„Am Ende der Reise angekommen“

Hans Schüler feiert  seinen Abschied

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Hans Schüler landete 1981 als Leiter des Brinkumer Jugendhauses in Stuhr und war ab 1984 Chef der Jugendarbeit im Rathaus. Heute geht er in den Ruhestand. 

Stuhr - Von Andreas Hapke. Das Büro von Hans Schüler sieht aus, wie ein Büro eben aussieht, wenn der Ruhestand bevorsteht. Die Ablagekörbe sind leer, dafür horten sich Getränke wie Wasser, Apfelsaft und Sekt für den heutigen Abschied. Um 12 Uhr servieren Kollege Holger Katenkamp und seine Familie eine Paella auf dem Rathausvorplatz. Damit schließt sich der Kreis, denn schon zum 25-jährigen Dienstjubiläum hatte Katenkamp das spanische Reisgericht zubereitet. „Alle Stuhrer können kommen“, sagt Schüler. Der gelernte Diplompädagoge lädt zu seinem letzten offenen Treff ein.

Nach mehr als 40 Dienstjahren, davon 37 Jahre in Stuhr, ist Schluss für den Leiter des Teams Jugend. Zeit für Trauer hat sich der 65-Jährige noch nicht erlaubt. Bis zuletzt war sein Terminkalender rappelvoll: am Montagabend Besuch des Arbeitskreises Prävention, gestern Abend noch Teilnahme an der gemeinsamen Arbeitsgruppe der Gemeinden Stuhr und Weyhe in Sachen Sensibilisierungsmaßnahmen Einbruchschutz. Auch heute wird noch mal eine Menge los sein, denn nach der Paella folgt um 14.30 Uhr die offizielle Verabschiedung durch den Ersten Gemeinderat Ulrich Richter. Dann ist die „Epoche“ zu Ende, wie Schüler es formuliert.

Vorangegangen ist eine lange Abschiedstour, auf der Schüler sich nach und nach aus einzelnen Gruppen zurückgezogen hat, etwa aus den Spielplatzpaten und dem Arbeitskreis für Fairen Handel, Stuhr Fair. „Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich am Ende der Reise angekommen bin.“

Hitparade der Höhepunkte

Um sich selbst einen Überblick über seine Tätigkeiten in all den Jahrzehnten zu verschaffen, hat Schüler eine Liste mit Höhepunkten zusammengestellt. Sie enthält schlappe 37 Positionen – vom internationalen Austausch mit Barcelona und Alcalá de Guadaira über die Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendarbeit bis hin zur politischen Bildung und Beteiligung. Diese Höhepunkte werde er heute in Form einer Hitparade vortragen, kündigt Schüler an. Bis dahin sei das Geheimsache – fast jedenfalls. Denn wer sich das Interview dieser Zeitung zu seinem 40-jährigen Dienstjubiläum durchliest, der wird auf die euphorische Aussage Schülers stoßen, dass das internationale Expo-Camp 2000 auf dem Gelände der KGS Brinkum „großes Kino“ gewesen sei. Gut möglich also, dass dieses Ereignis ganz oben in den Charts landet. Oder die vielen Austausche mit Spanien, über die Schüler immer emotional berichtete. „Langweilig ist mir nie geworden“, sagt er. „Und nie habe ich irgendetwas ungerne gemacht.“

Keine Frage: Schüler war das Gesicht der Jugendarbeit in Stuhr, auch für die Vertreter der örtlichen Medien. Ging es um die Vorstellung des Stuhrer Ferienspaßes oder neue Jugendleiterausbildungen, saß ihnen Schüler gegenüber. Pressekonferenz „Zehn Jahre Jungenarbeit“? Schüler hatte eingeladen. Der Saisonauftakt der Nachtwanderer? Schüler referierte. So wurde es auch den Journalisten nie langweilig.

Nächstes Projekt Verkehrswende

Sich immer wieder neuen Aufgaben zu widmen, Trends und Entwicklungen aufzuspüren, das hat für Schüler eine erfolgreiche Jugendarbeit ausgemacht. Das Thema Prävention zum Beispiel taucht in den Berichten zum 25-jährigen Dienstjubiläum noch gar nicht auf. Heute blickt Schüler unter anderem auf sieben Fachtage Prävention mit jeweils bis zu 60 Teilnehmern zurück.

Besonders viel Spaß habe es ihm immer gemacht, wenn Ideen von der Basis kamen. Er nennt das Beispiel Skateranlage in Moordeich, die „eins zu eins so entstanden ist, wie die Jugendlichen sie als Modell entworfen hatten. Das kannte die Politik bis dahin nicht“. Ein anderes Beispiel sei die Initiative „Stuhr gegen rechte Gewalt“, die 2001 auf das Engagement von Schülern der KGS Brinkum zurückging.

Wo Schüler sich künftig einbringt, steht auch schon fest. Nach einer angemessenen Auszeit wolle er „irgendwie die Verkehrswende“ in seiner Heimatstadt Bremen mitgestalten, ebenso die Agrarwende durch seinen Einsatz für Slow Food. Nur für diese Organisation wird er noch im Landkreis Diepholz tätig sein. „Ansonsten finde ich es schwierig, als Ehrenamtlicher mit den Leuten zu tun zu haben, mit denen ich schon als Hauptamtlicher zu tun hatte.“

Auf jeden Fall will Schüler über die Medien weiter die Stuhrer Jugendarbeit verfolgen. Deren neues Gesicht ist Thorsten Meyer, zurzeit noch Stadtjugendpfleger in Cloppenburg. Er tritt die Stelle zum 1. Oktober an.

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