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Ein Bad für alle Stuhrer am Schützenplatz in Brinkum

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Von: Andreas Hapke

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Der Schützenplatz an der Bassumer Straße aus der Vogelperspektive.
Auf der Grünfläche an der Bassumer Straße (im Bild links) soll laut Ausschuss das Hallenbad entstehen. © Rainer Jysch

Der Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur hat sich für den Schützenplatz an der Bassumer Straße als Standort für das Hallenbad ausgesprochen. Die Politiker sehen dort eine bessere Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr. Schüler zweier Schulen können das Bad fußläufig erreichen.

Brinkum – Über den Standort für das Hallenbad in Brinkum ist am Donnerstagabend eine Vorentscheidung gefallen. Der Ausschuss für Jugend, Freizeit und Kultur sprach sich mehrheitlich für den Schützenplatz an der Bassumer Straße aus. Außerdem soll das Bad eine Ausstattung bekommen, die Besuchern jeden Alters gerecht wird – also auch mit Wärmebecken für Babyschwimmen und Rheuma-Liga.

Zuvor hatte Fachbereichsleiterin Kerstin Frohburg die Ergebnisse des Gutachtens vorgestellt, mit dem die Verwaltung die Firmen Profund Consult Constrata Ingenieurgesellschaft beauftragt hatte. Unterm Strich halten die Experten die Fläche an der Bassumer Straße für geeigneter als die am Brunnenweg.

Der Standort sei für Schüler der Grundschule und der KGS fußläufig zu erreichen und über die Straßenbahn besser an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Das Bad würde auch nicht die Erweiterung von Sportstätten am Brunnenweg behindern. Den Standort Brunnenweg sieht das Gutachten nur wegen seiner Siedlungsrandlage und der Nähe zum Blockheizkraftweg (BHKW) im Vorteil.

Vier Szenarien für die Ausstattung

Beide Flächen seien groß genug, sagte Frohburg. In beiden Fällen müsse der Bebauungsplan geändert werden. Eine Analyse darüber, inwieweit die Linie 8 für den Besuch genutzt werde, oder das Auto oder das Rad, gebe es (noch) nicht.

Nach Antrag des „Besser“-Fraktionsvorsitzenden Gerd W. Bode stimmte der Ausschuss separat über Standort und Produktvarianten ab. Acht Politiker waren für den Schützenplatz, fünf dagegen.

Was die Ausstattung des Bads angeht, standen vier Szenarien zu Auswahl: von der Grundvariante S mit sechs 25-Meter-Bahnen, einem Sprungturm und einem Kursbecken über die Szenarien M1 und M2, die zusätzlich einen Eltern-Kind-Bereich, Gastronomie sowie eine Liegewiese und eine zu öffnende Fassade beinhalten, bis zur Variante L, die auch mit einer Textilsauna aufwartet. Gegenüber Variante M1 verfügt M2 noch über ein 50 m² großes Wärmebecken mit Sprudeldüsen innen, während zu L ein ganzjährig nutzbares Außenbecken mit 150 bis 200 m² gehört. Neun Politiker wünschten sich die Ausführung M2. Die CDU drang mit ihrem Antrag auf Variante S nicht durch. Sie hatte sich auch für den Brunnenweg als Standort ausgesprochen.

Die Investitionskosten für M2 liegen zwischen 19 und 22,8 Millionen Euro. Laut Expertise ist es das Szenario mit dem besten Kostendeckungsgrad: 40,7 Prozent der Ausgaben könnten durch Einnahmen gedeckt werden. Hinzu kommen allerdings 445 000 Euro für die Trasse zum vorhandenen BHKW an der KGS. 90 000 Euro wären es am Standort am Brunnenweg.

