Buch über New Yorker Wolkenkratzer

„Diese Ausblicke kann mir nicht einmal Google bieten“

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Über den Dächern von New York. Gemeinsam mit seinen Fotografen wagt sich Dirk Stichweh regelmäßig hoch hinaus, um besonders spektakuläre Aussichten der amerikanischen Metropole einzufangen.

Brinkum - Von Andreas Hapke. Einmal im Jahr will – oder besser muss – Dirk Stichweh hoch hinaus. Dann zieht es ihn nach New York, um die Stadt von den Dächern der Wolkenkratzer zu betrachten. „Das ist meine Leidenschaft“, sagt der Brinkumer. Er teilt sie mit den Fotografen Jörg Machirus und Scott Murphy, die ihm die Fotos zu seinem jetzt erschienenen Buch „NY Skyscrapers – Über den Dächern von New York City“ geliefert haben. Es ist bereits das zweite Werk Stichwehs zu diesem atemberaubenden Thema.

„Ich bewege mich auf Dächern, auf die sonst niemand raufkommt. Das hat etwas Exklusives“, begründet der Autor seine Vorliebe für die mitunter schwindelerregenden Aussichten. „Das bietet einem selbst Google nicht.“ Dazu nutzt der 49-Jährige Kontakte, die er sich über Jahre hinweg aufgebaut hat.

Die Anfänge seines außergewöhnlichen Hobbys gehen auf das Jahr 2001 zurück, als Stichweh deutsche Anteilseigner am Chrysler Building anschrieb, seinem Lieblingsgebäude. Mit 319 Metern stellte das im Art-Déco-Stil entstandene Gebäude bei seiner Eröffnung 1930 alle damaligen Wolkenkratzer in den Schatten. Stichweh mag es wegen seiner verschnörkelten Bauweise – unter anderem mit Zierelementen in Form von Wasserspeiern.

New-York-Fan Dirk Stichweh mit einer seiner Lieblingsaufnahmen im neuen Band „NY Skyscrapers“.

Eine Mitarbeiterin der Deutschen Bank habe ihm weitere Türen geöffnet, so dass nach und nach ein Netzwerk aus Eigentümern, Firmen und Gebäudemanagern entstanden sei, berichtet Stichweh. „Die haben nicht alle Hurra geschrien, als ich gefragt habe. Manchmal sind die Hürden hoch, auch aus versicherungstechnischen Gründen.“ Deshalb pflegt Stichweh seine Kontakte, indem er zu Weihnachten mal eine Mail schreibt oder sein 2009 erschienenes Erstlingswerk „New York Skyscrapers“ verschenkt. Auf mehr als 60 Dächer haben es er und seine Fotografen bereits geschafft.

Besonders lange, drei Jahre nämlich, habe er gebohrt, bis man ihn auf das „MetLife“ Building (früher Pan Am Building) ließ. Das Okay habe ihn und seinen Fotografen ereilt, als sie mit ihren Fahrrädern auf der Brooklyn Bridge unterwegs waren. „Wir sollten sofort kommen, sonst klappe es nicht, hieß es.“ Also fuhren die beiden im Höllentempo mit den Rädern Richtung Central Station, in dessen unmittelbarer Nähe das Gebäude steht. „Nachdem wir bekannt waren, durften wir am selben Tag noch weitere zwei Mal auf das Haus.“ Von der ehemaligen Hubschrauberplattform aus stammen unter anderem Aufnahmen des Empire State Buildings.

Fast zu jedem Foto könne er eine Geschichte erzählen, sagt Stichweh. Als besonders spannend hat er die Fahrt mit einem Außenfahrstuhl auf das im Bau befindliche One World Trade Center vor rund zwei Jahren in Erinnerung. Auf einer Höhe von 360 Metern ist ein Foto entstanden, „das man heute nicht mehr machen kann“, berichtet er. Inzwischen ist das mit Spitze 541 Meter hohe Gebäude fertiggestellt. Es ist das zentrale Objekt auf dem Areal der ehemaligen Zwillingstürme, die durch die Terroranschläge am 11. September 2001 eingestürzt waren.

Ein einziges Mal hätten er und Jörg Machirus einen Helikopter gemietet, der dann ohne Türen abgehoben sei. „Wir hatten zwar ,doors off’ bestellt, aber so hatten wir das nicht erwartet“, sagt Stichweh. „Wir sind davon ausgegangen, dass man die Türen in der Luft bei Bedarf schließen kann.“

In seinem Buch informiert Stichweh nicht nur über die Besonderheiten von 80 New Yorker Wolkenkratzern, sondern auch über die Geschichte ihrer Architektur im Allgemeinen – vom Klassizismus über Art Déco und die Moderne bis hin zur Postmodernen. Er schreibt über Baugesetze und Wettläufe um die höchsten Kästen, und er gibt noch einen Ausblick auf geplante und im Bau befindliche Projekte.

Gegenüber seinem Erstlingswerk sind ungefähr 50 Prozent der Aufnahmen neu – auch deshalb, weil es einige Gebäude vor sieben Jahren noch nicht gegeben hat. Außerdem haben laut Stichweh schönere Perspektiven dazu geführt, Fotos auszutauschen. Zu den Neuheiten zählen doppelseitige Aufnahmen der Häuserschluchten.

Das Buch hat 192 Seiten sowie 180 Farbabbildungen und ist im Prestel Verlag erschienen (ISBN 978-3-7913-8225-8).

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