Eine gute Portion Begeisterung

Stefan Koschade erhält für sein Engagement einen Stuhrer Wolf

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Einer der Wölfe: Stefan Koschade. 

Stuhr - Von Lisa-marie Rumann. Natur und Diskussionen mit Jugendlichen: Das sind die zwei Steckenpferde von Stefan Koschade. Für sein ehrenamtliches Engagement hat er eine silberne Anstecknadel – den Stuhrer Wolf – erhalten. Ob er überrascht gewesen ist? „Zum Teil“, gibt er zu. Er ist vor zwei Jahren bereits vorgeschlagen worden, aber da hat es nicht geklappt. Nicht so schlimm, dachte er, er stehe sowieso nicht gerne auf der Bühne. Auch im Gespräch zeigt er ein ruhiges Gemüt. Aber nun ist die Freude über die Auszeichnung doch sehr groß.

Seine große Leidenschaft ist die Natur. Die Weichen dafür wurden bereits im Kindesalter gestellt. Seine Großmutter habe ihn zu regelmäßigen Streifzügen mit in die Wälder genommen. „Die Pilze kannst du sammeln, diese nicht; Bärlauch bitte nicht verwechseln mit dem giftigen Maiglöckchen“, hallt es ihm noch immer nach. „Da ging es auch um die Pflege der Nachhaltigkeit der Natur“, erklärt er. Nur weil man einen Fliegenpilz nicht essen kann, müsse man ihn nicht gleich zerstören. Und so ist er zu der Organisation „Mehr Grün für Stuhr“ gekommen. Seit rund 35 Jahren ist er dort aktiv. In diesem Zeitraum wurden über 5 000 Bäume gepflanzt. In den 80er-Jahren haben sie mit circa 30 Bäumen pro Jahr begonnen.

Das Prinzip funktioniert so: Frisch gebackene Eltern werden gefragt, ob für ihr Neugeborenes ein Baum gepflanzt werden soll. Bei Einwilligung gibt es eine Zeremonie, bei der die Bäumchen gepflanzt werden. Natürlich nicht für jedes einzelne Baby, sondern für alle Neugeborenen eines festgelegten Zeitraums. „Die Eltern müssen nichts tun, außer dabei sein“, erklärt er. Die Bäume bekommen eine Nummer, die Familien eine Urkunde.

Sein zweites Standbein ist die Organisation Pro Ehrenamt. Dort ist er seit rund sechs Jahren aktiv. „Wir wollen Jugendliche nicht zu einem Ehrenamt überreden, wir wollen sie dafür sensibilisieren“, erklärt der 75-Jährige. „Ihnen einen Erinnerungspompon in den Kopf setzen.“ Denn es gebe immer „diese gewissen Auszeiten im Leben“, in denen man nicht genau wisse wohin – sei es die Zeit nach dem Abitur oder Arbeitslosigkeit. „Dann wissen die Menschen, an wen sie sich wenden können, um ihre Zeit sinnvoll zu nutzen.“ Es sei wichtig, mit ihnen zu diskutieren. Dabei lerne man auch viel für sich selbst.

Neben seinem Ehrenamt ist der Rentner beruflich einmal 42 Jahre lang in der Raumfahrtbranche unterwegs gewesen. Der einstige Wunsch, Kinderarzt zu werden, verflüchtigte sich mit der mangelnden Motivation, das große Latinum nachzuholen. „Dann habe ich an der Uni Gießen Physik studiert – und bin in der Raumfahrt gelandet.“ Einige Missionen haben den gebürtigen Oberschlesier für mehrere Wochen ins Ausland getrieben, Südamerika und Kolumbien zum Beispiel. „Meine Frau und unsere Kinder haben das gut mitgemacht.“ Koschade ist Vater von zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen. Ob aus ihm ein guter Kinderarzt geworden wäre? „Ich weiß es nicht, aber ich habe mein Umdenken nicht bereut.“

In seiner Freizeit spielt er seit gut 40 Jahren Tennis beim TV Süd in Huchting. Ein weiteres großes Hobby sind Pilze. „Sowohl das Sammeln als auch die Zubereitung“, erzählt er und lacht. „Man muss nur mit offenen Augen durch den Wald gehen, dann ist es ganz einfach.“ Auch für Holzbearbeitung interessiert er sich: basteln und schnitzen. „Ich versuche immer, eine Idee aufzugreifen.“ Auf die Frage, ob es noch etwas gebe, mit dem er seine freie Zeit gestalte, antwortet er: „Eigentlich ist alles in der Welt interessant – man muss sich nur begeistern können.“

Das Ehrenamt begleite Koschade bereits seit seiner Jugend. Angefangen mit journalistischen Aktivitäten bei der Schülerzeitung bis hin zu Organisationen von Handballturnieren der Schule. „Die Gemeinde ist sehr rührig. Ich kann nicht verstehen, wie man sich nicht ehrenamtlich engagieren kann.“

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