Mal einen Kaffee trinken, bevor er kalt wird

In der Krabbelgruppe nur für Zwillinge haben Mütter die Gelegenheit zum Austausch

+
Vor der Sommerpause haben sich es Mütter und Zwillinge auf dem Spielplatz bei der Heiligenroder Kirche gut gehen lassen. 

Heiligenrode - Von Andreas Hapke. Die Krabbelgruppen beim TSV Heiligenrode sind eine Erfolgsgeschichte. Sechs davon gibt es mittlerweile unter dem Dach des Vereins, und die jüngste ist eine echte Besonderheit: Unter Leitung von Elke Waßmann treffen sich seit Anfang April dieses Jahres ausschließlich Mütter mit Zwillingskindern.

Die Idee habe eine Mutter von Zwillingen aus einer bestehenden Krabbelgruppe gehabt, berichtet Elke Waßmann. Der Verein habe sofort grünes Licht gegeben, sodass innerhalb von fünf Wochen ein Angebot zustande gekommen sei, ausschließlich durch Mundpropaganda. Acht Mütter und ihre Zwillinge treffen sich nun jeden Donnerstagnachmittag um 15 Uhr im TSV-Vereinsheim. „Erstaunlicherweise sind immer alle da“, sagt Elke Waßmann. Dies führt sie darauf zurück, dass der Redebedarf groß sei. „Zwillinge zu haben ist eine ganz andere Nummer als Kinder in unterschiedlichem Alter, von denen vielleicht sogar eins schon nebenherlaufen kann.“

Nicht alle Sprösslinge hätten eine Omi, die gerne mal für eine Stunde babysittet, stellt Waßmann fest. Was tun, wenn beide Kinder zahnen und ich keine Nacht mehr Ruhe habe? Wie kaufe ich mit den Kleinen ein, wie gehe ich mit ihnen gleichzeitig schwimmen oder zum Arzt? – Für Situationen wie diese bräuchten Mütter mit Zwillingen den Austausch mit ihresgleichen, sagt Waßmann. Dies höre auch nicht auf, wenn der Nachwuchs älter wird: Melde ich die beiden in einer Kindergartengruppe an oder in verschiedenen? Sollen sie in eine Klasse gehen oder lieber nicht?

Elke Waßmann spricht aus Erfahrung: Sie ist selbst Mutter eineiiger Töchter, Sonja und Melina, die inzwischen 26 Jahre alt sind. Die ersten fünf Jahre sei sie fast durchgängig erschöpft gewesen, erinnert sie sich. Damals hätte sie sich über eine Gruppe für Zwillinge gefreut, heute kann sie den jungen Frauen mit Tipps aushelfen.

Die Besonderheit von Zwillingen fange schon mit der Geburt an, sagt Waßmann. „Bei mir war das ein großes Abenteuer. Ich habe zehn Wochen gelegen, ein Kind hat auf die Niere gedrückt. Am Ende mussten sie per Kaiserschnitt geholt werden.“ Heute hätten beide einen medizinischen Beruf, engagierten sich bei der Feuerwehr und spielten Damenfußball. „Den gleichen Männergeschmack haben sie auch, das sind schon sehr viele Parallelen“, sagt Waßmann.

Klöngruppe für Mütter von Zwillingen geplant

In ihre Gruppe kommen Kinder von zehn Monaten bis drei Jahren. „Das ist super, denn die Mütter mit den jüngeren Kindern können schon von den erfahreneren profitieren.“ Nicht alle wohnen in Heiligenrode und umzu. Es sind auch Sprösslinge aus Harpstedt, Weyhe und Stuhr dabei. „Nur ein Zwillingspaar ist eineiig“, berichtet Elke Waßmann. Deshalb merke man beim Spielen oft gar nicht, dass es sich bei den anderen um Zwillinge handele.

Unterstützung erhält sie von Tamara Schultz, die beim TSV ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, sowie von einer älteren Dame aus Kirchseelte, die von dem Projekt gehört hatte und sich engagieren wollte. „Das ist sehr angenehm“, sagt Waßmann, „denn die Mütter können mal eines der Kinder abgeben und ihren Kaffee trinken, bevor er kalt ist.“

In der Krabbelgruppe für Zwillinge ist maximal noch für ein Pärchen Platz. Anders sieht es mit einer abendlichen Klönrunde aus, die Elke Waßmann ins Leben rufen möchte. Kaum schlägt sie den Müttern das vor, bricht spontaner Jubel aus. „Sich mal ohne Kinder treffen? Gute Idee“, sagt zum Beispiel Evelyn Larisch. „Da könnte man sich noch besser austauschen als hier.“

In der Regel trifft sich die Gruppe im Vereinsheim des TSV Heiligenrode. 

Wenn die Frauen über ihren Alltag sprechen, klingt das nach einer großen Herausforderung. Man sei ständig auf den Beinen, lautet der Tenor. Und: „Das eine Kind will immer das haben, was das andere gerade hat“, berichtet Susan Pickenpack. „Es macht Spaß, die Eltern gemeinsam zu ärgern. Wirft das eine einen Teller, wirft das anderen eben auch einen Teller.“

Es gehe darum, Prioritäten zu setzen, erzählen die Mütter. Man könne nicht immer beiden Kindern Aufmerksamkeit schenken, beide auf den Arm haben. „Du weißt gar nicht, was anstrengend ist“, denkt Evelyn Larisch manchmal, wenn sie andere Mütter klagen hört. „Wir haben einfach andere Probleme.“

Gleichwohl stellen die Frauen auch fest: „Es muss doch super sein, zusammen als Zwillinge aufzuwachsen. Es ist immer jemand da.“ Juliane Höhl bringt auf den Punkt, was alle denken: „Es ist sehr schön. Ich möchte das nicht missen.“

• Wer sich für die Klöngruppe für Mütter von Zwillingen interessiert, kann sich an Elke Waßmann unter Ruf 0174/ 92 58 646 wenden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Südkoreas Präsident: Nordkorea nähert sich "roter Linie"

Südkoreas Präsident: Nordkorea nähert sich "roter Linie"

Urlauber auf Mallorca gelassen trotz Tourismus-Protesten

Urlauber auf Mallorca gelassen trotz Tourismus-Protesten

Botanischer Garten auf dem Brocken: So blühen die Berge

Botanischer Garten auf dem Brocken: So blühen die Berge

Warum Urlauber das Abenteuer suchen

Warum Urlauber das Abenteuer suchen

Meistgelesene Artikel

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Wetterexperte zum Ballon-Fahrer-Festival: „Wind ist unser Hauptfeind“

Gemeinsame Fahrrad-Tour: Ist Diepholzerin die Neue von Leonardo DiCaprio?

Gemeinsame Fahrrad-Tour: Ist Diepholzerin die Neue von Leonardo DiCaprio?

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Aus der Disco direkt gegen eine Laterne und in eine Schlägerei

Doppeltes Grün an der Ampel? Autos kollidieren auf der B214

Doppeltes Grün an der Ampel? Autos kollidieren auf der B214

Kommentare