Eltern-Kritik am Kita-Wechsel von Blocken nach Heiligenrode

Von außen sieht die Kita Blocken schon bezugsfertig aus. Innen laufen noch Restarbeiten, draußen werden zurzeit die Außenanlagen gestaltet. Foto: Andreas Hapke

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die neue Kita am Brookdamm in Blocken kann wohl nicht mehr wie geplant im laufenden Kindergartenjahr ihren Betrieb aufnehmen (wir berichteten). Der Umbau der alten Dorfschule ist zwar bald abgeschlossen, Personal für die Betreuung der Kinder aber nicht so schnell aufzutreiben. Für den Übergang müssen die Eltern ihre Sprösslinge in die neue Kita am Klosterplatz in Heiligenrode bringen. Das ist nicht ohne Nebengeräusche vonstattengegangen.

„Die Eltern haben schon ihre Unzufriedenheit mit dieser Entwicklung zum Ausdruck gebracht“, sagt Kerstin Frohburg, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport. Allerdings habe niemand „explizit gesagt“, dass der Weg jetzt zu weit sei.

Genau das beklagt der Vater eines Kindes aus Brinkum via Facebook gegenüber der Kreiszeitung: „Für uns bedeutet das, dass wir unsere Tochter aus Brinkum jeden Tag acht Kilometer und mindestens 20 Minuten pro Weg bringen müssen, wenn es voll ist noch länger. Durch den großartigen Betreuungsschlüssel in Stuhr ist die Betreuungszeit eh schon knapp.“

Gesetzlich ist nicht geregelt, welche Entfernung oder Zeitspanne zwischen Wohnung und Kita als zumutbar gilt. Inzwischen liegen aber Gerichtsurteile vor, an denen sich Eltern orientieren können – oder auch nicht, da der Rechtsprechung urbane Strukturen zugrunde liegen.

Kölner Verwaltungsrichter etwa halten für den städtischen Bereich einen Betreuungsplatz in weniger als fünf Kilometern Entfernung für angemessen (Az.: 19 L 877/13). Für das Verwaltungsgericht München ist dagegen die Zeit entscheidend. Dauert die Fahrt von der elterlichen Wohnung und der Arbeitsstelle zur Kita mit öffentlichen Verkehrsmitteln jeweils etwa 30 Minuten, ist das Eltern noch zumutbar (Az.: M 18 K 13.2256). Städtische Strukturen kann Stuhr aber weder bei der Einrichtungsdichte noch beim ÖPNV vorweisen.

Laut Frohburg überprüft die Verwaltung nicht immer, wie sich ein Kita-Wechsel auf die Familien auswirkt. In einem Fall habe sie aber die Entfernungen zwischen dem Wohnort und der jeweiligen Kita verglichen. „Da hat es von Brinkum nach Heiligenrode zwei Minuten länger gedauert als nach Blocken.“ Sie verweist auf die Krippe Varreler Feld, die ebenfalls Kinder aus mehreren Ortsteilen Stuhrs betreut, zum Beispiel aus Seckenhausen.

„Das ist keine optimale Lösung für die Familien, aber eine andere haben wir gerade nicht“, bedauert Frohburg. Alle drei Brinkumer Einrichtungen seien dicht, auch die in Seckenhausen.

Doch die Stuhrer Kinderbetreuung sei im Fluss, etwa bedingt durch Wegzüge von Familien. „Wenn die Chance besteht, Eltern einen anderen Platz anzubieten, dann machen wir das.“ Die Verwaltung habe zum Beispiel Kinder, die noch bei der Platzvergabe im Mai für die neue Heiligenroder Kita vorgesehen waren, in eine andere Einrichtung „zurückholen“ können.

Den vom Brinkumer Vater hergestellten Zusammenhang zwischen dem „großartigen Betreuungsschlüssel“ und der knappen Betreuungszeit kann Frohburg nicht nachvollziehen. Die Reduzierung der Betreuungszeit auf maximal neun Stunden in den Kita- und acht Stunden in den Krippengruppen seit den Sommerferien sei aus rein pädagogischen Erwägungen gefallen. „Das ist ein Ergebnis unseres Konzepts für die Kindertagesstätten.“ Und den Betreuungsschlüssel findet Frohburg wirklich großartig: „Das ist eine erforderliche Qualität mehr, als manch andere Kommune sie bietet.“ Mehr Personal in den Gruppen – drei statt zwei Pädagoginnen für 25 Kinder – mache Stuhr als Arbeitgeber attraktiver.

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