Eine Gruppe „verrückter“Frauen widmet sich ein Wochenende den Plüschtieren

Ein großes Herz für kleine handgefertigte Bären

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Kursleiterin Linda Benson aus Tasmanien fertigt einen Eisbären.

Fahrenhorst - Von Sandra Bischoff. Claudia Schlues Esszimmer gleicht zurzeit einer Nähstube: Auf dem großen Tisch liegen Stoffe, Kunstfelle, Lederstücke und Knöpfe. Zehn Frauen haben Nadeln, Fäden und Scheren vor sich liegen und lassen in liebevoller Handarbeit kleine und große Bären entstehen.

Einmal im Jahr treffen sich die Frauen bei Claudia Schlue, um ein Wochenende lang Plüschfiguren zu fertigen. Dafür reisen die Teilnehmerinnen nicht nur aus dem heimischen und aus benachbarten Landkreisen an, sondern auch aus Bochum, Weihnheim im Odenwald und München. Den weitesten Weg hat aber Kursleiterin Linda Benson. Sie kommt aus Tasmanien. „Nine crazy ladies“ („Neun verrückte Frauen“), sagt sie schmunzelnd über ihre Teilnehmerinnen. Sie ist nicht minder verrückt.

Im vierten Jahr in Folge gibt sie ihre Technik an Claudia Schlue und ihre Mitstreiterinnen weiter. „Sie näht seit über 30 Jahren Bären und gibt ihnen aus Leder genähte Nasen, das macht man in Deutschland eher selten“, sagt Schlue. Der Kontakt zu der Australierin mit deutschen Wurzeln kam über das Internet zustande. „Mir hat ihr Blog gefallen und ich habe sie per Mail gefragt, ob sie auch bereit wäre, in Deutschland Kurse zu geben“, berichtet Berit Eickenkötter aus Bochum.

Aber so „crazy“ nur übers Wochenende von Australien nach Deutschland zu fliegen, ist Benson dann doch nicht. Zurzeit macht sie mit ihrem Mann, einem Engländer, Urlaub in dessen Heimat. Ein Abstecher nach Fahrenhorst bot sich deshalb praktisch von selbst an. „Linda gibt ihre Technik komplett an uns weiter, das ist nicht bei allen Kursleitern so“, sagen die Frauen.

Gestern Morgen begann der Workshop, am Sonntagabend endet er. In diesem Zeitraum entstehen Bären in Miniformat, wie sie typisch für Linda Benson sind, aber auch Eis- und Panda-bären von klein bis groß. „Für ein Exemplar benötigen wir etwa einen Tag, aber auch nur, weil wir im Vorfeld die Schnittmuster bekommen und die Vorarbeiten erledigt haben“, sagt Claudia Schlue. Sie hat vor 14 Jahren mit ihrem Hobby begonnen. „Anfangs habe ich Sammlerbären gekauft, bis ich dachte: Das kannst du auch.“ Rund 800 Exemplare sind mittlerweile entstanden. Einen Großteil hat die Fahrenhorsterin auf Ausstellungen und Märkten verkauft.

Tanja Jöst aus Weinheim sitzt jeden Abend nach der Arbeit an ihren Bären. „Das ist für mich Entspannung, man bekommt den Kopf frei, vor allem wenn man wie ich nur mit der Hand näht.“ Die Faszination an den Bären sei die individuelle Gestaltung. Je nach Position der Augen erhält jedes Exemplar einen anderen Ausdruck.

Während die Frauen ihrem Handwerk nachgehen, sorgt Schlues Ehemann Holger für die Stärkung in Form des Mittagessens. Es gibt Meerestier. „Das ist der eigentliche Grund, warum ich jedes Jahr hier in Fahrenhorst bin: der leckere Fisch. Den bekomme ich in München nicht“, sagt Iris Heerdes augenzwinkernd.

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