Der Einschulungsjahrgang 1944 der Brinkumer Volksschule trifft sich im Hotel Hannoversches Ross

Mit dem Rohrstock Hiebe auf den Hintern und auf die Hand

+
Beim Klassentreffen haben sich die Teilnehmer an zahlreiche Streiche erinnert.

Brinkum - Von Angelika Kratz. Gesellige Klassentreffen der ehemaligen Volksschule in Brinkum haben seit vielen Jahren Tradition. Erstmalig trafen sich die ehemaligen „Pennäler“ des Geburtsjahrgangs 1938 am Sonnabend im Hotel „Hannoversches Ross“. Hinsichtlich der lokalen Ausgewogenheit wird stets gewechselt, wie Organisatorin Helga Zymarra betont. Nach dem Essen reichten die Teilnehmer uralte Fotos herum und hauchten mancher Schulgeschichte wieder Leben ein.

„Wir gehören sicherlich zu den letzten Kindern, die in der Schule „Heil Hitler sagen mussten“, berichtet Jochen Schweers von der Einschulung im Jahr 1944. Ein Jahr später startete der Unterricht mit einem Gebet und diesem Gruß: „Guten Morgen Herr Lehrer“.

In den letzten Kriegsmonaten schickten die Lehrer die Mädchen und Jungen oft nach Hause, erzählt eine ehemalige Schülerin. Dann wurden Tafel, Schwamm und Kreide in Windeseile in die meist vererbten oder vom Schumacher reparierten Tornister zusammengepackt, denn ein Angriff stand dann bevor. Viele Schulstunden fielen aus.

Im fünften Schuljahr trafen sich die Jungs mit den „blöden Mädchen“. Die Gruppe wuchs zusammen. „Einige hatten in weiterführende Schulen gewechselt. Es blieben 32 Jungs und 32 Mädchen übrig, die in einem Klassenraum zusammensaßen“. Wie so etwas bei aktuellen Klassenstärken von 24 oder 25 Kindern abgelaufen sein könnte, mag sich die heutige Generation kaum vorstellen können. Das habe aber geklappt. Dank eiserner Disziplin wurde gelernt. Den Rohrstock hatte auch Lehrer Meergans stets in der Hand, wenn er durch die Reihen seiner Schüler schritt. „Er war ein guter Pädagoge“, attestieren ihm Irmgard Schweers und Etta Reinhardt. Dennoch bekam nicht nur Udo Hilkenbach gelegentlich mit dem Rohrstock Hiebe. Der Lehrer hatte auch die Mädchen geschlagen. „Auf die linke Hand, denn mit der rechten Hand musste ich ja noch schreiben“, erinnert sich Etta Reinhardt an die sehr schmerzhaften Lektionen.

Das hielt indes keinen von Dummheiten ab. Besonders beliebt war es, den Rohrstock des Lehrers zu klauen. Der wurde dann mit Zwiebeln eingerieben und in eine hohle Turnstange gesteckt. Die Zwiebel sollte die Auflösung bewirken, aber ob diese Aktion von Erfolg gekrönt war, konnte keiner feststellen.

Die Gruppe berichtet auch von Streichen bei der gemeinsamen Klassenreise in den Harz. „Mein Gott, was waren wir Mädchen damals dumm“, schlägt Irmgard Schweers hinsichtlich jeglicher fehlender Aufklärung die Hände vors Gesicht.

„Vom Küssen bekommt man Kinder“, war eine der „Weisheiten“ der damals 13-Jährigen. So traute sich damals keines der jungen Mädchen über den Hof zu den Toiletten, denn da hätten am Abend die Jungs warten können. „Wir haben einen Eimer genommen und ihn dann aus dem Fenster gekippt“.

Weitere Geschichten ranken sich um die Schulzeit. Dazu gehören auch die über die vielen Flüchtlinge als die Heimatvertriebenen in der Region sesshaft wurden. Der Schulabschluss nach den damals üblichen acht Jahren wurde hinsichtlich des Alters der Neuankömmlinge schon mal leicht verkürzt.

Besonders für Mädchen gestaltet es sich im Nachkriegsdeutschland schwer, Lehrstellen zu bekommen. Helga Zymarra ging nach der Volksschule auf die Handelsschule und bekam eine. Mit dem Fahrrad fuhr Udo Hilkenbach jeden Tag nach Lilienthal zur Ausbildung als Uhrmacher.

„Wir waren eine tolle Einheit“, schwärmt die Runde von den alten harten, dennoch in bester Erinnerung gebliebenen Schulzeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Zwei Elfmeter-Tore: DFB-Elf zieht ins EM-Viertelfinale ein

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Bilder: Keine Nerven vom Punkt - DFB-Frauen siegen gegen Russland

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Schwimmer Wellbrock erreicht WM-Finale: "Riesig"

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Sommerreise durch den Landkreis Diepholz - der Dienstag

Meistgelesene Artikel

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Sommerpicknick in Asendorf erfreut sich großer Beliebtheit

Auf Expedition im Maislabyrinth

Auf Expedition im Maislabyrinth

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

„Flieger in die Türkei sind ausgebucht“

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Syker Haustechnik macht weiter – mit neuem Namen und alten Bekannten

Kommentare