Alternativer Platz für Veranstaltungen gesucht

Diese Mehrausgaben ließen Frithjof Troue, den Vorsitzenden des Schützenvereins Brinkum, am von der Gemeinde favorisierten Standort Bassumer Straße zweifeln. Für den dortigen Festplatz müsse eine Alternative her – nicht nur für das alljährliche Schützenfest. „Da finden auch andere Veranstaltungen statt.“ Für einen Umzug der Aktivitäten an den Brunnenweg hätte Troue kein Verständnis: „Das würde ja auch einer Erweiterung von Sportstättten dort im Weg stehen.“

Bode fand die Argumente für den Schützenplatz „erschummelt“. Ein zwei Minuten längerer Fußweg für die Grundschüler zum Brunnenweg halte er nicht für abwägungsrelevant, und eine bessere Sportstättenentwicklung als ein Bad am Brunnenweg könne er sich nicht vorstellen. Zudem sei die Bushaltestelle an der Bassumer Straße keine 600 Meter entfernt. Diese Distanz hatte Frohburg als Obergrenze für die Akzeptanz des ÖPNV angeführt.

Laut Bürgermeister Stephan Korte sieht sich die Gemeinde in der Pflicht, für einen alternativen Festplatz zu sorgen. Am Brunnenweg müsse nicht die komplette Fläche für zusätzliche Sportstätten vorgehalten werden. Insbesondere der ÖPNV spreche für den Schützenplatz. „Es wäre ein Anachronismus, wo wir uns als Stuhr aufmachen, etwas für den Klimaschutz zu tun, wenn wir das außer Acht ließen. Wir werden auch an einer Lösung für die Energieversorgung arbeiten“, sagte Korte und nannte Erdwärme und Photovoltaik als Alternativen zum BHKW.

Ein Plädoyer für M2 an der Bassumer Straße hielt die Grünen-Ratsfrau Buttelmann. 600 Schwimmstunden für Grundschüler und 840 für die weiterführenden Schulen seien damit ebenso möglich wie Kapazitäten für Sportvereine, die DLRG, Reha-Sport, Rheuma-Liga und Babyschwimmen. Kurz: Es sei ein Bad für alle Stuhrer. „Verschlossen wird das Paket mit einer festen Schnur: dem Streckennetz des ÖPNV.“

CDU wünscht abgespecktere Variante

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Carapinha Hesse sieht für den Schützenplatz wegen der guten Erreichbarkeit auch die größte Akzeptanz. Gudrun Klomburg (SPD) legte Wert darauf, dass die Grundschüler das Bad fußläufig erreichen „und wir dafür nicht wieder einen Bus einsetzen müssen“. Besucher aus Weyhe kämen mit der Bahn gut dorthin. „Es ist unser Anspruch, Weyhe mitzuversorgen.“

Auch die CDU halte das Bad zur Daseinsvorsorge und für die Schwimmfähigkeit des Nachwuchses für wichtig, betonte Dragan Miletkovic. „Aber wir wollen verantwortungsvoll mit öffentlichen Geldern umgehen.“ Die Verwaltung habe Mehrwertsteuer, Betreiber und Betriebskonzept nicht konkretisiert. „Wer würde Investitionsentscheidungen auf dieser Grundlage treffen?“, fragte Miletkovic in die virtuelle Runde. „Wissen wir überhaupt, welche Schwimmzeiten wir brauchen? Wir reden über 22 Millionen Euro“, fügte CDU-Kollege Daniel Biermann hinzu.

Die Fraktion begründete ihren Antrag auf die vier bis fünf Millionen Euro günstigere Variante S auch damit, das gegenüber M2 gesparte Geld lieber in den Bau von Kitas, die Digitalisierung der Schulen und Radwege zu investieren. Miletkovic: „Nicht das schönste Hallenbad, das schönste Grundkonzept für die Gemeinde ist wichtig“.

Carapinha Hesse nannte das Ausspielen des Bades gegen Kita-Neubauten „unseriös.“ Er wunderte sich außerdem über den Vorschlag Variante S, denn mehr als das für M2 kritisierte „Zahlenwerk“ gebe es auch dafür nicht. Korte erklärte, dass das Betriebskonzept von Fakten abhänge, „die allen Ratsmitgliedern klar sind, über die wir aber nicht in der Öffentlichkeit reden können“.

Von Andreas Hapke

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