Gästeführung: Natur zum Abschluss / Spaziergang mit Jäger und Förster

Durch den Wald wie Robin Hood

Die Aufgaben eines Jägers im Wald erklärt Hayo Wilken (links), Jagdpächter aus Heiligenrode mit seinem Hund Coco, den Besuchern der Stuhrer Gästeführung.
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Die Aufgaben eines Jägers im Wald erklärt Hayo Wilken (links), Jagdpächter aus Heiligenrode mit seinem Hund Coco, den Besuchern der Stuhrer Gästeführung.

Stuhr – Mit einer informativen Gästeführung durch den Wald beim Warwer Sand ging am Samstag das diesjährige Programm der Stuhrer Gästeführer zu Ende. „Traditionell bildet ein naturverbundenes Thema den Jahresabschluss“, begrüßte Gästeführer Alexandre Peruzzo die 19 Teilnehmer, die sich am Treffpunkt bei der Klosterkirche in Heiligenrode mit Mundschutz und gebührendem Abstand versammelt hatten. Mit zwei Bussen ging es von dort zum Ziel nach Ristedt.

„Waldspaziergang mit dem Förster und dem Revierjäger“ lautete das aktuelle Thema, zu dem Peruzzo fachkundige Unterstützung eingeladen hatte: Hayo Wilken (52), Jagdpächter aus Heiligenrode mit seinem Sohn Moritz, Jagdscheininhaber und Schüler einer Fachoberschule Forstwirtschaft. Mit großem Fachwissen über den Zustand hiesiger Wälder konnte zudem Christian Krüger (22), Student der Forstwissenschaft, beitragen. Hayo Wilken hatte seinen Jagdhund Coco, einen Curly-Coated-Retriever-Rüden, mitgebracht. Ein Hund dieser Rasse soll auch schon den legendären Robin Hood bei seinen Streifzügen durch den Sherwood Forest begleitet haben, wie Wilken zu berichten wusste.

„Zum Jagen gehört nicht nur das ‚Beutemachen’, sondern auch das Hegen des Wildes, die Pflege und das Schützen des Bestandes sowie das Bewahren der Natur“, stellte Hayo Wilken klar. Seit 30 Jahren ist der 52-Jährige als Jäger tätig. Er erklärte den Unterschied zwischen Hoch- und Niederwild und erzählte von sogenannten „Neozoen“, eingewanderten Tieren wie Nutria und Nerz, die wohl aus Pelztierfarmen entwichen sind oder ausgesetzt wurden. Auch der mit dem Marder verwandte Waschbär zähle inzwischen zu dieser Gruppe. „Der Jäger wird zunehmend zum ‚Ungezieferbekämpfer’“, meinte Wilken.

Ein weiteres T"hema der Wald-Führung waren die Baumbestände. „Mit dem sandigen Boden kommt die Fichte gut klar. Beim Wachstum kennt sie nur eine Richtung: gerade nach oben“, erklärte Peruzzo, „während die Kiefer auch schon mal krumm wird.“ Der Klimawandel, die zunehmende Trockenheit und Wassermangel setze den Waldbäumen zu, so Christian Krüger. „Die anspruchslose Kiefer hat durch die Harzproduktion eine gute Abwehrfunktion gegen Borkenkäfer“, erklärte er. „Der Borkenkäfer geht normalerweise lieber auf totes Holz. Dass die lebenden Bäume durch Hitze und Wassermangel ziemlich gestresst sind, hat sich der Käfer zunutze gemacht.“ So könne durch den Schädling ein ganzer Waldhang absterben. Aber nicht nur die Nadelbäume haben ein Problem mit der Trockenheit, auch andere Baumarten sind betroffen. „Im Bundesvergleich können wir uns hier in der Region noch glücklich schätzen, was das Problem mit dem Borkenkäfer anbetrifft“, sagte Krüger. Teilweise werde versucht, die Fichte durch Douglasie und Buche zu ersetzen. „Unsere Wälder sind die besten Klimaschützer, denn die Bäume entziehen der Luft CO2 und binden den Kohlenstoff in Boden und Holz“, erklärte Peruzzo.

Die Bücher des Försters und Autors Peter Wohlleben hatten den Gästeführer begeistert und zu den Waldspaziergängen animiert. Durch Wiederholer habe sich bereits ein kleiner Fan-Club gebildet, deren Mitglieder die positive Wirkung eines Waldbesuches zu schätzen wissen. Zum Abschluss der gut zweistündigen Führung, trug Alexandre Peruzzo noch das Gedicht „Doktor Wald“ vor. „Nur Hausbesuche macht er nicht“, so das Fazit.

Von Rainer Jysch

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