Edgar Wöltje, das Gesicht von „Stuhr Kultur“, geht in den Ruhestand

Mit Volldampf bis zum letzten Arbeitstag

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Edgar Wöltje hört als Fachdienstleiter für Kultur und Städtepartnerschaften auf.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Zu behaupten, die Kulturarbeit in Stuhr sei eng verknüpft mit dem Namen Edgar Wöltje, wäre untertrieben. Seit mehr als 30 Jahren ist Wöltje ihr Gesicht – auch wenn er bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Team in den Vordergrund stellt. Nun müssen sich die Menschen an ein kulturelles Leben ohne ihn gewöhnen: Der 65-Jährige geht in den Ruhestand, am kommenden Mittwoch ist sein letzter Arbeitstag.

„Vergangene Woche war das noch kein Thema. Doch jetzt wird langsam die Zeit knapp, es gibt noch einiges zu erledigen“, sagt Wöltje. Damit meint er nicht nur die zwei Veranstaltungen am kommenden Wochenende. Die laufenden Geschäfte halten ihn ebenso auf Trab wie die Einarbeitung von Kollegin Andrea Wührmann, die seinen Job bis zur Rückkehr von Frauke Wulf für rund vier Monate übernimmt. „Arbeit bis zum letzten Tag. Ich übergebe einen aufgeräumten Schreibtisch.“

So sieht es nach eigener Auskunft auch in seinem Inneren aus. Wöltje ist mit sich im Reinen, seine persönliche Bilanz fällt positiv aus: Den Auftrag, die Kultur als identitätsstiftende Komponente zu etablieren, sieht er erfüllt. „Kultur wird in Stuhr gut angenommen. Das können wir mit Zahlen belegen.“ Auch mit anerkennenden Worten und positiven Reaktionen seitens der Besucher, denn zumeist habe er die Unterstützung des Publikums gespürt.

Wöltje hatte freie Hand, als er vor über 30 Jahren im Rathaus die erstmals ausgeschriebene Stelle für Kultur bekleidete, damals noch in Kombination mit dem Jugendressort. Die besonderen Umstände in der Kommune haben ihm dabei in die Karten gespielt: Sowohl die Politiker als auch der damalige Gemeindedirektor Hermann Rendigs haben in der Kultur die Möglichkeit gesehen, das Image Stuhrs aufzuwerten. Hinzu kam, dass unmittelbar nach Wöltjes Amtsantritt mit der Varreler Gutsscheune „ein wunderschöner Spielort“ eröffnete und wenig später auch der Ratssaal zu diesem Zweck zur Verfügung stand. „Ich konnte die ganze Breite der Kultur entwickeln. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt er rückblickend.

Wer ihn nach den Höhepunkten seines Schaffens befragt, erhält eine überraschende Antwort. Spontan nennt Wöltje nicht die großen Veranstaltungen, sondern spricht von dem „wunderbaren Glück“, in der Gemeinde zwei Bibliotheken gegründet, die Kunstschule aus der Taufe gehoben und die Künstlerstätte in Heiligenrode entwickelt zu haben. „Oft sind es die kleinen Dinge, die hängen bleiben.“ Gleichwohl erinnert er sich gerne an die Eröffnung der Gutsscheune mit Carmina Burana oder den Auftritt von Klaus Lage an selber Stelle. Auch wenn er sich mit Lage einen Traum erfüllt habe, habe er nie ein Programm für sich gemacht. Allen Bewohnern Kultur näherbringen, sie dazu inspirieren, selbst Kultur zu machen, so lautete seine Maxime. Abgesehen davon habe sich die Gemeinde eine nachfrageorientierte Kulturarbeit auf ihre Fahnen geschrieben. „Auch unser Ressort ist dem wirtschaftlichen Handeln unterlegen.“

Um die Zukunft von „Stuhr Kultur“ ist Wöltje nicht bange. Er sieht sie unabhängig von seiner Person gut aufgestellt. „Die Furchen, die die Kultur gelegt hat, sind tief. Sie wird sich immer den Anforderungen des Publikums stellen und einen hohen Stellenwert genießen.“ Wöltje bemüht den Vergleich mit einer Lawine, „die nicht aufzuhalten ist, wenn man sie erst einmal losgetreten hat“.

Seinem Abschied, den er bislang weit weggeschoben habe, blicke er ohne Wehmut entgegen. „Ich habe kein Problem loszulassen. Die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt überwiegt.“ Er wolle nun erst einmal ankommen zu Hause. Denn wegen seiner Präsenz bei Wochenendveranstaltungen habe er in der Vergangenheit nicht die Familie, sondern hauptsächlich die Kultur gepflegt. Insbesondere seine Frau habe oft auf ihn verzichten müssen. Mit ihr möchte er nun viel Zeit verbringen, ebenso mit der Enkeltochter. Und: „Man wird mich auch künftig mal in Stuhr sehen.“ Seine Kollegen mögen dies aber nicht als Bedrohung auffassen.

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