Entlassungsfeier für die Abiturienten der KGS Brinkum in der Varreler Gutsscheune / „Wir gehen jetzt, es tut nicht weh“

„Wichtig ist vor der Primetime“

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Die Abiturienten spenden der Schulband Beifall, die mit insgesamt drei Liedern die Entlassungsfeier auflockert.

Varrel - Von Andreas Hapke. 143 Abiturienten plus Anhang in der Varreler Gutsscheune. Schon bei der gestrigen Entlassungsfeier der KGS Brinkum waren die Grenzen der Kapazitäten erreicht. Im nächsten Jahr sind es 180 Jugendliche. „Dann geht hier gar nix mehr“, sagte Schulleiter Michael Triebs. Doch das liege noch in der Zukunft.

Als ob die Zukunft nicht greifbar gewesen wäre an diesem Nachmittag, an dem nahezu jeder Redner den Schülern gute Ratschläge für die kommende Lebensphase unterbreitet hat, allen voran Triebs. Mit der nun anbrechenden Freiheit sei das so eine Sache, denn sie bedeute auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen dafür zu tragen. „Eure Zeit ist begrenzt, verschwendet sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben“, zitierte Triebs den Apple-Gründer Steve Jobs. „Also geht euren Weg.“

Dass der kein Alleingang werden sollte, verdeutlichte er am Beispiel der Wildgänse, die in V-Formation in Richtung Süden fliegen. „Nur wer die Formation verlässt, spürt den Windwiderstand.“ Sei die führende Gans erschöpft, reihe sie sich hinten wieder ein. „In einem Team kommt man leichter ans Ziel“, sagte Triebs. „Fliegt aber nicht immer nur mit, sondern geht auch mal selbst nach vorne und übernehmt die Führung.“

Der Schulleiter erinnerte auch an ein „sehr schwieriges Schuljahr“, ein Jahr des Umbruchs, etwa baulich und personell. Trotzdem haben 29 Schüler eine eins vor dem Komma erreicht.

Bürgermeister Niels Thomsen griff das Motto der Abiturienten, „Primetime – das Beste kommt zum Schluss“, auf. Im Fernsehen sei die beste Sendezeit 20.15 Uhr, also dann, wenn der Abendfilm beginnt. Doch „wichtig ist vor der Primetime“, sagte Thomsen. Denn da laufe die Tagesschau, die die wesentlichen Informationen in 15 Minuten zusammenfasse. Der Verwaltungschef legte den Jugendlichen die Tagesschau ans Herz – verbunden mit dem Wunsch, dass auch sie aus der Flut von Infos immer das Wichtige herausfiltern mögen. Zuvor hatte Thomsen auf das Beispiel Dustin Brown verwiesen, der jüngst in Wimbledon die ehemalige Nummer eins der Tenniswelt, Rafael Nadal, bezwungen hatte. „In diesem Spiel hat er ein paar richtige Entscheidungen getroffen“, sagte Thomsen. Die wünschte er auch den Abiturienten.

Elternsprecher Becker hatte die Lacher auf seiner Seite, als er von dem Zeitpunkt der Zeugung sprach, „der allgemein als sehr angenehm empfunden wird“. Seinerzeit hätten die Eltern wohl nicht daran gedacht, dass sie später noch deutlich mehr gefordert sein würden.

Für die Lise-Meitner-Schule überbrachte erstmals die neue Gymnasialzweigleiterin Ute Güner die Glückwünsche. „Vor euch liegt ein Leben mit Möglichkeiten der Gestaltung; mit guten und mit schlechten Phasen“, sagte sie.

Zum Lied „Wunderbare Jahre“ von Emma6 warfen die Schülersprecher Nadja Burgdorf und Philipp Bothe Fotos von Ausflügen und Feiern des Jahrgangs an die Leinwand. Wunderbare Jahre? Oft sei es eintönig und unsinnig gewesen, sagte Bothe anschließend. „Wann werde ich je das Volumen eines Rotationskörpers bestimmen?“, fragte er und rief seinen Mitschülern zu: „Jetzt führt ihr die Regie in dem Film eurer Zukunft. Ihr habt es in der Hand, euer Leben zu eurem Lieblingsfilm zu machen.“ Kollegin Nadja Burgdorf nahm den Ball angriffslustig auf: „Wir haben das Abi bestanden, was kann uns jetzt noch passieren? Deshalb gehen wir jetzt, es tut nicht weh.“

Vielleicht ist das aber heute der Fall, wenn sich die frisch gebackenen Ex-Schüler noch einmal bei der Abi-Feier sehen. Ein letztes Mal rauschen dann alle Wildgänse gemeinsam die durch die Nacht.

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