Hilfe für Erstklässer und Familien

Verein will Stuhrer Grundschüler fit machen gegen Mediensucht

Katja Siebels und Patrick Ehnis stehen vor dem Rathaus Stuhr.
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Suchtberatung: Katja Siebels, Beratungslehrkraft, und Patrick Ehnis, Präventionsberater bei „release“, wollen Alternativen zum täglichen Medienkonsum aufzeigen.

Stuhr – Das Präventionsprogramm „1 000 Schätze – Gesundheitsförderung und Suchtprävention“ des Vereins „release“ soll an der Grundschule Stuhr-Brinkum ab dem kommenden Schuljahr Erstklässlern sowie deren Familien ein neues Hilfsangebot aufzeigen. Die Kinder sollen gegen übermäßigen Medienkonsum fit gemacht werden. Verantwortlich sind Patrick Ehnis, Präventionsberater bei „release“, sowie Katja Siebels, Beratungslehrkraft und verantwortlich für das Projekt.

„Die Brinkumer Lehrkräfte erhalten insgesamt drei Fortbildungen“, sagt Ehnis. Der Auftakt für die Kooperation, beginnt kommende Woche. Weitere Schulen, die Interesse an dem Projekt haben, könnten sich zudem melden, so Ehnis.

Laut Siebels soll mit der Beratung auch ein niedrigschwelliges Angebot für Eltern entstehen, um sich mit der Sucht- und Medienproblematik zu beschäftigen. Häufig sei es eine Milieu-Problematik. „Wir wollen den Familien Alternativen aufzeigen. Zeigen wie es anders gehen kann“, so Ehnis. In zehn Modulen sollen aber vor allem Kinder, die in der Pandemie viel Medienkonsum erfahren haben, starkgemacht werden. „Das Thema Gesundheitsförderung hat dabei einen besonderen Stellenwert. Mit 1000 Schätze haben wir ein umfassendes Programm, welches wir einheitlich in allen Klassen durchführen können“, sagt Siebels.

Laut Robert-Koch-Institut hat fast jedes vierte Kind im Grundschulalter ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen und Erkrankungen. Jungen seien stärker betroffen als Mädchen, Kinder aus benachteiligten Familien häufiger als Kinder, die in Familien mit mittlerem oder hohem Wohlstand aufwachsen, heißt es weiter.

„Prävention bedeutet Kinder stark machen“, sagt Ehnis. „Als Fachstelle für Prävention war es mir wichtig, auch Grundschulen ein gutes Angebot machen zu können“, ergänzt der Experte. Nun unterstützt er die Grundschule Brinkum bei der Umsetzung.

„1 000 Schätze“ greife den Ansatz auf, vorhandene Stärken zu erkennen und auszubauen. „Ich bin überzeugt, dass die Kinder aus dem Programm gestärkt hervorgehen“, sagt Ehnis.

Aus einer Methoden-Schatzkiste sollen Lehrer Übungen zur Vertiefung im Schulalltag nutzen. Fotos und Symbole ersetzten für die Kinder die Schrift. Geschichten und Übungen sollen zur Zusammenarbeit untereinander anregen. Eine Musik-CD mit dem Titel: „In mir sind 1 000 Schätze“ behandele Themen wie gutes Miteinander und kleine Alltagsfreuden. Andere Lieder sollen laut der Fachstelle Sucht und Suchtprävention die Bewegungsfreude anregen, etwa ein Koordinations-Tango. Eine tägliche Bewegungszeit von mindestens einer Stunde erhöhe nachweislich die Gesundheit von Kindern, so der Verein.

Darüber hinaus setze das Projekt auf Elterntreffen und Informationsbroschüren. Die seien in neun Sprachen vefasst. „Nur gemeinsam mit den Eltern erreichen wir, dass die Kinder gesund aufwachsen und der Schulbesuch gelingt“, sagt Siebels. „Ein positives Schulklima, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülern sowie die Ermutigung der Eltern wirken sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung und den Bildungserfolg der Schüler aus“, sagt Ehnis.

Das Programm sei bereits an elf Schulen in Niedersachsen – mit gutem Erfolg – erprobt. Die Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen koordiniere das Programm. Finanziell werde es von der Kaufmännischen Krankenkasse maßgeblich unterstützt.

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