Kitas sind seit einer Woche im eingeschränkten Regelbetrieb

Ein Angebot (fast) wie vor Corona

Es ist wieder leben in der Bude: eine Garderobe der Kita Moordeich. 
Foto: Andreas hapke
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Es ist wieder leben in der Bude: eine Garderobe der Kita Moordeich. Foto: Andreas hapke
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Stuhr – Seit einer Woche läuft in den Kindertagesstätten der Gemeinde Stuhr der eingeschränkte Regelbetrieb. Nach 14-wöchiger Schließung der Einrichtungen durften also alle Kinder wiederkommen, was nach Auskunft der zuständigen Fachdienstleiterin Ann-Kathrin Dannemann für einige Eltern auch bitter notwendig war. „Je länger die Schließung dauerte, desto mehr lagen die Nerven blank“, sagt sie.

Nicht nur in den Kitas, sondern auch bei ihr seien Anrufe von Eltern aufgelaufen, die aus dem Homeoffice in die Firma zurückkehren mussten, finanzielle Probleme bekamen oder von Kündigung bedroht waren. „Andere waren total verunsichert und haben gefragt, ob sie ihr Kind jetzt tatsächlich wieder in die Kita bringen dürfen.“

Gruppen bleiben unter sich

Eingeschränkter Regelbetrieb heißt: Kinder kehren aus der Notbetreuung oder ihrem Zuhause wieder in ihre Stammgruppen zurück. Dabei dürfen sich Sprösslinge unterschiedlicher Gruppen nicht begegnen – nicht auf dem Spielplatz, nicht beim Mittagessen, nicht beim Früh- oder Spätdienst. Sie dürfen sich auch nicht auf dem Flur zu nahe kommen.

Wegen der räumlichen Gegebenheiten oder der personellen Situation gelingt der eingeschränkte Betrieb nicht in allen Kitas gleich gut. In der einen Einrichtung fehlen womöglich mehr Erzieherinnen, die zur Risikogruppe zählen; in der anderen Einrichtung erschwert die Raumaufteilung das Bestreben, sich aus dem Weg zu gehen. „Dann muss man umso mehr schauen, wie man das bewerkstelligt, zum Beispiel einzelne Gruppen in Kleingruppen über den Flur schicken.“ Das Kommunizieren von Abhol- und Bringzeiten entspanne die Lage ebenfalls.

Trotz Einschränkungen: „Wir halten in fast allen Kitas das Angebot vor, das wir vor Corona hatten“, stellt Dannemann fest. Ausnahme: „In vielen Einrichtungen kann der Frühdienst leider nicht oder nur eingeschränkt, also ab 7.30 Uhr, angeboten werden.“ Ähnlich sehe es beim Spätdienst aus. Teilweise seien keine oder nur tageweise Angebote möglich. „Diese Einschränkungen begründen sich vorrangig durch die nicht erlaubte Durchmischung der Gruppen.“

Umstellung gut gelungen

In Moordeich ist die Umstellung auf die neue Verordnung gut gelungen. Die Einrichtung war bereits vorher dazu übergegangen, sich in den angestammten Gruppen um den Nachwuchs zu kümmern. Laut Leiterin Claudia Fritsche war das noch während der Notbetreuung Ende Mai der Fall – „als wir angehalten waren, die Kinder mit Förderbedarf und die Vorschulkinder aufzunehmen. Die Eltern konnten früh wieder in Anspruch nehmen, was wir ihnen zugesagt hatten.“ Anfangs habe es eine große Verunsicherung aufseiten der Erzieherinnen gegeben – etwa darüber, wie viel Nähe man zulässt. „Doch klar war immer: Wenn ein Kind weint, dann nehmen wir es auch auf den Schoß.“

Laut Fritsche ist ihre Einrichtung in einer komfortablen Situation: „Wir haben die Räume dafür. Große Flure, mehrere Eingänge, sodass sich die Kinder nicht oder nur mit Abstand begegnen. Wir haben eine gute Durchlüftung. Und wir haben keine einzige Erzieherin, die zur Risikogruppe zählt.“

Darüber hinaus seien die Gruppen für den Spielplatzbesuch eingeteilt, „damit jedes Kind mal auf die Schaukel kann.“ Nur im Frühdienst könnten sich theoretisch Sprösslinge aus unterschiedlichen Gruppen treffen. Doch über Dienstverschiebungen sei gewährleistet, dass auch diese Betreuung nach Gruppenzugehörigkeit erfolgt. Dass noch nicht alle Kinder zurück sind, liege an der Verunsicherung einiger Eltern. „Es gibt einige, die sich noch scheuen, ihr Kind zu bringen.“

Wie geht es Ende August weiter?

Die aktuelle Verordnung gilt bis zum 5. Juli. „Wir rechnen aber nicht damit, dass dann feststeht, wie es bis Ende August weitergeht“, sagt Dannemann. Dann gehen in Niedersachsen die Sommerferien zu Ende, und das neue Kindergartenjahr beginnt. „Trotzdem bereiten wir uns zurzeit so darauf vor, als wäre der Normalbetrieb wieder möglich.“

Völlig unklar ist laut Dannemann auch, wann die zur Risikogruppe zählenden Erzieherinnen wieder zurückkehren können. „Das hängt maßgeblich von der Art der Vorerkrankung ab. Wir gehen aber davon aus, dass sie noch länger ausfallen.“ Insgesamt fehle derzeit aber nur „eine sehr geringe Anzahl an Kräften aus gesundheitlichen Gründen“.

Schwieriger Arbeitsmarkt

Über einen – zeitlich begrenzten – Ersatz denkt das Rathaus nicht nach. „Gegebenenfalls müssen wir dann das Betreuungsangebot anpassen“, sagt Dannemann. Ohnehin hat die Kommune mit Vakanzen in der einen oder anderen Einrichtung zu kämpfen. Allein in Moordeich sind laut Fritsche drei Vollzeitstellen nicht besetzt. Der schwierige Arbeitsmarkt habe sich durch Corona nicht verändert, sagt Dannemann.

Sowohl sie als auch Fritsche hoffen, dass die Kitas gut durch die kältere Jahreszeit kommen. Sprich: dass es keinen positiven Corona-Befund gibt. „Wenn doch, wird es vom Gesundheitsamt abhängen, ob wir eine Gruppe oder die komplette Kita schließen müssen“, so Dannemann. Fritsche zieht den Kreis noch größer: „Wenn unsere Einrichtung schließt, ist wegen der Geschwisterkinder auch die Grundschule zu.“

„Husten und Schnupfen haben die in der Zeit alle“

Die Leiterin gibt zu bedenken, dass „bei der Kälte die gute Durchlüftung nicht mehr funktioniert. Und wer weiß, was die Leute aus dem Urlaub mitbringen.“ Dann wäre da noch die Frage, wie man mit kränkelnden Kindern umgeht. „Husten und Schnupfen haben die in der Zeit alle“, stellt Fritsche fest. Erste Berichte über Kinder, die aufgrund einer „Schnoddernase“ von Einrichtungen abgewiesen wurden, gab es bereits. Fritsche: „Zurzeit bitten wir die Eltern, bei massiven Symptomen mit uns Kontakt aufzunehmen.“

Von Andreas Hapke

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