Bettina Scharrelmann über ihre ersten 100 Tage als Erste Gemeinderätin in Stuhr

„Es ging sofort turbulent los“

Arbeitet lieber im Rathaus als im Homeoffice: Gemeinderätin Bettina Scharrelmann.
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Arbeitet lieber im Rathaus als im Homeoffice: Gemeinderätin Bettina Scharrelmann.

Stuhr – Ihren 100. Tag als Erste Gemeinderätin in Stuhr hatte Bettina Scharrelmann bis zum Anruf der Kreiszeitung gar nicht auf dem Schirm. „Anfang des Monats habe ich aber gedacht, dass ich schon drei Monate dabei bin und die Zeit schnell vergangen ist“, erzählt sie. „Es ging sofort turbulent los, denn es gibt viel zu tun. Wir gehen die Projekte so an, wie ich es erwartet hatte“, lautet in wenigen Sätzen ihr Zwischenfazit zum gestrigen Jubiläum.

Ansonsten sei der 100. Tag in Diensten der Gemeinde ihrem ersten Arbeitstag sehr ähnlich gewesen, berichtet Scharrelmann. Er begann mit einem Gespräch mit Bürgermeister Stephan Korte, gefolgt von dem Treffen mit den Fachbereichsleitern, jeweils im Hinblick auf die in der Woche anstehenden Aufgaben. Wesentlicher Unterschied: „Inzwischen bin ich dafür verantwortlich, diese Sitzungen vorzubereiten und zu moderieren.“ Zwei Dauerbrenner auf den Tagesordnungen: der Bau des Hallenbads, wo es um ein vertiefendes Gutachten zur Machbarkeit geht, sowie Corona und das damit einhergehende Infektionsgeschehen in den kommunalen Einrichtungen.

„Wie läuft es in den Kitas? Wie unterstützen wir die Schulen in der Digitalisierung? Wie sind die Geflüchteten in Zeiten der Pandemie untergebracht?“ – Sofort fallen Scharrelmann weitere Fragen ein, die dokumentieren: Die Themen sind vielfältig, genau wie sie es sich von ihrer Arbeit im Verwaltungsvorstand versprochen hatte. Sie wollte die „ganze ganze Bandbreite des täglichen Lebens“ kennenlernen. „Natürlich sprechen wir auch über die Gewerbeentwicklung und über die Umsetzung des Feuerwehrbedarfsplans.“

Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liege in der Arbeit mit den Projektgruppen, denen die jeweiligen Leitungskräfte angehören. Dinge gemeinsam und gleichzeitig denken, darauf komme es ihr an, sagt die Erste Gemeinderätin. Als Beispiele für die Projektarbeit nennt sie die Themen Hallenbad und Haushalt. „Und wir sind dabei, die vielen politischen Beschlüsse aus dem Spätherbst des vergangenen Jahres abzuarbeiten.“ Dies wiederum für die politischen Gremien aufzubereiten, die Tagesordnungen rechtzeitig ‘rauszubekommen, sei „eine herausfordernde Aufgabe. Wir versuchen, dafür die Abläufe intern zu optimieren.“

Dass ihr Dienstantritt mit dem zweiten Lockdown zusammenfiel, habe ihr den Einstieg erschwert, sagt Scharrelmann. Speziell was das Kennenlernen der Mitarbeiter angehe. Durch die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice habe sie bislang kaum Gelegenheit gehabt, an „spannenden“ Teamsitzungen teilzunehmen, also an Sitzungen unterhalb der Leitungsebene. „Das ist schade, denn dort bekommt man viel besser mit, wo es Bedarfe gibt. Immerhin habe ich mein Büro gegenüber dem Postraum, dadurch komme ich zwangsläufig mit einigen Kollegen in Kontakt.“ Auch die kommunalen Einrichtungen habe sie noch nicht alle besucht. „Das gehört sich zurzeit auch nicht. Es haben ohnehin alle Mühe, ihre Arbeitsabläufe zu organisieren.“

Scharrelmann selbst weilt lieber im Rathaus als im Homeoffice. „So kann ich besser arbeiten. Ich finde es einfach wichtig, hier zu sein. Am Tisch zu sitzen und zu sprechen, hat eine andere Qualität“, stellt sie fest. Sie habe aber nicht das Gefühl, dass die Arbeit der Verwaltung insgesamt unter der Pandemie leide. „Wir hatten schon Videokonferenzen mit der Politik und mit den Bürgern zur 850-Jahr-Feier Stuhrs. Unsere IT stellt sicher, dass das klappt. Unsere Arbeit geht voran.“

Apropos Politik: Zu den Dingen, die sich für Scharrelmann nach ihrer ersten Einschätzung bewahrheitet haben, zählt auch die politische Gremienarbeit: „Die Ratsmitglieder sind durch die Bank engagiert und haben den Ehrgeiz, alle Themen zu durchdringen und so zu den richtigen Entscheidungen zu kommen. Daraus ergibt sich für das Rathaus, alle Punkte im Detail vorzubereiten.“

Ob sie die Gemeinde inzwischen anders wahrnimmt als der Privatmensch Bettina Scharrelmann, der regelmäßig mit seinem Islandpferd in Stuhr ausreitet? „Ja. Ein bisschen mehr bin ich ja trotz Corona unterwegs“, sagt Scharrelmann, die die „Stärke des Gewerbes“ auffällig findet. Dies spiegele sich in den aktuellen Zahlen und in der Prognose für die Gewerbesteuer wider. Was die Stadtentwicklung angeht, komme ihr die Kommune hier und da „wild gewachsen“ vor. Wie will die Gemeinde die Ortsteile in den nächsten Jahren entwickeln, wie dafür sorgen, dass sich Unternehmen erweitern können? An Antworten auf diese Fragen möchte auch Bettina Scharrelmann künftig mitarbeiten – und das möglichst wieder mit mehr Normalität im öffentlichen Leben. Wie sehr die fehlt, habe sie kürzlich im Treffen mit der Kulturabteilung auf Gut Varrel festgestellt. „Aber allein darüber zu reden“, findet Scharrelmann, „hat schon gutgetan.“

Von Andreas Hapke

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