Bürgerversammlung zur Gestaltung des Brinkumer Ortskerns westlich der Bremer Straße

Einzug ins Wohnzimmer dauert noch Jahre

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Hajo Giesecke, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt (l.), mit Planer Dominik Geyer während der Bürgerversammlung zur Gestaltung des Brinkumer Ortskerns.

Stuhr - Von Andreas Hapke. In sechs bis sieben Jahren, so die Einschätzung von Stadtplaner Christian Strauß, könnten die Gebäude im neuen Brinkumer Ortskern bezugsfertig sein. Bis dahin steht allen Beteiligten noch eine Menge Arbeit ins Haus. Ein Baustein bildete am Montagabend die Bürgerversammlung zur Gestaltung des Bereichs westlich der Bremer Straße. Dorthin sollten ursprünglich die Bushaltestellen verlegt werden, damit im Zentrum ein großer Marktplatz entstehen kann – bis die Gemeinde zu diesem Zweck das Grundstück des Hotels Bremer Tor erwarb und sich neue Möglichkeiten ergaben.

Rund 50 Bürger waren ins Rathaus gekommen, um sich noch einmal mit der Ortskerngestaltung auseinanderzusetzen. Den anfänglichen Unmutsäußerungen, dass sich „schon wieder“ das Kölner Büro für Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen um die Angelegenheit kümmert, hielt dessen Diplom-Ingenieur Dominik Geyer entgegen: „Manchmal eröffnet ein Blick von außen die eine oder andere Perspektive.“

Geyer ging es darum, die durch vorangegangene Planungen geschaffene Platzsituation, das Brinkumer „Wohnzimmer“, zu erhalten. „Man muss den Raum als geschlossenen Raum wahrnehmen, sonst hat er keine städteplanerische Qualität.“ Im ursprünglichen Ansatz sollte ein Pavillon für die westliche Begrenzung sorgen. Auf den könne man jetzt verzichten, da man den Platz auch mit einer Bebauung westlich der Bremer Straße schließen könne.

Favorit? Variante 2 mit dem Gebäuderiegel an der Bremer Straße und rückwärtigen Einfamilienhäusern.

Dafür stellte Geyer acht Varianten vor. Alle unterlagen dem Leitgedanken, dass in dem Bereich Geschosswohnungsbau entstehen soll, einhergehend mit einem ausreichenden Angebot an Stellplätzen. Als Voraussetzungen nannte er das „harmonische Zusammenspiel mit der vorhandenen Bebauung“ und den Erhalt des Brunnens als bekanntes Merkmal des Ortskerns. Keinen Zweifel ließ Geyer daran, dass er selbst einen langgezogenen Gebäuderiegel wie in den Varianten 1 bis 3 (siehe Grafik) bevorzugt. Bei der kleinteiligeren Bebauung in den übrigen Alternativen bleibe entweder die Geschlossenheit des Platzes auf der Strecke (4 und 5), oder die Gebäude schafften durch ihre Anordnung einen neuen Platz in ihrer Mitte (6 bis 8).

In der anschließenden Diskussion machte Hartmut Lüllmann darauf aufmerksam, dass die Erschließung des Parkraums nicht über die Gartenstraße erfolgen dürfe. Schon jetzt bedeuteten Schleichverkehre morgens und abends sowie die Buslinie 55 eine Belastung für die Anwohner. „Da käme noch mehr Verkehr auf uns zu.“ Für diesen Hinweis war Geyer („Das müssen wir berücksichtigen“) ebenso dankbar wie für den, dass der Krügebrunnen an der Kreuzung Bassumer Straße/Bremer Straße für die Brinkumer scheinbar verzichtbar ist. „Der kommt mir in den 3D-Ansichten vor wie ein Fremdkörper“, sagte etwa Manfred Gerding.

„Was ich hier höre, ist nicht zukunftsträchtig. Wir brauchen etwas, was Stuhr belebt, die Bürger wollen mehr Wirtschaft“, sagte Artin Wessels und regte einen großen Komplex mit Einzelhandel im Erd- und Büros im ersten Geschoss an. Zweifel hegte er an der Finanzierung des Gesamtkonzepts: „Wie will die Gemeinde das bezahlen, es sei denn, Sie bekommen für alles Fremdinvestoren, die kriegen Sie aber nicht.“

Renate Simon kritisierte, dass „uns alle Varianten zur reinen Schlafstätte von Bremen machen. Keine Attraktivität, keine Lebendigkeit.“

„Unsere Vorgehensweise zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Attraktivität entsteht“, entgegnete Geyer. Zur Finanzierung sagte er, dass dies natürlich Sache eines privaten Investors sei. „Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde Stuhr, hohe Gebäude zu erstellen.“ Laut Strauß gibt es Interessenten, die „in regelmäßigen Abständen“ anrufen und fragen, wann es endlich losgehe. „Wir müssen nicht mit Pessimismus an die Sache rangehen.“

„Suchen Sie ein Konzept, dass Gewerbe möglich macht“, legte Wessels nach. Er schlug die Verlegung des Hotels Bremer Tor in den Gebäuderiegel gegenüber der Sparkasse vor, Rainer Mewe die Ansiedlung eines Nahversorgers wie Aldi oder Rewe, Jörg Böttcher Arkaden wegen des norddeutschen Klimas und Rudi Bouillon genügend „Freiraum, sodass man flanieren kann. Man will da ankommen, wo Leben ist“. Am Ende äußerten einige Bewohner ihre Sympathie für Variante 2; Mewe unter anderem deshalb, weil wegen des zurückversetzten Gebäudes genügend Platz für Haltestellen der Straßenbahnlinie 5 bleibe. „Wir gehen mit den Anregungen auf die Investoren zu“, versprach Geyer.

In einem ersten Wettbewerb sollen Investoren ihre Vorschläge für ein Nutzungskonzept unterbreiten und diese wirtschaftlich belegen, erklärte Strauß den nächsten Schritt. Mit dem Sieger schließe die Gemeinde einen sogenannten Anhandgabevertrag ab. Er hat das Alleinbeplanungsrecht und schreibt gegen die Zahlung eines Teils des Grundstückspreises selbst den Hochbauwettbewerb aus. Über die Gewinner entscheide jeweils eine Jury, die Ergebnisse würden öffentlich vorgestellt. Läuft alles nach Plan, könnten die beiden Wettbewerbe in 1,5 Jahren abgeschlossen sein. Parallel will die Gemeinde das Bauleitverfahren in trockene Tücher bringen.

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