„Tu doch endlich was“

Spielraumtheater feiert mit „Kein Platz mehr für dich“ Premiere

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Die Darsteller des Spielraumtheaters haben ihre Kabinen verlassen und greifen Themen wie Terroranschläge, die Ehe für Homosexuelle und rechte Parolen auf.

Seckenhausen - Von Maren Jensen. Ein leises Zischen erklingt, dann ein Schnaufen. Hinter dem schwarzen Vorhang des Spielraumtheaters in Seckenhausen sind die letzten Sprechübungen vor dem großen Auftritt zu hören. Am Freitagabend hat der Verein sein neues Stück „Kein Platz mehr für dich“ präsentiert. Rund 50 Zuschauer waren zur Premiere der sozialkritischen Produktion gekommen.

Auf der Bühne stehen sechs grau gestreifte Kabinen. Das Licht wird gedimmt, die letzten Laute im Publikum verstummen. Bevor die Besucher den wackelnden Reißverschluss an einer der Kabinen sehen können, ist es in dem Raum stockfinster. Das Publikum sitzt im Dunkeln. Ein Gefühl der Beklemmung entsteht. Einige Zuschauer husten, andere lachen unsicher. Die Dunkelheit hält an. Plötzlich setzt die Musik ein, eine dunkle Stimme erklingt. Aus den Kabinen leuchten Taschenlampen. Kleine, weiße Kreise werden immer größer und ziehen die Besucher in ihren Bann.

Schauspieler wollen zum Nachdenken anregen

Dann tritt Schauspieler Imran Rose aus seiner Kabine. Gemeinsam mit seinen fünf Bühnenkollegen greift er politische Themen auf. Es geht um Terroranschläge, die Ehe für Homosexuelle, um rechte Parolen. Nacheinander leuchten sich die Schauspieler mit ihren Taschenlampen unter das Gesicht und tragen die Sorgen und Ängste von Flüchtlingsgegnern, Schwulenfeindlichen und Sexisten vor. Zurückhaltend sind sie dabei nicht. Auf der Bühne wird geschrien, gekreischt und geschubst. „Wir sind das Volk“, ruft das Team im Chor, nachdem es über Flüchtlinge und Merkels Politik geschimpft hat.

Um die Stimmung zwischendurch aufzulockern, vermischen Rose & Co. ihre teils zuspitzenden Äußerungen immer wieder mit humorvollen Szenen. „Wir haben versucht, die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen“, sagt Schauspielerin Gesa Rüger. Die Regie des Stücks hatte Jessica de Vries übernommen. Inspirationen hatten ihr die täglichen Nachrichten geliefert.

Zuschauerin vom Tempo des Stücks beeindruckt

Das sechsköpfige Schauspielerteam – bestehend aus Conny Böttcher, Thore Kutschan, Imran Rose, Gesa Rüger, Nele Wagner und Falk Wiechers – probt einmal in der Woche. Anfang des Jahres war die Idee für „Kein Platz für dich“ entstanden. Damals, als Donald Trump seine ersten Reden als neuer US-Präsident geschwungen, das Parlament die Ehe für alle heiß diskutiert und der türkische Präsident Erdogan die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel wegen Terrorverdachts veranlasst hatte. „Diskurs“-Theater nennt Regisseurin de Vries die Aufführung deshalb. Es soll ein Werk zur öffentlichen Meinungsbildung sein. Aber auch eines, um an die Zivilcourage zu appellieren und die Mischung aus Wut, Hass und Angst vieler Menschen besser verstehen zu können.

Nach der Aufführung fordern die Zuschauer eine Zugabe. De Vries ist erleichtert. „Ich war wirklich sehr aufgeregt“, erzählt die 28-Jährige. Schauspieler und Gäste zeigen sich zufrieden. „Das Stück ist wahnsinnig toll gemacht. Vor allem das Tempo ist beeindruckend“, erzählt Roswitha Gollas aus Stuhr. „Tu doch endlich was“, schreit Imran Rose abschließend in die Menge und schaut nacheinander die Zuschauer an. Nach rund einer Stunde ist „Kein Platz mehr für dich“ vorbei. Weitere vier Aufführungen sind noch geplant. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt sechs Euro.

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