Autorin Cora Buhlert ist für wichtigsten Science-Fiction-Preis nominiert

Sie ist eine Auserwählte

„Dead World“ ist eine von vielen Kurzgeschichten, die Cora Buhlert geschrieben hat. Foto: terrasi

Seckenhausen –„Sie sind nominiert worden.“ Diese vier Wörter standen in einer E-Mail, die Cora Buhlert vor etwa drei Wochen in ihrem Postfach entdeckt hatte. Zuerst dachte sie, dass es nur ein Newsletter der Worldcon ist, aber dann las sie das weitere Wort - Von Lara Terrasi. „Vertraulich“.

Doch für was ist sie denn nun nominiert worden? Für den Hugo Award, den wohl wichtigsten Preis in der Science-Fiction-Literatur. „Ich war total baff und erst mal total geschockt“, erzählt Buhlert. Nachdem die 46-Jährige die E-Mail gelesen hatte, erzählte sie als erstes ihren Eltern davon. Vor etwa einer Woche wurde dann offiziell bekannt gegeben, dass sie mit ihrem Blog eine von sechs Nominierten in der Kategorie „Bester Fanautor“ ist. Dann konnte Buhlert endlich das Schweigen brechen und ihren Freunden die Neuigkeit verkünden.

Romane, Filme und Kurzgeschichten werden unter anderem mit dem Hugo Award ausgezeichnet. Dabei stimmen die Fans für die Autoren ab und nominieren sie, eine Jury gebe es somit nicht. Pro Kategorie gibt es sechs Nominierte. In der Kategorie „Bester Fanautor“ sind das die Seckenhauserin, ein Amerikaner, ein Kanadier, zwei Briten und ein Ungar, der in den USA lebt. „Wir sind eine internationale Truppe. Früher war es sehr amerikanisch geprägt. Da hat sich viel getan.“ Die anderen Nominierten kenne Buhlert sogar persönlich. „Es ist nicht viel Konkurrenz da, weil man es jedem gönnt“, sagt sie. Der Preis? „Eine 4,5 Kilo schwere Rakete. Die wird aber per Post geschickt.“

Anfang der 2000er hat die 46-Jährige, die als selbstständige Übersetzerin arbeitet, mit dem Bloggen angefangen. Als sie dann Anglistik an der Bremer Uni studierte, pausierte sie für ein paar Jahre. „Dann habe ich aber wieder mit meinem Blog angefangen.“ Auf ihrer Plattform rezensiert sie Bücher, Filme und Geschichten. Buhnert hat auch schon zwei Romane, Krimis und um die 200 Kurzgeschichten geschrieben, überwiegend auf Englisch.

Mit 15 oder 16 Jahren hatte sie den Gedanken: „Ich will gern einen Roman schreiben.“ Aus ihrer Idee seien etwa vier Kapitel entstanden. „Ich habe schon immer gern Science-Fiction gelesen.“ Was sie daran fasziniert? „The Sense of wonder“, antwortet sie. „Das Universum ist einfach riesig. Es geht um dieses Wunder, das ich mir vorher nicht vorgestellt habe.“ Als sie als Teenagerin diese Romane las, war sie von den Ideen und Geschichten beeindruckt. „Die Idee der Zeitreise war so faszinierend. Ich dachte mir: ,Wie cool ist das denn?‘“ Aber auch die Genres Fantasy und Horror zählen teilweise zur Science-Fiction. „Die Grenzen sind fließend“, erklärt Buhlert. Sogar Joanne K. Rowling, die Schöpferin der Harry-Potter-Reihe, hat schon mal diesen Preis mit ihrem Roman „Harry Potter und der Feuerkelch“ gewonnen.

„Als ich fünf Jahre alt war, kam der erste Star-Wars-Film raus. Überall gab es das passende Spielzeug dazu und das sah so cool aus. Ich fand auch die Frisur von Prinzessin Leia so toll, die wollte ich immer haben“, erinnert sie sich und lacht. „Dann lief auch Star Trek im Fernsehen. Ich fand das alles ganz faszinierend. Und überall gab es Perry-Rhodan-Hefte, die sogar taschengeldfreundlich waren. Und dann stellte ich fest, dass es ja sogar richtige Bücher davon gibt.“ Die ersten Science-Fiction Bücher habe sie dann im Teenager-Alter auf Englisch gelesen, weil viele noch gar nicht übersetzt waren. Ihr erster Roman sei Star Wars gewesen. „Anfangs war es kompliziert. Ich habe mir dann zum Geburtstag ein dickes Wörterbuch schenken lassen.“ Nach und nach sei es einfacher geworden. Mittlerweile schreibt sie fast ausschließlich auf Englisch. „Ich habe schon immer gerne geschrieben.“ Ideen habe sie schon immer gehabt. „Das ist nie das Problem gewesen.“ Sie habe viel Fantasie, wie sie sagt.

