Stefanie Golisch begeistert mit „Lili Marleen“ und weiteren Liedern

Wie einst Lale Andersen

Stefanie Golisch fordert dazu auf, für Frieden zu beten und zu kämpfen. Foto: Jantje Ehlers

Stuhr - Von Angelika Kratz. Zu einem goldenen Oktobertag im Herzen entwickelte sich der Donnerstag trotz frostig-kühlem Nieselwetters für die Besucher eines musikalischen Abends in der Stuhrer Kirche. Diese waren einer Einladung des Landfrauenvereins Stickgras-Stuhr gefolgt, die sich nicht nur an ihre Mitglieder gerichtet hatte. Die Veranstaltung war offen für alle Interessierten. Und die kamen zur Freude der Gastgeber und des Stars des Abends, Stefanie Golisch, überaus zahlreich. „Über so viele Menschen in der St.-Pankratiuskirche würde sich sonntags sicherlich auch der Pastor freuen“, schaute eine Zuhörerin sichtbar beeindruckt auf die dicht besetzten Kirchenbänke.

Mitgebracht hatte die in Dresden und Italien studierte Mezzosopranistin Golisch, die Chorleiterin in Delmenhorst und Bremen ist, ein Programm in zwei Akten. Bei dem ersten Teil handelte es sich um eine musikalische Lesung über das bunte, ungewöhnliche Leben der Sängerin und Schauspielerin Lale Andersen (1905 bis 1972). Im zweiten Teil hieß es, entsprechend gesanglich angewärmt und aufgemischt, „gemeinsam fröhlich singen“.

Von der ersten Minute an zog die sympathische und temperamentvolle Sängerin Stefanie Golisch das Publikum mit. Beim Einzug begleitete sie sich selber mit dem Akkordeon zum Lied „Nordseewellen trekken an den Strand“. Golischs sangesbegeisterter Opa legte sicherlich die Wurzeln für die spätere Karriere seiner Enkeltochter, obwohl die Oma oft schimpfte „Otto, singe nich son dumn Tüch!“

Stefanie Golisch spannte einen wunderbar lockeren und informativen roten Faden von sich selber zu Lale Andersen, der „Lili Marleen“ schlechthin. Seit 2012 lässt die Bremerin in einem von Uwe Hoppe geschriebenen Programm Lale Andersen, geborene Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, neu aufleben.

Drei Kinder bekam Lale Anderson, die bereits mit 17 Jahren heiratete, in kurzen Abständen. Als der jüngste Sproß Michael vier Monate alt war, sagte die Mama „Tschüss“ und verließ Kinder und Ehemann Paul Ernst Wilke, der eigenen künstlerischen Verwirklichung wegen. „Und wieder geht ein schöner Tag zu Ende“, sang Lale Andersen und packte ihre Koffer zwischen Berlin und München ein und aus. Rolf Liebermann sei ihre große Liebe gewesen, aber auch ihn verließ sie der Karriere wegen. Zum Mitsingen brauchte das Publikum nicht aufgefordert werden, das klappte beim ersten Lied genauso wie zum Stück „Dat du min Leevsten büst“.

Als damals das musikalische Material beim besetzten Sender „Radio Belgrad“ mitten im Krieg knapp wurde, ging es Richtung Sichtung im ungeliebten Fundus. Lili Andersens nicht gerade begeistert aufgenommener Träger mit der „Lili Marleen“ entwickelte sich plötzlich bei den Soldaten weltweit als der Song schlechthin.

Auch in der Stuhrer Kirche bereitete sich bei dem Lied ein gewisses Gänsehautfeeling ohne zuviel Sentimentalität aus. Die wunderschöne Stimme von Stefanie Golisch beschritt genau den richtigen Grat zum heute noch als Ohrwurm existierenden Friedenslied. Die begeisterten Zuhörer kamen in den Genuss der Ursprungsversion und der späteren rund um die Welt gehenden zweiten Ausführung.

Vor dem Syrienkrieg machte Stefanie Golisch eine Konzertreise zwischen Aleppo und Damaskus. „Es war so schön“, schwärmte sie beim musikalischen Abend in Stuhr und berichtete von den späteren Kommentaren ihrer Freunde zum Kriegsbeginn, die meinten: „Das geht schnell vorüber.“ Die Künstlerin forderte alle auf: „Wir müssen kämpfen und beten für den Frieden.“

„Ein Schiff wird kommen“ erschallte schließlich lautstark durch das uralte Kirchenschiff. Richtig eingestimmt wurde das anschließende Rudelsingen zu einem weiteren Highlight des Abends. „Die Gedanken sind frei“, „Am Brunnen vor dem Tore“ bis hin zu Beethovens „Freude schöner Götterfunke oder Reinhard Meys „Über den Wolken“ ging voller Inbrunst dank gut lesbarer und hübsch illustrierter Textvorlage auf der Leinwand von der Brust. „Ihr seid ein traumhafter Chor“, freute sich Stefanie Golisch über das mitmachende Publikum. Am Ende gab es viel Applaus, und die gute Laune durfte jeder kostenlos mit nach Hause nehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brechts New Yorker Schokoladen-Stücke

Brechts New Yorker Schokoladen-Stücke

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Nienburg: Dach für Eisbahn steht schon 

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Blamage für Hongkonger Regierung: Vermummungsverbot gekippt

Unwetter in Österreich: Mann stirbt nach Erdrutsch

Unwetter in Österreich: Mann stirbt nach Erdrutsch

Meistgelesene Artikel

Nicht alle Hoffnungen erfüllt: Ortsumgehung Bassum wird 25

Nicht alle Hoffnungen erfüllt: Ortsumgehung Bassum wird 25

Auto crasht auf B51 gegen Laterne - Insassen flüchten daraufhin

Auto crasht auf B51 gegen Laterne - Insassen flüchten daraufhin

Wölfe im Kreis Diepholz: Mehrere Sichtungen bei Drentwede

Wölfe im Kreis Diepholz: Mehrere Sichtungen bei Drentwede

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Marktempfang der Gemeinde beim Herbstmarkt

Kommentare