Einsatz für Solidarität

Franz Moritz Rieger absolviert einen einjährigen Freiwilligendienst in Israel

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Nicht nur mit dem Finger auf dem Globus: Franz Moritz Rieger war bereits im Rahmen eines Schüleraustauschs in Israel, ab September absolviert er dort einen einjährigen Friedensdienst.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Das Zimmer von Franz Moritz Rieger mutet ein bisschen an wie ein Musikstudio. Gitarre, Bass, Schlagzeug – alles vorhanden. Ab September wird der 19-jährige Brinkumer sein Hobby für ein Jahr auf Eis legen. Rieger geht nach Israel, um dort einen Freiwilligendienst zu leisten.

Nachdem er im vergangenen Jahr sein Abitur am Alten Gymnasium in Bremen gebaut hatte, stand für Rieger fest, dass er eine längere Zeit im Ausland verbringen würde. Großbritannien kam in Frage, auch die USA und Südafrika. 

Dass es letztlich Israel wurde, hängt auch mit dem interkulturellen Schüleraustausch Bremen-Haifa zusammen. Vor zwei Jahren hatten Schüler des Alten Gymnasiums die Gelegenheit, Bremens Partnerstadt kennenzulernen. Rieger nahm an der Reise teil.

„Wir sind eine Woche durch Israel gefahren und waren dann noch eine Woche bei unserem jeweiligen Austauschschüler untergebracht“, erzählt der Brinkumer. Bange sei ihm nicht gewesen. „Natürlich ist es gewöhnungsbedürftig, wenn an den Straßenecken Leute mit einem M16-Gewehr stehen. Aber die Menschen dort haben auch ihren Alltag und kriegen das hin. Da bin ich entspannt.“

Die Aktion Sühnezeichen organisiert Riegers Aufenthalt

Gesellschaftlich, politisch und kulturell habe er das Land als „sehr spannend“ erlebt. Eigentlich muss schon damals in ihm der Entschluss gereift sein, das Land mal für einen längeren Zeitraum zu besuchen.

Für seinen Aufenthalt machte sich Rieger auf die Suche nach einer Organisation, die ihm das ermöglichen würde. Er stieß auf die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF). „Man macht eine sinnvolle Sache und bekommt im Gegenzug eine Unterkunft, Verpflegung und kleines Taschengeld“, erklärt Rieger. 

In Jerusalem wird er in einer Wohngemeinschaft mit anderen jungen Menschen leben, die über ASF nach Israel kommen. Er steht voll und ganz hinter der Organisation, die nach eigener Auskunft die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verbrechen als „Motiv und Verpflichtung für konkretes Handeln in der Gegenwart“ begreift.

Der 19-Jährige lernt bereits Hebräisch

Im Archiv für Jüdische Geschichte wird sich der Abiturient 30 Stunden pro Woche mit der Dokumentation und Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit befassen. „Es geht darum, Quellen in die Datenbank einzupflegen. Man ist so ein bisschen der Praktikant, kann aber auch eigene Forschungsarbeit betreiben.“ 

Weitere zehn Stunden nehmen die regelmäßigen Treffen mit Holocaust-Überlebenden ein. „Da geht es weniger darum, Zeitzeugen zu interviewen, sondern Senioren zu begleiten“, sagt Rieger. „Mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen im alltäglichen Leben behilflich zu sein.“ Eigens dafür büffelt er seit geraumer Zeit Hebräisch.

„Besonders in Zeiten, in denen Populismus und rechte Hetze versuchen, die Gesellschaft aufgrund Nationalität, Religion oder sexueller Orientierung zu spalten, ist es mir wichtig, mich für Solidarität und Dialog zwischen den Völkern und Kulturen einzusetzen“, sagt Rieger. 

Diese Einstellung lebt er auch durch sein politisches Engagement in Deutschland. Er ist Mitglied der Linksjugend geworden, weil er etwas unternehmen möchte „gegen Sachen, die ungerecht sind“.

Es fehlt an Aufarbeitung und Erklärung

In Jerusalem hat er es mit der Organisation Amcha zu tun. Sie setzt sich fachlich mit dem Holocaust, den Erinnerungen und Traumata auseinander, bietet außerdem eine psychosoziale Hilfe nach Kriegen und kollektiven Gewalterfahrungen an. 

Rieger: „Viele jüdische Paare haben sich in den Konzentrations- und Auffanglagern kennengelernt. Sie wissen, was passiert ist, und sprechen nicht darüber.“ Ihnen fehle die Aufarbeitung, der zweiten Generation die Erklärungen.

Für die Zeit nach Israel hat Rieger schon konkrete Pläne: Er möchte Deutsch und Geschichte auf Lehramt studieren. „Ich kann mir gut vorstellen, vor einer Klasse zu stehen“, sagt er. Ehemalige Pädagogen hätten ihm das sogar schon ermöglicht – im Rahmen eines Praktikums im Februar. Zudem dürften nach der einjährigen Durststrecke seine Instrumente wieder zum Einsatz kommen.

Information

• ASF bietet 180 Projektplätze in 13 verschiedenen Ländern an. Jeder Freiwillige trägt zur Finanzierung seines Aufenthalts bei und sucht sich 15 Paten, die ihn mit einer monatlichen Spende von 15 Euro unterstützen. Wer Pate von Franz Moritz Rieger werden möchte, kann sich unter Telefon 0421/20821775 oder per E-Mail an franzmoritzrieger@ online.de melden.

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