Aktuell schreibt sie an ihrer Science-Fiction-Serie „In Love and War“. „Es geht um zwei galaktische Reiche, die beide nicht so demokratisch sind und seit Jahrzehnten Kriege miteinander führen. Ein Mann und eine Frau dieser verfeindeten Reiche verlieben sich ineinander und werden gejagt“, erzählt Buhlert. Rund 1 000 Science-Fiction-Romane habe sie insgesamt. Ihre Lektüre besteht etwa aus 80 Prozent Science-Fiction, so Buhlert.

Nebenbei schreibt die Seckenhauserin auch noch Artikel für den Blog „Galactic Journey“. Das Besondere an dem Blog: „Alles liegt 55 Jahre zurück. Der Clou dabei ist, dass es alles alte Texte sind, über die wir schreiben und die wir rezensieren.“ 2019 durfte sie für den Blog als offizielle Vertretung beim Hugo Award in Dublin teilnehmen. „Ich saß relativ weit vorne, neben einer Nasa-Astronautin. Das war der Wahnsinn“, schildert sie. In dem Jahr hatte sie den zehnten Platz der Nominierungen belegt. „Ich hätte niemals gedacht, dass ich in diesem Jahr unter die Top 6 komme.“

In diesem Jahr sollte die Verleihung Anfang August in Neuseelands Hauptstadt Wellington stattfinden. Da wäre sie sonst gar nicht hingefahren. „Das ist eine große Sache, wie eine Mini-Oscar-Verleihung. Die Frauen tragen alle lange Abendkleider, die Männer Anzüge und Fracks. Die Gala dauert etwa zwei Stunden und zwischendurch spielt ein Orchester mit Gesang. Die Preise werden verliehen und man darf dann eine kurze Rede halten“, schwärmt sie. Aber leider hat Corona auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Gala muss virtuell vor dem Bildschirm stattfinden. „Das ist schon echt blöd.“ In diesem Jahr sollte sogar der Schriftsteller der „Game of Thrones“-Schöpfer George R. R. Martin den Abend moderieren und dem Gewinner die Auszeichnung überreichen.

Da gibt es übrigens noch eine witzige Anekdote zu: „George R. R. Martin organisiert immer die After-Show-Partys. Einmal haben er und ein Freund von ihm keine Auszeichnung erhalten. Dann haben sie sich im Hotelzimmer so betrunken und irgendwann kamen immer mehr Leute dazu. So wurde es ,Hugo-Verlierer-Party‘ genannt.“ Buhlert ist ihm schon einmal auf einer solchen Veranstaltung begegnet. „Da unterhielt er sich gerade mit Freunden von mir.“ Zu einem Gespräch sei es leider nicht gekommen. „Game of Thrones“ findet sie super, aber „Mein Lieblings Martin Werk ist nicht ,Game of Thrones‘. Mein Lieblingsbuch von ihm ist ,Fevre Dream‘“, sagt sie.

Ein wenig aufgeregt sei sie sogar schon. Falls sie gewinnen sollte, „würde ich mich natürlich sehr darüber freuen“. Dann fehle nur noch ein passender Platz für die Auszeichnung, aber der würde sich bestimmt finden.

Link zum Blog

www.corabuhlert.com

Worldcon und Hugo Award:

. Die Worldcon ist eine Versammlung der Science-Fiction-Szene. „Die gibt es seit 1939. Sie findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt“, erklärt Cora Buhlert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Worldcon jedoch unterbrochen und erst 1946 wieder veranstaltet.

. Der Hugo Award ist ein Science-Fiction-Preis und wird seit dem Jahr 1953 auf der Worldcon verliehen. Die Fans nominieren die Autoren. Der Begriff geht auf den Autor Hugo Gernsback zurück. Im Jahr 1926 gab er die Zeitschrift „Amazing Stories“ heraus. Damit gilt Hugo Gernsback als Begründer des Genres der Science-Fiction-Literatur.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

„Wer ist diese Mannschaft, die da gegen Gladbach spielt?“ Netzreaktionen zu #SVWBMG

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Italiens Topattraktionen öffnen wieder

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Leipzig schwächelt im Titelkampf - Nächster Schalke-Dämpfer

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Food-Trip: Diese Schwarzwaldmädels gehen ihren eigenen Weg

Meistgelesene Artikel

Motorradunfälle in Okel: Zwei Männer schwer verletzt

Motorradunfälle in Okel: Zwei Männer schwer verletzt

Tödlicher Zusammenstoß mit Motorrad: Radfahrerin stirbt auf der B61 bei Sulingen

Tödlicher Zusammenstoß mit Motorrad: Radfahrerin stirbt auf der B61 bei Sulingen

Brände im Moor und Wald: Diepholzer Feuerwehren mit Quads im Einsatz

Brände im Moor und Wald: Diepholzer Feuerwehren mit Quads im Einsatz

Vandalismus am Hohen Berg: Unbekannte fällen zukünftigen Kletterbaum

Vandalismus am Hohen Berg: Unbekannte fällen zukünftigen Kletterbaum

Kommentare