Fahrenhorster Schützenvorstand seit 2005

Ehrenamt wirkt für Christian Seevers als „Unkrautsamen“

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Christian Seevers mit zwei seiner selbst gebauten Holzgewehre und einer von 80 grün-weißen Fahnen, die bei besonderen Anlässen im Dorf gehisst werden.

Fahrenhorst - Von Andreas Hapke. Auf dem Foto zum 100-jährigen Bestehen des Schützenvereins Fahrenhorst im Jahr 2003 ist Christian Seevers nicht zu übersehen. Der Mann trägt die Königskette und steht damit im Mittelpunkt des Geschehens. Majestät zum Jahrhundertjubiläum – das wäre nur zu toppen, wäre Seevers auch damals schon Vorsitzender des Vereins gewesen. Doch vom „Vize“ zum Chef stieg er erst 2005 auf.

Christian Seevers ist über den Papa ans Schützenwesen gekommen. Der war seinerzeit Fahnenträger beim Schützenverein Okel, woraufhin sich Seevers junior eine eigene Fahne bastelte und seinem Vater damit am Ende des Zugs nacheiferte. „Damit war der Unkrautsamen gesetzt, was meine Affinität zu Schützenvereinen angeht“, sagt Seevers. Unkrautsamen? „Naja, Ehrenamt kann wie Unkraut wirken, die eine oder andere Minute muss man schließlich dafür opfern. Aber es macht auch viel Spaß.“

Während seiner zwölfjährigen Bundeswehrzeit gelangte Seevers vorübergehend zu der Ansicht, er müsse nicht zusätzlich auch Mitglied eines Schützenvereins sein. Doch das sollte sich mit seinem Umzug nach Fahrenhorst im Jahr 1983 ändern. „Wenn ich aufs Dorf ziehe, teilhaben und morgens gegrüßt werden möchte, dann muss ich mich in die Dorfgemeinschaft reinhauen. Egal ob bei den Taubenzüchtern, dem Skatclub oder der Feuerwehr.“ Oder beim Schützenverein, der heute mit seinen rund 270 Mitgliedern der größte Klub in Fahrenhorst ist. Die Anerkennung der Bevölkerung sei den Grünröcken gewiss, sagt der 63-Jährige. „Wir machen das meiste für den Ort.“ Von der Tannbaumsammlung der Jugendlichen über das Osterfeuer und das Doppelkopfturnier bis hin zu Flohmarkt und Schützenfest, letzteres „seit zehn Jahren mit DJ“, betont Seevers. Als wichtig erachtet er, dass 38 Mitglieder unter 21 Jahren sind. „Bei uns lernt der Nachwuchs, dass eine Waffe kein Spielzeug ist“, sagt Seevers, dessen Söhne im Alter von zwei Tagen eingetreten sind.

„Man muss schon bekloppt sein“

Der „Unkrautsamen“ sei 1986 herausgekommen, als es darum ging, den Schützenkönig und Nachbarn Kurt Becker zu würdigen. Seevers kam auf die Idee, die Stämme von 25 ohnehin fälligen Kiefern weiß zu streichen und sie – beflaggt mit grün-weißen Fahnen – an der Straße aufzustellen. Inzwischen gibt es 80 dieser Fahnen, die zu besonderen Anlässen das ganze Dorf schmücken.

Das Anfertigen von Holzgewehren für das Jubiläumsschützenfest – „damit die erste Rotte beim Antreten eine Waffe hatte“ – geht ebenfalls auf Seevers zurück. Heute ist es in Fahrenhorst eine gute Tradition, bei Hochzeiten von Mitgliedern mit diesen Holzwaffen Spalier zu stehen, derweil die Frauen eine Rose in der Hand halten. An Ideen fehlt es dem Vorsitzenden nicht, getreu seinem Motto „Altes bewahren, Neues erfahren“.

Als seine Hauptaufgabe bezeichnet es Seevers, „den Laden zusammenzuhalten. Außerdem ist man häufig eine Art Feuerwehr. Wenn eine schnelle Entscheidung her muss, dann muss jemand da sein, der sagt: ,Das machen wir jetzt so.’“ Das sei er aus seiner Zeit bei der Bundeswehr gewohnt.

Auch als Gästeführer und Reisefan bekannt

Viele im Ort kennen Seevers auch wegen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Gästeführer und seines zweiten Hobbys: das Reisen, nicht selten mit einem seiner fünf Trecker plus Bauwagen. Seevers spricht von seinem „sieben Quadratmeter großen Eigenheim“. Während er mit seiner Frau Elke höchstens mal eine Woche im Jahr unterwegs ist – „sie hat wenig für Urlaube übrig“ – reist Seevers gerne und ausgiebig. Früher saßen noch seine Söhne auf den Kotflügeln, als es zum Beispiel in die Lüneburger Heide oder nach Amsterdam ging. Den Höhepunkt seiner diversen Langstreckenfahrten absolvierte er im vergangenen Jahr allerdings alleine. Per Trecker knatterte er ein halbes Jahr durch Deutschland. „Da muss man bekloppt sein, das erleichtert die Sache“, sagt er. Zum Schützenfest in Fahrenhorst allerdings legte er eine Pause ein. Er ließ den Trecker in Kempten (Allgäu) stehen und kam mit dem Zug angereist. Auch dazu muss man wohl bekloppt sein.

Nach der laufenden Amtsperiode 2020 würde Seevers den Vorsitz gerne in jüngere Hände geben, sollte sich jemand dafür finden. „Aber was mache ich dann?“, fragt er sich selbst. „Etwas fehlen würde mir schon. Doch ich würde mich zurückziehen, um meinem Nachfolger den Weg zu ebnen.“

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