André Mahlstedt betreibt fünf Milchtankstellen

Direktvermarkter aus Varrel bald Landwirt des Jahres?

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André Mahlstedt an der Milchtankstelle seines Hofes. Dort bekommt der Kunde Rohmilch. 

Varrel - Von Andreas Hapke. Als André Mahlstedt vor drei Jahren seine erste Milchtankstelle auf seinem Hof an der Grünen Straße in Varrel eröffnete, sollte dies sein Einstieg in die Direktvermarktung sein. Rückblickend kann man sagen: Das ist gelungen. Nach eigenen Angaben beläuft sich der Anteil der Direktvermarktung am Gesamtgeschäft inzwischen auf zehn bis zwölf Prozent.

Seit Eröffnung der Milchtankstelle im Edeka-Markt in Moordeich vor rund einem Jahr erhalten die Kunden Mahlstedts Milch an insgesamt fünf Verkaufsstellen. Nur aus dem Spender auf dem Hof fließt Rohmilch, das Produkt in den vier Supermärkten, darunter zwei in Delmenhorst und einer in Bremen, ist pasteurisiert.

Längst hat Mahlstedt das zu Beginn ausgegebene Ziel von 40 Litern direkt vermarkteter Milch pro Tag überschritten. Eine genaue Zahl möchte er nicht verraten, doch mittlerweile sei der Absatz „mehr als doppelt so hoch“. Die Molkerei zahlt zurzeit 32 Cent für den Liter Milch, aus dem Automaten kostet der Liter einen Euro. Kein Wunder, dass immer mehr Landwirte auf die Idee kommen, Milchtankstellen einzurichten. Doch Mahlstedt empfindet sie nicht als Konkurrenz. „Die Kunden fahren ja nicht in andere Landkreise, um regionale Produkte einzukaufen“, ist er sich sicher.

Das Geschäft mit der Direktvermarktung hat Mahlstedt nicht nur über zusätzliche Milchtankstellen angekurbelt. Seit knapp einem Monat arbeitet er mit dem Delmenhorster Frischmilchhof von Seggern zusammen. Dessen Kühe, 15 an der Zahl, sind bei den Mahlstedts untergebracht, werden dort versorgt und gemolken. Arnold von Seggern holt die Milch zur Vermarktung in seiner hofeigenen Molkerei ab. Darüber hinaus ist eine Lieferung ins Haus des Kunden ein oder zwei Mal pro Woche nach telefonischer Bestellung möglich. Von Seggern liefert auch nach Stuhr. Für die Kühe sei der Umzug nach Varrel gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt Mahlstedt. „Aber es funktioniert. Sie haben hier mehr Platz und fühlen sich wohl.“ Insgesamt hat der Familienbetrieb jetzt 150 Kühe, die pro Tag mehr als 4 000 Liter Milch geben.

„Ich bin sehr, sehr zufrieden“, sagt Mahlstedt zur Entwicklung des Betriebs, den er zusammen mit seinem Vater Rolf führt. Noch zufriedener wäre er, wenn ihn die Jury am 18. Oktober zum „Landwirt des Jahres“ wählen würde. Unter die besten 30 von mehr als 180 Kandidaten hat er es bereits geschafft.

Den Wettbewerb hat der Deutsche Landwirtschaftsverlag vor fünf Jahren ins Leben gerufen, um Betriebe zu belohnen, die Außergewöhnliches leisten und sich dabei ihrer Verantwortung für Mitmenschen, Tiere und Umwelt bewusst sind. Mit seiner Bewerbung wollte Mahlstedt das Anliegen des Verlags unterstützen, „die Landwirtschaft ins rechte Licht zu rücken“. Viele würden sofort an die großen Stallanlagen denken, deshalb sei das Image schlecht. Dagegen wolle er angehen. Mahlstedt macht keinen Hehl daraus, dass ihm der Titel „sehr viel bedeuten“ würde. „Diese Chance hat man vielleicht nur ein Mal in seinem Leben.“

Seit Donnerstag steht auch fest, dass die Jury seinen Hof am 16. Juli inspiziert. Groß umstellen muss sich der Landwirt nicht: „Immer wieder kommen Besucher und erkundigen sich danach, wie wir produzieren. Aber das ist okay, auch wenn es manchmal Arbeit macht.“

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