Kulturverein Granatapfel löst sich elf Jahre nach seiner Gründung auf

Eine Art Corona-Opfer

Viel auf die Beine gestellt hat der Verein Granatapfel in den vergangenen elf Jahren: zum Beispiel den Bau eines Insektenhotels im Garten eines Seniorenheims oder einen Ausflug in den Tierpark für Jung und Alt.
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Viel auf die Beine gestellt hat der Verein Granatapfel in den vergangenen elf Jahren: zum Beispiel den Bau eines Insektenhotels im Garten eines Seniorenheims oder einen Ausflug in den Tierpark für Jung und Alt.

Stuhr – Das kulturelle Leben in der Gemeinde Stuhr verliert ein wichtiges Standbein. Der Verein Granatapfel, der Vorträge, Konzerte, Bildungsreisen und Programme für Kinder sowie Senioren auf die Beine gestellt hat, löst sich genau elf Jahre nach seiner Gründung auf. Davon betroffen ist sein Schwesterverein Fikus, der sich auf Tanz und Musik spezialisiert hatte. Dies teilte am Montag die Mit-Initiatorin und erste Vorsitzende des Vereins Granatapfel, Katja Schauland, mit. Als Hauptgrund nennt sie die Folgen der Corona-Krise. Hinzu kommt, dass es die Vorsitzende aus beruflichen Gründen nach Schleswig-Holstein verschlagen hat und sie nur noch selten in Stuhr weilt. „Kultur zu Corona-Zeiten ist nahezu unmöglich geworden“, sagt Schauland. „Zudem, wenn die Hauptakteure in gesellschaftlich relevanten Berufen arbeiten und sich dem kulturellen Leben eines Vereins nur ehrenamtlich widmen.“ Beides in Zeiten der Pandemie unter einen Hut zu bringen, stelle die Akteure des Kulturvereins Granatapfel vor große Herausforderungen, die nicht zu bewältigen seien. Auch die Personaldecke sei in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Von einst rund 70 Mitstreitererinnen und Mitstreitern seien am Schluss nur noch zehn übrig geblieben, berichtet Schauland.

Der Schwerpunkt des Kulturvereins Granatapfel lag in generationsübergreifenden Projekten mit Senioren und Kindern. Die Noch-Vorsitzende erinnert an die Ferienprogramme für die kleinsten Stuhrer. Großen Stellenwert nahm auch die kulturelle Arbeit mit Senioren ein – angefangen beim Rollatoren-Tanz im Seniorenheim bis hin zu Kulturreisen, die auf ein betagteres Publikum zugeschnitten waren. „Zum Beispiel nach Schwerin oder nach Frankfurt an der Oder“, blickt Schauland zurück. Das Besondere: Auch Menschen, die nicht mehr so mobil sind oder sich eigentlich keine längeren Reisen mehr zutrauen, konnten mitfahren und ein abwechslungsreiches, aber nicht zu anstrengendes Programm genießen. Gern denkt Schauland an internationale Treffen mit Teilnehmern aus Polen und Tschechien zurück.

Durch die Corona-Krise konnte der Verein Granatapfel in diesem Jahr kaum mehr ein Programm organisieren: „Doch ohne Projekte gibt es keine Fördermittel und keine finanziellen Einnahmen“, verdeutlicht die Vorsitzende. Hinzu komme ihre neue berufliche Aufgabe außerhalb von Stuhr. Dadurch fehle ihr die Zeit, den Verein aus der Corona-Krise wieder herauszuführen. „Leider fand sich kein Nachfolger für den Vereinsvorsitz“, berichtet Schauland. „Daher beschloss die Mitgliederversammlung das Ende des Vereins Granatapfel.“

Davon betroffen, aus fast den gleichen Gründen, sei der Schwesterverein Fikus, der sich auf Tanz und Musik befasste. Die Trainingsräume des Vereins befanden sich bis März in einem Seniorenheim, wegen Corona standen die dann nicht mehr zur Verfügung. „Ohne Trainingszeiten keine Einnahmen, und ohne Einnahmen ist ein Verein nicht überlebensfähig“, sagt Katja Schauland. Die Stuhrerin war bei Fikus ebenfalls die Vorsitzende, auch dort habe sich keine Nachfolge gefunden.  

Von Burkhard Peters

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