40 Jahre Schleiereulenschutz in Stuhr: Mehr als 90 Nistkästen in der Gemeinde aufgehangen

Eine Erfolgsgeschichte

Schleiereulen in Stuhr: Auch heute sind sie in der Gemeinde anzufinden. Der kalte Winter zwischen den Jahren 2020 und 2021 hat dem Bestand aber zugesetzt.
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Schleiereulen in Stuhr: Auch heute sind sie in der Gemeinde anzufinden. Der kalte Winter zwischen den Jahren 2020 und 2021 hat dem Bestand aber zugesetzt.

Seit 40 Jahren kümmert sich der Nabu in der Gemeinde um diese Vögel. In dieser Zeit hat das Nabu-Eulenteam rund 90 Nistkästen aufgehangen. Nach einem Stotterstart entwickelte sich das Projekt zu einer Erfolgsgeschichte.

Stuhr – Schleiereulenschutz hat sich in Stuhr zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Für den Nabu ist diese Arbeit seit 40 Jahren ein besonderes Anliegen, denn noch in den 80er-Jahren habe es diesen Tieren an geeigneten Nistmöglichkeiten gefehlt, teilt Erich Sigloch vom Nabu mit. Die Gründe für den Mangel: Kirchtürme waren versperrt worden und früher übliche Einflugöffnungen – sogenannte Uhlenfluchten – in den Giebeln landwirtschaftlicher Gebäude waren im Zuge von Renovierungen ebenfalls verschlossen worden.

„Öffnet die Kirchtürme“, habe es in verschiedenen Aufrufen des Nabu-Bundesverbandes geheißen, nachdem die Schleiereule 1977 zum Vogel des Jahres gekürt worden war. Dem Aufruf folgte die Ortsgruppe Stuhr. Nach Rücksprache mit Kirchenvertretern in Stuhr und Brinkum seien in der Gemeinde ab 1981 die ersten beiden Nistkästen installiert worden.

Schleiereulenschutz Stuhr: Erster Erfolg im Jahr 1984

Ein erster kleiner Erfolg zeigte sich 1984 im Stuhrer Kirchturm: Ein Eulenpaar nistete dort und hatte vier Junge zu versorgen. Nachdem drei Jungvögel – vermutlich durch Nahrungsmangel infolge tagelangen Regens – verendet waren, barg die Stuhrer Nabu-Ortsgruppe den vierten Jungvogel und übergab ihn der Familie Hiller in Heiligenrode zu Pflege. Die Familie wilderte den Vogel später erfolgreich aus.

Auch von den bis dahin eher mäßigen Brutergebnissen ließ sich das Nabu-Eulenteam nicht entmutigen. Und so hielt es Ausschau nach günstigen Lebensräumen für die Eulen. Das seien in der Regel Höfe mit Schuppen und Scheunen und möglichst grünem Umland. Insbesondere Pferde- oder Viehhöfe seien geeignet. Nach Rücksprache seien die regionalen Landwirte ausnahmslos mit dem Anbringen der Nistkästen einverstanden gewesen – war die Schleiereule bei den Älteren doch als mäusefangende „Kattuhl“ (Katzeneule) durchaus willkommen.

Die erste Eule im Kirchturm Stuhr 1984: Nachdem der Jungvogel wieder bei Kräften war, wilderte der Nabu ihn erfolgreich aus.

Was folgte, waren zahlreiche Nistkastenaktionen. Das Eulenteam bastelte eifrig. Bis heute habe der Nabu in der Gemeinde Stuhr mehr als 90 Kästen – oft in Höhen von fünf bis acht Metern – angebracht, so Erich Sigloch. Der große Erfolg blieb zunächst allerdings aus. Ein Erklärungsversuch: Möglicherweise hatte der harte Winter zwischen 1985 und 1986 zu große Lücken in den gesamten Schleiereulenbestand Norddeutschlands gerissen.

Ab 1993 kam dann der sehnlich erwartete große Durchbruch: Immer mehr Schleiereulen nisteten in der Gemeinde. Das Jahr 1996 habe alle Erwartungen übertroffen. Insgesamt zwölf Brutpaare zogen in Stuhr mehr als 78 Jungvögel auf. „Noch ahnten wir nicht, dass dieses Ergebnis mehrfach getoppt werden sollte“, so Erich Sigloch.

Bruterfolg der Schleiereulen hängt vom Mäusevorkommen ab

Dafür müssten 30 bis 40 Mäuse je Brut pro Nacht an die älteren Jungvögel verfüttert werden, erklärt Sigloch. Insbesondere bei Schleiereulen korreliere der Bruterfolg mit dem Vorkommen der Mäuse, so der Nabu-Mann. Da verwundert es nicht, dass bis zu 80 Prozent der Schleiereulenpaare in mäusearmen Jahren nicht zur Brut schreiten oder nur wenige Jungvögel haben. Dagegen wurden in sogenannten Gradationsjahren, in denen sich speziell die Feldmäuse massenhaft vermehren, durchaus zwei, manchmal sogar drei Bruten getätigt. 2019 sei das beispielsweise so gewesen.

Weil Schleiereulen besonders kälteempfindlich sind, hat der vergangene Winter mit Temperaturen im zweistelligen Minusbereich auch den Stuhrer Vögeln zugesetzt, erklärt Sigloch. Deswegen seien viele Eulen, aber auch Mäusebussarde, verendet. Der Nabu habe mit bangen Erwartungen auf seine Nistkästen geschaut. Viele der sonst durchgängig belegten Kästen waren verwaist. Immerhin: Sieben Brutpaare hatten sich 2021 in Stuhr eingefunden.

Das Fazit des nun 40 Jahre andauernden Schleiereulenschutzes: „Eine aufwendige, mühevolle Arbeit, die jedoch jedes Jahr aufs Neue durch spannende Ergebnisse belohnt wird“, meint Erich Sigloch. Schützenswerte Tiere hätten dadurch ein relativ sicheres Zuhause.

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