„Einmal im Jahr dürfen die Landwirte Gift einsetzen"

Erst saftig und grün, dann gelb und verdorrt

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So grün wie auf dem kleinen Streifen war vor einigen Tagen die ganze Wiese. Gerhard Gross fragt sich, ob diese Entwicklung noch vertretbar ist. Inzwischen ist der Boden umgebrochen.

Stuhr - Von Julia Kreykenbohm und Andreas Hapke. Bekümmert lässt Gerhard Gross seinen Blick über die große Wiese an der Straße Am Süderbusch in Seckenhausen wandern. Gelb und verdorrt ist das Gras, als hätte es wochenlang kein Wasser bekommen. Dabei war es vor wenigen Tagen noch saftig und grün. Löwenzahn und andere, als „Unkraut“ verschrieene Pflanzen wuchsen dort. Kinder spielten gern auf der Wiese, und Hundebesitzer ließen ihre Vierbeiner dotr herumlaufen. Morgens und in den Abendstunden konnte man Rehe, Hasen und Fasane beobachten.

Dann habe ein Landwirt erst gemäht und anschließend „etwas gespritzt, was vermutlich Glyphosat enthalten hat“, schätzt Gross. Innerhalb von zwei Tagen war die Fläche vertrocknet. „Totgespritzt“, sagt Gross bedauernd. Seither meiden die Wildtiere den Platz.

Er wolle niemanden anklagen oder anprangern, betont er. Aber: „Wenn man sowas sieht, macht man sich einfach Gedanken, ob das so richtig ist. Zumal an der Wiese auch ein Entwässerungsgraben langfließt und hier Kinder spielen.“ Sein Schwager, der ein paar Häuser weiter direkt gegenüber der Wiese wohnt, bedauere den Vorfall ebenfalls. Auch an der Wulfhooper Straße habe er solche Veränderungen an einer Wiese beobachtet.

Da ihm diese Entwicklung Sorgen macht, hat Gross den Umweltbeauftragten der Gemeinde Stuhr, Marc Plitzko, angerufen, um sich zu erkundigen. „Er hat mir erzählt, dass es 2015 schon einmal so einen Vorfall gegeben hat. Er will für mich mal nachfragen, aber er denkt, dass alles rechtens ist, da Glyphosat genehmigt ist.“

„Manche Unkräuter wird man nicht los“

Genau das ist zwischenzeitlich passiert, wie eine Nachfrage bei Plitzko ergab. Der Umweltbeauftragte hatte den aktuellen Fall der Landwirtschaftskammer Nienburg geschildert und dort die Auskunft erhalten, dass wohl tatsächlich alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Einmal pro Jahr dürfen die Landwirte den Boden auf diese Weise behandeln, um Problemunkräuter zu beseitigen, auch wenn es ein Gifteinsatz ist“, sagt Plitzko. „Das ist in der konventionellen Landwirtschaft weit verbreitet.“ Meistens geschehe dies, bevor der Boden umgebrochen wird, um etwas Neues zu säen. Auch Am Süderbusch ist der Boden inzwischen umgebrochen worden.

„Manche Unkräuter wie die Quecke wird man nicht los, die vermehren sich durch kleinste Wurzelausläufer“, erklärt Plitzko. Da sei es aus Sicht der Landwirtschaft verständlich, „einmal Tabula Rasa zu machen“. Dabei seien gewisse Auflagen zu beachten – etwa Abstand zu Gewässern einhalten, damit keine Giftstoffe hineingelangen.

Aus ökologischer Sicht sei der Einsatz von Gift nie optimal, betont Plitzko. „Man möchte eine Pflanzenvielfalt haben, und nicht Pflanzen, die sich entwickelt haben, abtöten.“ Es liege ihm fern, die Landwirte an den Pranger zu stellen. „Die müssen Geld verdienen und stehen mit dem Rücken zur Wand. Wenn die Agrarstruktur ist, wie sie ist, dann muss man schon Idealist sein, um komplett auf ökologische Landwirtschaft umzustellen.“

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