Seit 25 Jahren fährt man um Brinkum herum

Eine Umgehungsstraße feiert Geburtstag

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Die gleiche Stelle 25 Jahre später: Bei der „Zwei-Plus-Eins“-Verkehrsführung sorgen zwei Fahrspuren für einen besseren Verkehrsfluss in Richtung Bremen und zur Auffahrt zur Hansalinie.

Brinkum - Von Rainer Jysch. Lange hatten sie Autofahrer und Anwohner herbeigesehnt. Mehr als 45 Jahre wurde geplant – und dann war die Umgehungsstraße für Brinkum nach nur vier Jahren Bauzeit fertig. Am kommenden Donnerstag jährt sich die Einweihung der Ortsumgehung vom 3. August 1992 zum 25. Mal.

Die ursprünglich mit umgerechnet gut 13 Millionen Euro geplanten Baukosten beliefen sich am Ende einschließlich der Grunderwerbskosten, der Errichtung von sechs Brücken und Lärmschutzmaßnahmen auf insgesamt 18 Millionen Euro. Immerhin: Die prognostizierte Bauzeit von August 1988 bis August 1992 wurde exakt eingehalten.

Mit Weitsicht hatten die Planer in den damals noch selbstständigen Kommunen Brinkum und Leeste die ins Auge gefasste Trasse von einer weiteren Bebauung freigehalten. Zwei alte Bauernhöfe und ein Gasthaus mussten der neuen Schnellstraße dennoch weichen.

Es gab auch Proteste

Es gab auch Proteste gegen die Trassenführung. Der von Bürgerinitiativen beklagten Zerstörung der Osterbruchwiesen stand die Schaffung des Parks „Osterbruchwiesen“ mit Babywald und Seeanlage als Naherholungsgebiet gegenüber.

Wie ein Bypass führt die 4,806 Kilometer lange Strecke der B6/B51 im weiten Bogen östlich am Stuhrer Ortsteil vorbei; von der Autobahnabfahrt Brinkum bis kurz vor Kreuz Meyer.

Die dadurch erreichte Entlastung des innerörtlichen Verkehrs ließ die Bewohner des Ortskerns aufatmen. Hatten sich doch zuvor täglich fast 30 000 Fahrzeuge durch Brinkums Mitte gequält. Neben Luftverschmutzung und Verkehrslärm waren lange Staus die Folge, die sich im Berufsverkehr zu Wartezeiten von bis zu einer halben Stunde und mehr summierten und an den Nerven der Autofahrer zehrten.

Einen Tag vor Freigabe der neuen Brinkumer Ortsumgehung am 3. August 1992 konnten die Brinkumer „ihre“ neue Straße zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden. 

„Bis zum Bau der Autobahn A1 im Jahr 1963 war Brinkum der Hauptverkehrsknoten–punkt in Norddeutschland“, berichtete kürzlich der 87-jährige Horst Rauschert. Was heute kaum mehr vorstellbar ist, war vor Inbetriebnahme der Hansalinie Realität: Der gesamte Verkehrsstrom aus Osnabrück und dem Ruhrgebiet, aber auch aus Hannover in Richtung Bremen, Ostfriesland und Hamburg quälte sich vor 1963 mit täglich rund 11 500 Fahrzeugen über die beiden Bundesstraßen durch den kleinen Ort. Das Brinkumer Nadelöhr war weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt: „Ach, das ist da, wo der Verkehr so dick wird“, bedauerte man Rauschert, wenn er bei Besuchen in Süddeutschland seinen Heimatort nannte.

Fast 30 Jahre nach dem Bau der A 1 sorgte die Ortsumgehung für eine weitere Entlastung. „Heute befahren in Spitzenzeiten werktäglich 27.600 Fahrzeuge den stark frequentierten Teilabschnitt zwischen Leester Straße und Autobahn“, zitiert Hartmut Martens, Fachbereichsleiter Verkehr im Stuhrer Rathaus, aus einer Zählung von 2012. „Da, wo Platz war, wurden 2010 im Zuge einer Deckensanierung die beiden Fahrbahnen um eine dritte Spur zulasten der Standstreifen ergänzt“, erklärt er. Rund 730.000 Euro hatte sich die Nienburger Straßenbauverwaltung diese „Zwei-Plus-Eins“-Verkehrsführung auf der zwölf Meter breiten Fahrbahn der B 6 kosten lassen.

Deutliche Entlastung für den Ortskern

Im Brinkumer Ortskern selbst wurde die Zahl der Fahrzeuge 2012 mit 13.000 ermittelt. Immerhin weniger als vor dem Bau der Umgehungsstraße, aber doch wieder eine beachtliche Menge, die sich insbesondere im Feierabendverkehr als zäher Strom durch Brinkum bewegt. „Hätten wir die Ortsumgehung nicht, wären es rund 40.000 Fahrzeuge, die täglich durch Brinkum führen“, rechnet Hajo Giesecke, Fachbereichsleiter für Bau, Recht und Ordnung, vor. Eine Zahl, deren Auswirkungen auf die Verkehrslage man sich in Brinkum lieber nicht vorstellen möchte.

„Erst mit der Ortsumgehung konnten neue, gut erreichbare Gewerbegebiete, städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen und der Rückbau der Syker Straße in die Wege geleitet werden“, heißt es aus dem Rathaus. Allein die Erhöhung der Einwohnerzahl um 1800 Menschen sei auf die Siedlung „Briseck“ zurückzuführen, so Hajo Giesecke. Insgesamt habe sich Brinkums Bewohnerzahl seit 1992 durch neue Baugebiete und „Nachverdichtungen“ von 7300 auf aktuell 11.200 erhöht. Hartmut Martens: „Brinkum ist ein attraktiver Wohnort, und die Mobilität pro Haushalt hat sich in den vergangenen 25 Jahren ganz sicher erhöht.“

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