Manfred Hohenecker ist seit 40 Jahren als Notar tätig / Heute härtere Zugangsvoraussetzungen

Eine selten lange Karriere

Das gelingt nicht vielen Notaren: Ende Juni ist Manfred Hohenecker 40 Jahre in dem Amt tätig.  
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Das gelingt nicht vielen Notaren: Ende Juni ist Manfred Hohenecker 40 Jahre in dem Amt tätig. Foto: Andreas Hapke
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Stuhr – 40 Jahre in einem Job – schon das ist heute nicht mehr selbstverständlich. 40 Amtsjahre als Notar sind noch schwerer zu erreichen, vor allem wegen der veränderten Zugangsvoraussetzungen. Ende des Monats wird Manfred Hohenecker diese Grenze überschreiten. Er war am 30. Juni 1980 zum Notar bestellt worden. „Damit darf ich für mich auch in Anspruch nehmen, dass ich der erste Notar in Stuhr gewesen bin“, sagt Hohenecker.

Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits seine Anwaltspraxis an der Leester Straße eröffnet. Ostern 1980 war das der Fall. Ostern 1987 folgte der Umzug an die Bremer Straße in Brinkum, wo die Kanzlei Hohenecker Tietjen Gudat noch heute ihren Sitz hat. Dort ist auch Hoheneckers Tochter Christiane Gudat als Notarin tätig.

Sie ist im Dezember 2014 ernannt worden und ein Beispiel dafür, welche Hürden inzwischen eine 40-jährige Karriere in diesem Amt verhindern. Im Gegensatz zu ihrem Vater musste sie nach dem zweiten Staatsexamen bereits fünf Jahre als Rechtsanwältin gearbeitet haben, die letzten drei am Stück vor Ort. Erschwerend kamen eine Fachprüfung mit vier Klausuren und eine mündliche Prüfung hinzu. Viele jungen Anwälte würden diesen Aufwand scheuen, sagt Hohenecker. Immer häufiger würden Stellenausschreibungen zurückgenommen, weil es keine Bewerber gebe.

Der Aufwand habe sich aber auch für die praktizierenden Notare erhöht, weil Beurkundungen und Verträge komplizierter geworden seien. „Da sind viele Vorschriften zu beachten“, sagt der 69-Jährige und nennt das Beispiel eines 20 bis 25 Seiten umfassenden Bauträgervertrags. „Den muss ich nicht nur vorlesen, sondern auch den Leuten erläutern. Das sind keine Geschäfte des alltäglichen Lebens.“

Umgekehrt habe die EDV sehr geholfen. „Vor allem wenn man bedenkt, dass in den 70er-Jahren Verträge mit der Schreibmaschine individuell verfasst wurden, inklusive der Änderungswünsche, die während der Beurkundung aufkamen.“ Ansonsten falle ihm kein Allheilmittel ein, das die Arbeit der Notare erleichtern könnte.

Dass Vertragsunterzeichnungen nicht zustande gekommen sind, hat Hohenecker nach eigener Auskunft selten erlebt. „Den Leuten wird der Vertrag vorher zugeschickt. Wer sich dann beim Notar einfindet, ist bereit, das Rechtsgeschäft abzuschließen.“ Natürlich könne bei der Beurkundung noch ein Problem auftauchen, das den Vertragsabschluss scheitern lasse, aber dies sei selten. Im Bauträgerrecht etwa könne ein Altlastenrisiko für einen der Beteiligten ein Grund sein, das Grundstück untersuchen zu lassen. „Da geht es an die Kosten.“

Was er an seinem Job in all den Jahrzehnten so geschätzt hat? „Ich habe nicht nur eine Beurkundungsaufgabe, sondern kann auch gestalterisch wirken“, sagt Hohenecker. „Ich bin frei, wie ich den Auftrag, der sich mir stellt, im Rahmen der Beurkundung zu erledigen habe.“ Mit seiner Kenntnis, Ausbildung und Berufserfahrung könne er den Leuten helfen, einen künftigen Streit zu vermeiden.

Wie schnell der vom Zaun brechen kann, zeige sich beim Übertragungsvertrag. „Eltern wollen ihrem selbstständig tätigen Sohn ihr Haus übertragen. Doch was passiert bei der Insolvenz der Firma? Damit das Haus nicht in die Insolvenzmasse kommt, wäre zu überlegen, sich für diesen Fall einen Rücktritt vorzubehalten.“

Als Notar habe er die Aufgabe, „den wirklichen Willen derjenigen, die vor einem sitzen, zu erforschen“. Manchmal müsse er der Leuten Alternativen aufzeigen. Und er müsse den Gedanken, der hinter dem Vertrag stehe, so verfassen, dass er eindeutig sei. Dies gelte insbesondere für ein Testament. „Wenn die Tochter das elterliche Haus erben soll, aber eher stirbt als die Eltern, dann bekommen die Enkel die Immobilie nur dann, wenn eine entsprechende Regelung aufgenommen wurde“, erklärt Hohenecker. „Sonst ist der Schwiegersohn Eigentümer und hat später vielleicht eine neue Partnerin, deren gemeinsame Kinder nach dessen Tod auch einen Erbanspruch hätten.“

Mit 70 Jahren ist Schluss, denn länger darf man als Notar nicht arbeiten. Für Hohenecker ist das am 31. Oktober so weit. Diese Altersgrenze hält er für angemessen: „Früher haben noch Kollegen über 80 Jahren dieses Amt ausgeübt. Doch angesichts der fortschreitenden Rechtsprechung ist das schon eine sehr starke Herausforderung. Nicht nur im geistigen, sondern such im gesundheitlichen Bereich.“ Er sei mit der Regelung einverstanden.

Bis zu seinem Amtsende werde er noch notarielle Aufgaben für langjährige Mandanten erledigen, sagt Hohenecker. Ohnehin führe seine Tochter bereits seit ihrer Bestellung zur Notarin das fort, was er begonnen habe.

Hohenecker wird lediglich ihre Notarvertretung übernehmen. „Dazu wird man bestellt.“ Eine Beschäftigung als Anwalt kann er sich nicht vorstellen, obwohl er diese Tätigkeit lange parallel ausgeübt hatte. Erst die letzten sechs, sieben Jahre habe er sich ausschließlich auf den Notar konzentriert.

Als spektakulär ist ihm ein Fall in Erinnerung geblieben, bei dem ein Mann das Erbe seines verstorbenen Bruders antreten wollte. „Das Amtsgericht ermittelte aber noch zwei Halbgeschwister, von denen er bis dahin nichts wusste. Er hatte also einen Bruder verloren und zwei Halbgeschwister gewonnen.“

Von Andreas Hapke

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