Diakonisches Werk und Pro Dem bieten Projekte  an

Für Senioren und Demenzkranke: Digitale Teilhabe mit Tablets

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Grünes Licht für zwei digitale Projekte, die sich an Senioren und Personen mit Demenz richten, geben (v.l.) Lilja Helms und Christin Brümmer von Pro Dem sowie Katrin Moser und Marlis Winkler vom Diakonischen Werk.

Der Zugang zur Digitalisierung ist ein großer Schritt zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Um Senioren und von Demenz betroffenen Menschen einen Einstieg in das Thema zu erleichtern, haben der Verein Pro Dem und das Diakonische Werk Diepholz-Syke-Hoya zwei Projekte ins Leben gerufen.

Stuhr/Weyhe - Möglich macht das eine Zuwendung des Diakonischen Werks Niedersachsen von insgesamt 10 000 Euro. „Der Dachverband hat den Betrag für die Unterstützung modellhafter Projekte zur Digitalisierung im ländlichen Raum bereitgestellt“, sagt Marlis Winkler, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Diepholz-Syke-Hoya. Das Geld sei für ein Jahr zweckgebunden.

Den Anfang macht die „Tablet-Gruppe für Menschen mit Demenz“, die bereits am 22. August bei Pro Dem an der Bremer Straße 7 starten soll. „Das wäre unser Wunschtermin“, sagt Lilja Helms, Leiterin des geronto-sozialen Bereichs. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Hirnleistungsstörungen infolge einer beginnenden Demenz oder eines Unfalls. „Wir klären vorher die kognitive Leistungsfähigkeit in einem Beratungsgespräch ab“, sagt Helms. „Es hat keinen Sinn, dass ein Mann kommt, dessen Frau das unbedingt will. Wir müssen uns da auf unsere Einschätzung verlassen, denn wir wollen die Menschen nicht frustrieren, sondern pushen.“

Pro Dem hat dafür sechs Tablets geleast, auf denen die Teilnehmer mit Hilfe spezieller Apps Bewegungs-, Gedächtnis-, Rätsel-, Quiz- und Konzentrationsspiele spielen können. „Die Leute sollen sich trauen, mal zu drücken oder zu schieben“, sagt Helms. Sie spricht von „wissenschaftlich evaluierten Programmen“. Zwei Ehrenamtliche werden das Tablet erklären und durch die einzelnen Anwendungen führen. Die Gruppe soll gemeinsam denken, grübeln, singen und vor allem Spaß haben. „Unser Wunschgedanke ist, dass die Teilnehmer zu Hause mit ihrem Partner oder mit den Kindern üben“, sagt Lilja Helms. Es müsse gewährleistet sein, dass das Tablet wieder zu den Gruppenstunden – donnerstags von 15 bis 17 Uhr – mitgebracht wird. Das Angebot steht sechs Personen offen und beinhaltet einen Fahrdienst.

Laut Helms läuft auf den Tablets kein Androidsystem. Der Internetzugang ist gesperrt, damit die Teilnehmer nicht versehentlich eine Waschmaschine kaufen.

Anders sieht es bei dem Projekt „Technik-Tandem“ aus. Darin erklären fünf technikversierte Ehrenamtliche aus Stuhr und Weyhe jeweils einem auf diesem Gebiet unerfahrenen Senior die Nutzung des Tablets – auch und gerade vor dem Hintergrund, die digitalen Möglichkeiten zu entdecken. „Viele denken, sie werden im Internet übers Ohr gehauen, und haben Angst, etwas Verbotenes zu tun“, erklärt Helms. „Wir wollen die Chancen aufzeigen, ohne die Risiken zu vernachlässigen.“ Kirchenkreissozialarbeiterin Katrin Moser nennt das Recherchieren von Öffnungszeiten der Apotheken oder Taxi-Rufnummern als Beispiel. Für Winkler ist Einsamkeit „ein Riesenthema“. Eine tägliche Mail wie „Geht es dir gut?“ könne dies ein Stück weit auflösen.

Die Paare treffen sich nach individueller Absprache bei den Senioren. Im September erhalten die Ehrenamtlichen eine Schulung, im Oktober soll das Projekt beginnen. Pro Dem hat dafür zehn Tablets angeschafft.

Der Kontakt zwischen Pro Dem und dem Diakonischen Werk entstand, als Moser die Arbeit der Diakonie in den Weyher Quartieren vorstellte. Deren Betreuung liegt in den Händen von Quartiersmanagerin und Pro-Dem-Mitarbeiterin Christin Brümmer.

Moser begegnen nach eigener Auskunft immer häufiger Senioren, die sich in der zunehmend digitalen Welt abgehängt fühlen. „Viele allein schon aus finanziellen Gründen. Sie können sich kein Tablet leisten.“ Da der Schwerpunkt der Diakonie-Arbeit laut Winkler auf der Beratung „ganz unterschiedlicher Menschen“ liegt, sei es bei der Umsetzung von Projekten „immer wichtig, mit anderen Institutionen zusammenzuarbeiten“.

„Vor fünf Jahren hätte ich nicht gedacht, dass wir mal eine Tablet-Gruppe für Menschen mit Demenz haben werden“, sagt Helms. Winkler findet es „spannend zu sehen, wie ein Mensch reagiert, der noch nie ein Tablet in der Hand hatte“. Nach einem Jahr wollen die Partner für beide Gruppen Bilanz ziehen.

Infos und Anmeldung

Wer Interesse an der Teilnahme an einem der beiden Projekte hat, wendet sich an Pro Dem, 0421/898 33 44.

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