Emotionales und tränenreiches Wiedersehen

Nach Geisterfahrer-Unfall auf der A1: Familie Fernandez trifft ihre Ersthelfer

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Wiedersehen mit den Ersthelfern (v.l.) Jesus Fernandez mit seinen Kindern Levi und Nala sowie Ehefrau Maike.

Jesus Fernandez hält ein Stofftier in der linken Hand, bewegt es gedankenverloren, während er leise spricht. Das Stofftier gehört seiner zweijährigen Tochter Nala. Der 45-jährige Biologe erzählt von dem schweren Verkehrsunfall am 17. Februar 2019 auf der A1.

Groß Mackenstedt - Von Detlef Voges. Der Bremer war unverschuldet mit seiner Frau und seinen Kindern Nala und Levi (8) darin verwickelt gewesen. Eltern und Kinder erlitten schwere Verletzungen.

„Erinnern kann ich mich an den Unfall bis heute nicht genau“, erklärt der Familienvater. Seine Frau Maike (39) auch nicht. „Wir hatten aber Schwein“, sagt Fernandez drastisch, „wir leben und unsere Kinder auch.“

Ein Sonntag, der das Leben von Menschen für immer veränderte: Um 14.44 Uhr werden die Feuerwehr Groß Mackenstedt, der Rettungsdienst und die Polizei mit dem Stichwort „Verkehrsunfall, eingeklemmte Personen“ alarmiert. Einsatzort ist die Autobahn 1 zwischen dem Dreieck Stuhr und der Anschlussstelle Groß Ippener in Fahrtrichtung Osnabrück. Dort ist es zu einem Frontalzusammenstoß von einem Geisterfahrer und zwei weiteren Autos gekommen.

Unfall auf A1: Geisterfahrer stirbt

In dem direkt beteiligten VW Passat sitzt Familie Fernandez. Jesus Fernandez ist eingeklemmt. Die Feuerwehr muss ihn mit hydraulischem Rettungsgerät befreien. Mutter und Kinder sind lebensbedrohlich verletzt. Der Geisterfahrer stirbt noch an der Unfallstelle. Die Insassen in dem dritten beteiligten Wagen sind nur leicht verletzt. Sie können ihr Auto aus eigener Kraft verlassen.

Zur Versorgung der insgesamt sieben betroffenen Personen sind drei Rettungshubschrauber, vier Rettungswagen, ein Notarzt-Einsatz-Fahrzeug, ein organisatorischer Leiter Rettungsdienst und ein leitender Notarzt vor Ort.

Vorbildlich war damals das Verhalten der Ersthelfer. Darunter Christiane Wollmann und Silvia Kalmey, die sich um die Kleinkinder gekümmert und sie sogar bis ins Krankenhaus begleitet hatten. Aus diesem Grund hatte die Feuerwehr zu einer kleinen Dankesfeier mit allen Beteiligten für Samstag ins Feuerwehrhaus in Groß Mackenstedt eingeladen.

Tränenreiches Wiedersehen mit Ersthelfern

„Das Wiedersehen war schon sehr emotional und tränenreich“, sagt Christiane Wollmann, die damals einen Schutzengel hatte. Sie fuhr direkt hinter den Unfallwagen, wurde aber nicht in den Unfall verwickelt. Ihr war aber ebenso wie Silvia Kalmey klar, dass sie helfen musste. „Ein Fremder hat uns die beiden Kinder gegeben, um die wir uns dann mehrere Stunden im Krankenwagen und später im Krankenhaus gekümmert haben“, erinnert sie sich. Die Kleinen hätten gewimmert, unter Schock gestanden. „Ich bin doch selbst Mutter, die Hilfe war so ein Reflex“, betont Wollmann.

Maike Fernandez hat auf der Rückbank gesessen und den Unfall „wie im Nebel“ miterlebt. Über ihre schweren Verletzungen möchte sie nichts sagen. „Ich habe aber viele Narben und körperlich und seelisch bis heute damit zu tun.“ Sie spricht von Träumen und Bildern, die immer wieder hochkommen. Es habe lange gedauert, wieder im Alltag Fuß zu fassen. Auch und besonders für ihre Kinder, die noch immer ängstlich reagierten, wenn sie Martinshörner hörten oder einen Feuerwehrwagen sähen. „Das ist alles noch sehr präsent“, sagt die 39-Jährige.

„Wenn ich träume, wird alles emotional“

Jesus Fernandez erinnert sich an die Schmerzensschreie von seinem Sohn, der „Papa, Papa“ gerufen habe. „Ich wollte ihm helfen, war aber eingeklemmt und konnte mich nicht bewegen“, berichtet der 45-Jährige, der mehrere Wochen mit einem gebrochenen Lendenwirbel in der Klinik lag. Nach dem Unfall sei ihm viel im Kopf herumgegangen. „Jetzt holt mich der Alltag aber ein, ich schlafe schlecht, habe heftige Rückenschmerzen, und wenn ich träume, wird alles emotional“, betont Fernandez, der aber wieder Auto fährt. Wegen seines Jobs müsse er jeden Tag an der Unfallstelle vorbei.

Das geht auch Björn Mehring so. Mit Freya Bohling saß er im dritten beteiligten Wagen. „Wir konnten nicht mehr ausweichen, die beiden anderen Wagen standen quer auf der Fahrbahn, wir sind mittendurch gefahren“, sagt Freya Bohling.

Das Geschehen um sie herum haben sie „gar nicht recht wahrgenommen“. Die Fahrerin hat heute noch Probleme mit entgegenkommenden Autos. Der Sonntag ist ihnen als Autotag suspekt geworden. „Den meiden wir“, sagt Björn Mehring.

Maike Fernandez hat sich über die Einladung gefreut: „Das Wiedersehen, die Geschenke für die Kinder… Ich bin unendlich dankbar für die Hilfe, das ist ja alles nicht selbstverständlich“, sagt die Mutter und lächelt zaghaft.

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