Kreidezähne bei Kindern

Mysteriöse Zahnkrankheit auf dem Vormarsch: Stuhr nimmt Sonderrolle ein

Eine geöffnete Mundhöhle mit gelblich verfärbten Zähnen.
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Kreidezähne werden meist im Kindesalter entdeckt.

Stuhr – Sie sind gelblich verfärbt, instabil, durch ihre raue Oberfläche Schmutzfänger und noch dazu meist extrem schmerzempfindlich. Kreidezähne sind eine ernst zu nehmende Krankheit bei Kindern, über die bislang wenig bekannt ist. Sie zu verhindern, ist in der Regel schwierig, denn: Die Kreidezähne sind oft schon da, bevor diese überhaupt als bleibende Zähne sichtbar sind.

Während an den genauen Ursachen der Erkrankung noch geforscht wird, schlagen Experten bereits Alarm und sagen: Die Anzahl der Kinder mit Kreidezähnen nimmt immer weiter zu. Eine Umfrage in einigen Stuhrer Zahnarztpraxen zeigt indes: Nicht alle registrieren eine Zunahme der Fälle.

„Ich habe nicht den Eindruck, dass es mehr geworden ist“, sagt die Zahnärztin Dr. Lizhu Zhi aus Brinkum. Über genaue Zahlen, wie viele Kreidezähne sie bei ihren jungen Patienten diagnostiziert hat, verfüge sie nicht. Wenn sie sich allerdings festlegen müsse, wäre sie eher bei einem Fall im Jahr als bei einem in der Woche.

Wenn sie die Erkrankung entdecke, dann häufig bei Kindern im Alter von sechs bis sieben Jahren und meist an den Schneidezähnen, so Zhi. Die Zähne seien dann oft verfärbt und hätten gelbliche Flecken. Außerdem seien sie substanziell nicht sonderlich fest und nicht gut gereift. Zudem sind die Zähne oft sehr schmerzempfindlich, so die Zahnärztin.

Trotzdem rückt Lizhu Zhi bei einem Kreidezahn-Fall nicht gleich mit dem großen Operationsbesteck an. Man sollte die jungen Patienten nicht verschrecken, sondern konservierend und symptombezogen arbeiten. Sprich: Kronen, Inlays und andere schwere Eingriffe sollten bei den meist bruchanfälligen Zähnen nur im Notfall zum Einsatz kommen. Eine Versiegelung der kleinen Fissuren im Zahn seien häufig schon ausreichend. Langfristig empfiehlt die Ärztin, auf eine weiche Zahnbürste umzusteigen und flouridhaltige Zahncreme zu verwenden.

Zu Maßnahmen der Vorbeugung lasse sich derzeit aufgrund des geringen Forschungsstandes noch wenig sagen. Zhi erklärt, dass einiges derzeit auf Einflüsse während der Schwangerschaft hindeute. Werdende Mütter sollten darauf achten, sich vor Infektionen zu schützen und Antibiotika zu vermeiden. Auch Weichmacher stünden im Verdacht, Kreidezähne zu begünstigen.

„Meiner Ansicht nach das Wichtigste: Alle halbe Jahr zum Zahnarzt“, sagt derweil Zahnärztin Dörte Janzen aus Brinkum. Die meisten Erkrankungen und Risikofaktoren würden im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt. Dem stimmt auch Wasim Bahra von der Zahnarztpraxis an der Wassermühle in Varrel zu. Vorsorgeuntersuchungen, eine gute Mundhygiene und eine gesunde Ernährung mit wenig Zucker seien eine gute Voraussetzung für gesunde Zähne, betonen beide Ärzte unisono.

Johanna Maria Kant, Kinderzahnärztin in Oldenburg und Vorsitzende des Bundesverbands der Kinderzahnärzte.

Was sind Kreidezähne?

Kreidezähne, auch MIH genannt (Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation), sind eine Zahnhartsubstanzfehlbildung, die vor allem an Schneidezähnen und den ersten bleibenden Backenzähnen beobachtet wird. Auch Milchzähne können bereits betroffen sein. Das erklärt Johanna Maria Kant, Kinderzahnärztin in Oldenburg und Vorsitzende des Bundesverbands der Kinderzahnärzte.

Sie erläutert: „Kreidezähne entstehen durch einen Fehler während der Entwicklung des Zahns im Kiefer. Die ersten bleibenden Backenzähne entstehen schon in den ersten Lebensmonaten, die Schneidezähne ein wenig später.“ Daher gehe die Forschung aktuell davon aus, dass die Ursachen für Kreidezähne bereits in den ersten Lebensmonaten zu suchen sind. Was genau die Krankheit begünstige, sei jedoch noch unklar.

Über die Verbreitung der Krankheit sagt die Ärztin: „Vor zehn bis fünfzehn Jahren ist man noch von etwa sechs Prozent von MIH betroffenen Kindern ausgegangen. Inzwischen hat man weltweit festgestellt, dass immer mehr Kinder betroffen sind. In manchen Ländern geht man heute sogar von etwa 40 Prozent der Kinder aus.“ Bei Erwachsenen können Kreidezähne übrigens nicht entstehen. „Ein gesunder Zahn verwandelt sich nicht in einen Kreidezahn“, betont Kant.

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