Nach Zwangspause

Friseurin spricht über Corona-Stillstand und Neustart: „Das war eine schwierige Zeit“

Alexandra Lanfermann

Seckenhausen - Unter umfangreichen Auflagen dürfen Friseure seit Montag wieder ihre Geschäfte öffnen. Sie müssen zum Beispiel ebenso einen Mund-Nasen-Schutz tragen wie die Kunden, da der Mindestabstand von 1,50 Metern beim Schneiden nicht einzuhalten ist. Haare waschen ist verpflichtend, auch die Dokumentation der Kundenbesuche.

Gesichtsnahe Dienstleistungen wie die Pflege der Augenbrauen dagegen sind tabu. Im Gespräche mit der Kreiszeitung erzählt Alexandra Lanfermann, Inhaberin des Salons „Alex and Friends“ in Seckenhausen, wie sie den Stillstand erlebt hat und wie sich die Einschränkungen auswirken.

Frau Lanfermann, auf Instagram haben Sie in der vergangenen Woche erzählt, dass Sie die Öffnung ihres Geschäfts kaum erwarten können. Wie fühlt es sich denn an, das neue, alte Leben als Friseurin?

Ich bin mit Leib und Seele Friseurin, und das habe ich in den vergangenen Wochen ganz besonders gemerkt. Es ist anders als vorher, aber ich kann mich nicht beschweren. Es macht Spaß.

Gab es den erwarteten Ansturm?

Oh ja. Und der hält auch noch ein paar Wochen an.

Und haben Sie ihre Kunden wiedererkannt?

Ja, nachdem ich die Haare nach links und rechts geschoben und den Mittelscheitel freigelegt hatte. Alle waren sehr diszipliniert und haben nicht selbst an sich herumgeschnitten.

Der Neustart ist mit zahlreichen Hygienevorkehrungen verbunden. Wie haben Sie die so schnell umgesetzt?

Ich glaube, es zeichnet unseren Beruf aus, dass wir flexibel sind. Man konnte ein Stück weit mit der Öffnung rechnen, deshalb habe ich schon einiges im Vorfeld unternommen, zum Beispiel Desinfektionsmittel und Mundschutz bestellt. Ansonsten haben wir gar nicht so viel gekauft, sondern das meiste handwerklich umgesetzt. Wir haben auf jeden Fall alle Auflagen erfüllt.

Welche Einschränkung macht Ihnen am meisten zu schaffen?

Ganz klar das Haarewaschen vor dem Färben. Das ist ein unfassbarer Zeitaufwand. Sonst waschen wir die Haare davor nicht. Teilweise dauert das mit Fönen eine Dreiviertelstunde mehr. Das ist natürlich auch abhängig von der Haarlänge.

Wenn Sie jetzt so viel Zeit pro Kunde investieren müssen: Haben Sie auch die Preise angepasst?

Ja, die haben wir tatsächlich angehoben. Wir berechnen eine Hygienepauschale. Der Haarschnitt für Männer beispielsweise kostet jetzt ungefähr ein Drittel mehr. So ähnlich ist das bei allen Dienstleistungen, wobei die Haarlänge und der Aufwand entscheiden. Eine Preiserhöhung wäre bei uns aber ohnehin fällig gewesen.

Wie empfinden Sie die Arbeit mit Mundschutz?

Erst fand ich das doof, aber ich habe mir eine spezielle Technik zurechtgelegt und mich schnell daran gewöhnt.

Wie reagieren denn die Kunden auf die ganzen Einschränkungen?

Da hatte ich gedacht, dass mehr Gegenwehr kommt. Doch die Kunden sehen das so wie ich. Es gibt die Regel, und da muss man sich eben dran halten. Alle machen fleißig mit. Es überwiegt die Freude, dass die Haare wieder geschnitten werden.

Hatten Sie Verständnis für die Schließung?

Ja. Ich hatte mein Geschäft sogar schon einen Tag vorher geschlossen, weil ich das nicht mehr verantworten konnte. Ich habe Kinder, denen ich gesagt habe, dass sie erst mal keine anderen Kinder mehr treffen sollen. Ich aber gehe arbeiten und habe weiter diesen Personenkontakt? Das konnte ich nicht mehr mit mir vereinbaren.

Wie haben Sie die Zeit des Stillstands erlebt?

Das war eine schwierige Zeit, mit ganz viel Unsicherheit und Existenzangst. Das hat sich nicht angefühlt wie Urlaub oder frei haben. Ich kann auch nicht nichts tun. Also habe ich angefangen zu renovieren.

War Ihre Existenz denn bedroht?

Wenn ich die Soforthilfe nicht bekommen hätte, wäre mein Laden jetzt zu. Sechs Wochen durchzuhalten, hätte ich nicht geschafft. Das wäre für zwei Wochen im März gegangen, mehr nicht. Friseure verfügen in der Regel nicht über Rücklagen von 12 000 Euro. Vielleicht die, die schon sehr lange dabei sind, aber ich nicht. Unser Geschäft wird im Juli erst drei Jahre alt.

Wann würde ich denn bei Ihnen einen Termin bekommen?

In zwei Wochen.

So schnell?

Ja, wir sind fleißig. Den ganzen Mai über werde ich auch montags öffnen. Für länger kann ich mir das aber nicht vorstellen. Ich habe noch eine Familie, für die ich Zeit haben möchte. Ich lebe nicht nur, um zu arbeiten. Ich arbeite, um zu leben.

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