Beim Kunstsommer von Anke Nesemann versuchen sich die Teilnehmer in der Bildhauerei

„Eine schöne Herausforderung“

Bearbeiten einen Speckstein und Serpentin: die Teilnehmerinnen Christine König (l.) und Regina Bruns (r.). Künstlerin Anke Nesemann steht mit Rat und Tat zur Seite.
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Bearbeiten einen Speckstein und Serpentin: die Teilnehmerinnen Christine König (l.) und Regina Bruns (r.). Künstlerin Anke Nesemann steht mit Rat und Tat zur Seite.

Bürstel – Eine Frau, gefangen in einem Stein. Ihr Körper ist angespannt. Man kann ihre Muskeln erkennen. Ihr Blick ist nach oben zum Himmel gerichtet. Es sieht so aus, als ob sie einen Ausweg sucht. Schafft sie es, sich aus dem Stein zu befreien?

Diese Figur hat Christine König innerhalb von zwei Tagen aus einem Speckstein geschaffen. Sie macht – wie sieben weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer – beim „Kunstsommer für Erwachsene“ mit, den die Künstlerin Anke Nesemann seit Montag in ihrer Bildhauerwerkstatt in Bürstel anbietet – von 10 bis 16 Uhr. Mehrere Arbeitsböcke stehen verteilt in ihrem Skulpturengarten. Um alle vor der Sonne zu schützen, hat sie Sonnenschirme aufgestellt.

„Wir arbeiten mit Handwerkzeugen und genießen eine Woche das Kunsthandwerk“, sagt Nesemann. Sie sei froh, dass es den Kunstsommer diesmal überhaupt gebe. „Ich habe aber auch viel Platz, sodass wir genügend Abstand halten können.“

Die Teilnehmer können auswählen, ob sie Sandstein, Speckstein, Alabaster, Serpentin, Holz, Marienstein oder Keramik bearbeiten. Die Steine unterscheiden sich in Form, Farben und Härtegraden. Der Speckstein beispielsweise sei weicher als die anderen, erklärt die Künstlerin.

„Es entstehen Reliefs und figürliche Arbeiten“, so Nesemann. Vorher habe sich jeder einen Stein ausgesucht oder einen mitgebracht. „Dann haben wir geschaut, was daraus entstehen kann.“ Sie schaut sich die Werke der Teilnehmer immer mal wieder an und gibt Tipps. „Es soll darum gehen, im Hier und Jetzt zu sein, seine Seele baumeln zu lassen und sich zu entspannen.“

Regina Bruns aus Twistringen ist ausgestattet mit einem Klüpfel, Beitel, Stecheisen, einem Schleifmittel und einer Raspel. Sie hat vorher noch nie bei einem Steinbildhauer-Kurs mitgemacht.

„Es macht viel Spaß, es dauert nur alles etwas länger“, erzählt sie mit einem Lachen. Sie fügt hinzu: „Aber es ist eine schöne Herausforderung.“ In der Zeitung habe sie von dem Kursangebot gelesen. „Dann habe ich angerufen und gehört, dass es noch freie Plätze gibt. Ich hatte einfach Glück.“

In ihrem Stein ist deutlich das Gesicht eines Menschen zu erkennen. „Zuhause habe ich schon mehrere Frauenköpfe.“ Wegen der Form des Steines sei sie auf diese Idee gekommen. Der hatte eine Erhebung, die wie ein Mund aussah. Augen und Nasen sind jetzt auch schon deutlich erkennbar. Eine weitere Teilnehmerin hat aus einem Alabaster einen Ammoniten gemacht. Auf den ersten Blick erinnert er an ein Schneckenhaus. Christine König ist auch zum ersten Mal dabei: „Man muss ja auch eine Woche Urlaub haben. Aber jetzt hatte ich die Zeit dafür“, erzählt sie lächelnd. Der Kurs gefalle ihr sehr gut. Sie habe sich ebenfalls von der Form des Steines zu ihrer Idee inspirieren lassen. So sei der Mensch entstanden, der aus dem Stein entspringe. „Meine Figur hat ein paar Macken. So wie das Leben. Das besteht auch aus Macken.“

Ihr hätten die unterschiedlichen Grüntöne des Steins gefallen, sagt König. Darum habe sie sich für den Speckstein entschieden. Sobald ihr Werk fertig ist, möchte sie es sich in den Garten stellen. „Der darf aber nur bei frostfreiem Wetter draußen stehen“, gibt Nesemann den Tipp. Bei kälteren Temperaturen komme er dann eben auf die Fensterbank, legt König sich fest.

Aber erst mal stehen noch weitere Schritte an: „Die Figur wird noch geschliffen, und die glatten Stellen werden noch mit Wachs versiegelt“, erklärt Nesemann. „Wenn man glatte und raue Flächen hat, bekommt man einen schönen Kontrast.“

Ein nächstes Ziel für die Woche hat König schon im Kopf: „Danach möchte ich einen Sandstein bearbeiten. Das soll auch wieder etwas Figürliches werden. Ich habe an eine Person gedacht, die einen Baum hochklettert.“

Seit bereits 15 Jahren lädt Nesemann zum Kunstsommer ein. Zudem bietet sie im Syker Kreismuseum den Kurs „Experimentelles gestalten“ für Kinder an. Dort feiere sie bald 15-jähriges Bestehen.

„Wer seinen Stein in der Woche nicht fertig bekommt, für den biete ich noch extra Termine an.“ Am Samstag komme noch ein Teilnehmer, der einen Stein aus Italien mitbringen möchte. Nesemann ist überzeugt: „Wenn man das Interesse hat und das auch möchte, kann jeder bildhauern.“

Von Lara Terrasi

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