„Klar sind das Trauerprozesse“

Gemeindeglieder in Fahrenhorst müssen sich von „ihrer“ Heilig-Geist-Kapelle verabschieden

Heinemeyer vor der Orgel der Fahrenhorster Kapelle. Sie wurde für einen symbolischen Preis an einen Orgelbauer verkauft. Am Tag ihres 60-jährigen Bestehens, dem 31. Oktober, wird die Kapelle entwidmet.
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Heinemeyer vor der Orgel der Fahrenhorster Kapelle. Sie wurde für einen symbolischen Preis an einen Orgelbauer verkauft. Am Tag ihres 60-jährigen Bestehens, dem 31. Oktober, wird die Kapelle entwidmet.

Fahrenhorst – „So ist das“, sagt Marc Heinemeyer, „wenn man Abschied nehmen muss von etwas, das einem lieb geworden ist.“ Der Stuhrer Pastor versucht gar nicht erst, seine Traurigkeit über das bevorstehende Ende der Heilig-Geist-Kapelle zu verbergen. Am 31. Oktober wird das Bauwerk entwidmet – auf den Tag genau 60 Jahre nach seiner Einweihung.

Viele Fahrenhorster tragen ihre eigene Erinnerung an das Gebäude mit sich. „Durch diese Gemeinde habe ich das Gesangbuch erst richtig kennengelernt“, sagt Heinemeyer. Als er im Jahr 2007 ankam, durfte er noch viele der „alten“ Fahrenhorster kennenlernen, die das Leben im Ort und in der Kirchengemeinde prägten.

Viele Kriegsvertriebene in Warwe als Grund für Neubau 1961

Einige von ihnen waren nach dem Zweiten Weltkrieg als Heimatvertriebene in Warwe oder Feine gelandet. Sie waren der Grund, dass diese Kapelle überhaupt gebaut wurde, erinnert sich Helmut Seevers, lange Jahre Kirchenvorsteher der damals zuständigen Kirchengemeinde Barrien und später auch in Heiligenrode.

Weil die Barrier Kirche für die neuen Gläubigen wegen der großen Entfernung nur schwer zu erreichen war, beschloss der Barrier Kirchenvorstand im März 1960 den Bau einer neuen Kirche. Das rund 2 500 Quadratmeter große Grundstück kaufte der Kirchenvorstand für 9 375 Mark, der gesamte Bau kostete am Ende 125 000 Mark. „Da muss eine große Aufbruchstimmung gewesen sein“, ist sich Heinemeyer sicher.

Seitdem ist einiges geschehen in Fahrenhorst. Etwa der Zuständigkeitswechsel nach Heiligenrode in den 1980er-Jahren. Das gottesdienstliche Leben in der Heilig-Geist-Kapelle ging derweil so weiter wie bisher – jahrzehntelang. Nach den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen im Jahr 2011 machte sich allmählich das Alter bemerkbar. „Die Zusammensetzung der Gottesdienstbesucher hat sich verändert“, erklärt der Stuhrer Pastor. Viele Gemeindemitglieder sind inzwischen verstorben.

Langfristig ist die Kapelle einfach nicht zu halten.

Marc Heinemeyer, Pastor

Es gehört zu den Aufgaben der Kirchenleitung, auch die langfristige Perspektive im Blick zu halten. Und da musste auch Fahrenhorst der Wirklichkeit ins Auge sehen. „Langfristig“, so Heinemeyer, „ist die Kapelle einfach nicht zu halten.“

Der Blick von Pastor Marc Heinemeyer geht auf den Glockenturm der Fahrenhorster Kapelle. Die Glocke soll einen neuen Platz in Fahrenhorst bekommen.

Nun wird eine Kirche nicht einfach dichtgemacht. Auch für Heinemeyer ist der Vorgang der Entwidmung eine Premiere. „Wir mussten uns erst mal über die liturgischen Abläufe schlaumachen.“

Die sakralen Gegenstände wie Taufstein oder Kreuz müssen einen neuen Ort finden. Die Orgel, seinerzeit individuell für die Kapelle angefertigt, hat ein Orgelbauer für einen symbolischen Preis gekauft.

Glocke soll neuen Platz auf dem Friedhof bekommen

Eine besondere Rolle spielt die Glocke, deren Kauf seinerzeit die Fahrenhorster selbst finanzierten. „Die wollen wir den Fahrenhorstern gern zurückschenken“, erklärt die Kirchenvorstandsvorsitzende Angela Wilken. Die Glocke soll einen neuen Platz auf dem Friedhof bekommen.

Erst nach der Entwidmung kann die Immobilie tatsächlich verkauft werden. „Das Ziel des Kirchenvorstands war, die äußere Gestalt zu erhalten“, betont Heinemeyer. Doch es wird nicht die Kapelle bleiben, die es bislang ist. Ein Ort für außergewöhnliche Momente und lebenslange Erinnerungen.

Das Aus ist, so nachvollziehbar die Entscheidung sein mag, ein Grund für Wehmut. „Es geht vielen so“, weiß Marc Heinemeyer, „die hierdran hängen. Die sich eingebracht haben. Klar sind das Trauerprozesse. Man ist nicht gewohnt, so etwas aufgeben zu müssen.“

Noch überlegt der Kirchenvorstand, wie den Gemeindegliedern die Möglichkeit gegeben werden kann, sich von „ihrer“ Heilig-Geist-Kapelle zu verabschieden. Nicht alle werden zum feierlichen Akt der Entwidmung einen Platz finden – exakt 60 Jahre nach dem feierlichen Akt der Einweihung.

Von Frank Jaursch

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