Vortrag von Silke Amrhein am 31. Mai

Sozialpädagogin gibt Eltern Tipps beim Umgang mit Medien

Silke Amrhein

Stuhr - Silke Amrhein ist als Sozialpädagogin Leiterin des Jugendtreffs No Moor in Moordeich und Expertin in Sachen Mediennutzung. Im Auftrag der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen war sie als Eltern-Medien-Trainerin viel an Schulen unterwegs, unter anderem um dort Handy-Projekte zu begleiten.

In der Reihe Werkstatt Erziehung referiert sie am Donnerstag, 31. Mai, zum Thema „Medienführerschein für Eltern“. Beginn ist um 19.30 Uhr im Lesecafé der Brinkumer Bibliothek. Im Interview mit Redakteur Andreas Hapke spricht sie vorab über die Notwendigkeit, Kinder im Umgang mit den neuen Medien zu begleiten.

Frau Amrhein, warum benötigen Eltern einen Medienführerschein? Eigentlich müssten sie längst sensibilisiert sein – so oft, wie das Thema an Kitas und Schulen vorkommt.

Silke Amrhein: Es geht darum, hinzugucken, den Fokus nicht zu verlieren, am Ball zu bleiben. Es gibt ständig neue Angebote. Das bekommen Kids schneller mit, sie sind auch technisch besser ausgestattet. Eltern müssen trotzdem wissen, was ihre Kinder so treiben.

Geht es nur um die Gefahren im Netz?

Amrhein: Nein. Es geht weder darum, Mediennutzung zu verdammen, noch sie zu überhöhen. Bei aller gebotenen Vorsicht bieten sich auch Chancen. Das technische Interesse des Nachwuchses kann man durchaus positiv sehen. Wer nicht mit digitalen Medien umgehen kann, braucht sich oft gar nicht erst für einen Job zu bewerben.

Wo setzen Sie an? Manche Eltern wissen noch nicht einmal, dass Computerspiele Spaß machen können.

Amrhein: Viele Erziehungsberechtigte kommen mit Sorgen, Ängsten und Nöten in solche Veranstaltungen. Sie bringen immer viel Gesprächsstoff mit. Da möchte ich sie abholen. Was für Vorkenntnisse haben sie? Wozu brauchen sie selbst den PC? Auch das spielt eine Rolle. Von ihrem eigenen Verhalten kann man zu dem ihrer Kinder überwechseln. Ich möchte Denkanstöße geben. Und dann tauschen sich die Eltern noch untereinander aus. Das kommt oft zu kurz.

Was genau lernen die Eltern bei Ihnen? In der Ankündigung ist auch von praktischen Tipps die Rede.

Amrhein: Es hängt natürlich von der Situation ab. Daddelt ein Kind 90 Minuten am Tag, oder kommt es kaum noch zum Mittagessen aus dem Zimmer? So oder so werden die Eltern Anregungen erhalten, wie sie Medienerziehung in ihren Familienalltag einbauen können. Die Eltern nehmen mit, dass diese Erziehung zu Hause passieren muss. Ich mache deutlich, dass sie sich mit ihren Kindern hinsetzen und diskutieren müssen, auch wenn das erst abends möglich und deshalb anstrengend ist.

Würden Sie sagen, dass Kenntnisse in Sachen Mediennutzung heutzutage unbedingt zur Erziehungswelt zählen?

Amrhein: Das wäre auf jeden Fall von Vorteil, denn oft kommen die Erwachsenen erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Selbst da gilt: Besser, sie setzen sich spät damit auseinander, als gar nicht.

Wie erleben Sie die Mediennutzung in Ihrem beruflichen Alltag als Sozialpädagogin?

Amrhein: Man sagt ja immer, dass Jungen mehr daddeln. Das kann ich so nicht bestätigen. Jungs spielen zwar exzessiv Shooterspiele, aber deshalb sind Mädchen nicht weniger im Netz unterwegs. Sie machen andere Geschichten, bewegen sich auf der Unterhaltungsebene, chatten gerne.

Wieviel Zeit sollten Kinder höchstens mit digitalen Medien verbringen?

Amrhein: Eine Zahl gibt es in meinen Augen nicht. Hat das Kind keine anderen Hobbys mehr, keine Freunde, dann würde ich mir Gedanken machen. Denn dann ist es definitiv zuviel.

Kann man den Konsum überhaupt kontrollieren? Der Nachwuchs könnte beim Kumpel oder an anderen Orten daddeln.

Amrhein: Stimmt. Heute hat fast schon jeder Bäcker kostenfreies W-Lan. Umso wichtiger ist es, ein Vertrauensverhältnis zum Kind aufzubauen und seine Entwicklung zu begleiten. Habe ich mich zehn Jahre nicht richtig für mein Kind interessiert, dann wird es im elften Lebensjahr natürlich schwierig.

Kinder sind technisch versiert. Welche Stärke können denn die Eltern in Sachen Mediennutzung einbringen?

Amrhein: Das Kind lebt im Hier und Jetzt, doch die Eltern haben den Rundumblick und können Dinge einordnen. Ansonsten empfehle ich, den Kindern gegenüber ruhig seine Schwächen einzugestehen. ,Du hast was drauf, was ich nicht kann.’ Das stärkt das Selbstwertgefühl des Nachwuchses.

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