht. Ihre Fertigstellung kündigte Stiftungsvorsitzender Dierk Jobmann gestern für September an.

Nach wie vor halten Pastorin Rösler und Pastor Marc Heinemeier einmal pro Monat einen Gottesdienst in Fahrenhorst. „Wir feiern dort weiterhin Erntedank, Ostern, Pfingsten und Weihnachten“, sagt Rösler. „Und den Reformationstag, der ja auch Jahrestag der Kapelle ist.“

Was würde das Baurecht dem neuen Eigentümer von Immobilie und Grundstück ermöglichen? Nach Auskunft von Stuhrs Stadtplaner Christian Strauß gibt es für die Fläche keinen Bebauungsplan. „Dort greift die Innenbereichssatzung“, sagt er. Die Fläche sei als allgemeines Wohngebiet zu betrachten, weshalb dort eine Wohnbebauung möglich sei. Welchen Ausmaßes, dafür müsse er die Situation vor Ort betrachten. Das wie auch immer geartete Vorhaben müsse sich aber in die bestehende Bebauung einfügen. „Laut Karte sieht das nach Einfamilienhaussiedlung aus.“ Auf dem Grundstück würden sich noch eine „ganze Reihe geschützter Bäume“ befinden. Eine Bebauung könne deshalb nur unter Berücksichtigung der Baumschutzsatzung, gegebenenfalls sogar des Waldgesetzes erfolgen.

Eine Wohnbebauung, betont Schimke, würde dem christlichen Glauben keineswegs widersprechen.

Von Andreas Hapke

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